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Thema: Mit Gott im Aufsichtsrat – Über die Pharmakonzerne und die Schweinegrippe

icon1 Mit Gott im Aufsichtsrat – Über die Pharmakonzerne und die Schweinegrippe Datum: 18.05.2009, 16:40
Wilfried John (Silber Super-Member)
Ich wollte, man würde einsehen dass die Grenzen des Mitleids
nicht da liegen, wo die Welt sie zieht
.
Vincent van Gogh

Mittlerweile wird sie in offiziellen Verlautbarungen zwar nicht mehr so
genannt, doch durch die eine fast beispiellose Medienkampagne
verursacht, ist sie in den allgemeinen Sprachgebrauch als Mexikanische
Schweinegrippe oder, bei noch schlichteren Gemütern, als
Schweinegrippe eingegangen. Nun korrigierten Experