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Thema: Im Literaten-Café *** Geschichten eines Krieges - ein neues Buch (mit Leseprobe)
Isena (offline)
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Ich schreibe für mein Leben - gern!

Beiträge: 1
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Mitglied seit: 23.09.2008

Deutschland
icon1   Im Literaten-Café *** Geschichten eines Krieges - ein neues Buch (mit Leseprobe) #1 Datum: 20.02.2009, 01:00  

Geschichten eines Krieges

Chronisten schreiben über die stolzen Kämpfer, die für Land, Glaube
oder König in den Krieg ziehen. Barden besingen ihre Heldentaten in
Liedern.


Doch die wahrhaft großen Dinge ereignen sich unbemerkt und in aller
Bescheidenheit. Hier geht es um die Helden, die nicht in vorderster Reihe
stehen. Die Wesen, die durch den Krieg gezwungen werden, oft sehr
unkonventionelle Wege zu beschreiten und die mit viel List um ihr Leben
und um das ihrer Angehörigen kämpfen.

Egal ob Mensch, Elf oder Monster, all diese Kreaturen haben ein gemeinsames
Ziel: Überleben! Lesen Sie selbst, über die Helden, die nie als Helden
besungen wurden...



Die Herausgeber:

Die Autorengruppe "Die Drachenkinder" entstand Anfang des Jahres 2007
aus den Autoren Christiane Gref, Helmut Marischka, Carsten Steenbergen
und John Poulsen.

Da jeder der Autoren sein eigenes Fachgebiet hat, reicht das Portfolio der
Gruppe von Horror, über Fantasy bis hin zum historischen Roman, vom
Heftroman bis zum Hörspielbereich.

Die erste Anthologie der Drachenkinder "Hauch der Finsternis" wurde für
den Deutschen Phantastik Preis 2008 nominiert.


384 Seiten - 14,90 Euro -
ISBN 978-3-937544-08-3
Fantasy-Anthologie

Verlag Peter Hopf (vph)
Goethestraße 7
32469 Petershagen

Tel. : 05702-2159 (abends)
Fax : 05702-2199
mailto:peter.hopf@vph-mail.de
http://www.verlag-peter-hopf.de
Ust.-IdNr.: DE 170 163 548_



Ausschnitt aus dem neuen Buch:
(Kapitel "Das Glockenspiel" von Andreas Wölfle)

„Lo-dis-las, Lo-dis-las, Lo-dis-las!“ Großvater drehte die Kurbel ein letztes
Mal und das wunderbare spiel der Glocken klang so langsam aus, dass
Lodislas glaubte, es noch lange danach hören zu können. Er liebte es,
wenn Großvater die letzten Takte des Glockenspiels mit seinem Namen
begleitete, das gab ihm das Gefühl, dass es nur für ihn spielte.

„Immer singst du ‘Lodislas’“, murrte seine große Schwester. „Warum nicht
Sarin?“

„Weil dein Name nicht zum Takt der Glocken passt“, erklärte Großvater zum
mindestens hundertsten Male.

„Außerdem bist du schon eine junge Frau, bald werden richtige Männer für
dich singen, kein siecher Greis!“

„Ach Großvater!“ Sarin stand vom Boden auf, setzte sich zu dem alten
Mann auf die Sessellehne und drückte ihm einen Kuss auf die Wange.

„Darf ich dann wenigstens ein einziges Mal die Kurbel drehen?“

Auch das hatte ihr Großvater schon mindestens hundert Mal erklärt.

„Nein, meine Dame. Das Glockenspiel ist ein einzigartiges Instrument und
sehr empfindlich. Sein Erbauer wäre böse mit mir, wenn ich es aus der
Hand gebe.“

Er schob das nussbraune Kästchen mit der goldenen Kurbel demonstrativ
auf den Tisch.

„Der Erbauer dieses Dings ist schon lange tot!“, fauchte Sarin und rannte
beleidigt zur Tür. Beim hinausgehen stieß sie fast mit Vater zusammen, der
gerade noch zurückweichen konnte und ihr verdutzt hinterher blickte.

In seinem Gefolge befanden sich Lodislas’ ältester Bruder Barek und eine
Gruppe Männer, die Lodislas von den Nachbarhöfen kannte. Vater schloss
die Tür und bedeutete Barek und den Männern, sich an den Tisch zu
setzen.

„Es ist etwas geschehen, Harman“, sagte er zu Großvater.

„Junge! Geh in dein Zimmer!“

Vater wirkte immer ernst, weil er durch seinen buschigen schwarzen Bart
finster aussah und seit Mutters Tod nicht mehr gelacht hatte, aber heute
wirkte er ganz besonders ernst. Dennoch kam Trotz in Lodislas auf. Er
wollte nicht schon wieder ins Bett geschickt werden.

„Lass ihn dabei, mein Sohn“, sagte Großvater milde. „Er ist schon elf Jahre
alt, er darf hören, was Männer sich zu sagen haben.“

„Also schön“, brummte Vater. Er nahm die Karaffe mit Branntwein und
sechs Tonbecher vom Regal und stellte sie auf den Tisch. Stühle polterten
auf dem Holzboden, als die Gruppe sich setzte, für Lodislas blieb keiner
übrig.

Die Männer hatten den typischen Geruch von Arbeit an den Kleidern,
Schweiß, Erde und Vieh.

„Die Orks haben Hanichstadt geschleift“, sagte Vater und nahm einen
tiefen schluck Branntwein. Großvaters Augen weiteten sich.

„Bei der Schöpfung! Das ist ja gerade mal fünfzig Meilen von hier!“

„Es muss grauenvoll gewesen sein“, sagte der Mann vom Fentnerhof. Sein
Gesicht war rot und er hatte dicke schwarze Haare auf der Nase.

„Der Kurier, den ich beherbergt habe, hat erzählt, dass sie die Frauen
lebend an die Leichen ihrer Männer gebunden haben, um sie mit ihnen
verwesen zu lassen! Die ganze Hauptstraße soll gesäumt sein mit
gepfählten Soldaten! Und sie haben alle Kinder gefressen!“

Lodislas erschrak. Was waren das für Ungeheuer? Auf Gut Eichengrund
sprach kaum einmal jemand vom Krieg, lediglich Vater bekam immer
schlechte Laune, wenn der Regent wieder ungeheure Mengen an Vieh,
Getreide und Obst für seine Truppen verlangte.

„Aber der Regent wird uns doch Soldaten zum Schutz schicken?“

Großvater klang sehr beunruhigt. so kannte Lodislas den gemütlichen,
alten Mann nicht und das machte ihm Angst. Sein Herz klopfte schneller.

„Die Regierungstruppen kämpfen an der Ostfront“, erklärte Vater.

„Hanichstadt ist von den roten Raben verteidigt worden!“

„Der Schöpfung sei Dank!“ Großvater atmete auf. „So stehen wir nicht auf
verlorenem Posten!“

„Die roten Raben sind Söldner“, gab ein anderer Mann zu bedenken,
soweit Lodislas wusste, der Gutsherr von Steinbrück. „Mich wundert, dass
sie überhaupt noch für den Regenten kämpfen. sie haben doch sicher
schon monatelang keinen Sold mehr bekommen!“

„Die roten Raben sind edle Krieger“, warf der Mann vom Fentnerhof empört
ein. „sie kämpfen bis zum letzten Atemzug für die gute Sache!“

„Vater“, meldete Barek sich zu Wort, „ich überlege schon lange, ob ich mich
den roten Raben anschließen soll. Ich möchte mit unseren Helden gegen
die Orks ins Feld ziehen! Diese Halbmenschen sollen in ihrem eigenen Blut
ersaufen!“

„Ich brauche dich hier, Junge!“, entgegnete Vater unwirsch. „Die Apfelernte
ist in vollem Gange und die Früchte müssen gekeltert werden!“

Barek holte Luft, um zu widersprechen, da nutzte Lodislas den Augenblick
und stellte die Frage, die ihm schon lange auf der Zunge brannte.

„Was sind denn Orks?“

Die Runde verstummte. Lodislas drängte sich so gut es ging zwischen zwei
Männern an den Tisch. Noch nie hatte jemand mit ihm über den Krieg
gesprochen, alle hatten immer nur gesagt, dass er dafür zu jung sei. aber
jetzt wollte er mehr wissen.

Einen Atemzug lang sagte niemand etwas, bis der Mann vom Fentnerhof
ihn angrinste.

„Orks sind grünhäutige, böse Ungeheuer! Sie haben lange, spitze Hauer!“

Er hielt die nach oben gestreckten Zeigefinger an die Unterlippe und
simulierte damit die Zähne. „Ihr einziger Lebenssinn ist es, Menschen
abzuschlachten und zu versklaven! Sie trinken Blut! Und weißt du, was sie
am liebsten fressen?“

Lodislas schüttelte unsicher den Kopf.

„Kleine Jungen!“, schrie ihm der Mann plötzlich ins Gesicht. Lodislas
kreischte, sprang zurück und fiel auf den Hosenboden. Alle Männer,
einschließlich Vater und Barek, lachten schallend, nur Großvater hielt sich
zurück.

Lodislas’ Augen füllten sich mit Tränen, er rannte zur Tür und riss sie mit
einer Mischung aus Furcht und Wut auf.

Die Herbstsonne wärmte Lodislas’ Haut, als er nach dem Frühstück und
dem Unterricht aus dem Gutshaus lief, um den Küfern zu helfen. Vater
bestand darauf, dass seine Kinder mit Hand anlegten, denn seit der Krieg
tobte, hatten sich viele Arbeiter den Söldnern angeschlossen, weil sie sich
dort mehr Lohn versprachen.

Lodislas arbeitete gern; es machte ihm Spaß, mit seinen Händen das
Gleiche zu fertigen wie erwachsene Männer. Er schämte sich, dass er sich
am Vorabend verhalten hatte wie ein kleines Kind.

Jetzt, bei Tageslicht, kam ihm die Vorstellung von grünen Orks mit langen
Hauern lange nicht mehr so schlimm vor und außerdem hatte Großvater
gesagt, dass die roten Raben sie beschützen würden.

Süßer Geruch stach ihm in die Nase. Die Obsternte war in vollem Gange,
ein mit Äpfeln und Birnen beladenes Fuhrwerk stand in der Kelter. Lodislas’
Bruder Barek schaufelte von der Ladefläche Früchte in die Presse.

Als Barek ihn sah, unterbrach er seine Arbeit und winkte ihm zu. Lodislas
war noch ein bisschen böse auf ihn, weil er gestern zusammen mit den
Männern über ihn gelacht hatte, aber er winkte zurück.

Vor der Küferei stapelten sich die Fässer und innen hallte das Konzert der
Hämmer. Die Hitze der Feuer, über denen die nassen Dauben gebogen
wurden, wallte Lodislas entgegen, als er sich bei Garmesch, dem
Küfermeister, zur Arbeit meldete.

„Ah, unser fleißiger Gehilfe“, begrüßte ihn der breitschultrige Handwerker.

„Fühlt sich der junge Mann kräftig genug, um Dauben auszunehmen?“

„Aber natürlich, Meister“, strahlte Lodislas.

Stolz, dass der Küfermeister ihm richtige Männerarbeit zuteilte, machte er
sich ans Werk. Am Nachmittag begannen seine Arme zu schmerzen und er
freute sich auf den Feierabend, das Essen mit dem Gesinde und vor allem
auf Großvaters Glockenspiel.

Der Tag verlief wie viele andere Tage auf Gut Eichengrund.

Bis der Reiter kam.

„Ein Reiter!“ Der Küferlehrling rannte aufgeregt wie ein Huhn durch die
Werkstatt. „Ein Reiter kommt über die Wiesen!“[...]

Isena
Mehr Infos findet ihr hier: http://www.autorenkrise.de
Oder auf meinem Blog: http://www.autorenkrise.blog.de

Ich freue mich über Besucher. Internet: Die Welt ist gerade groß genug Zwinkern
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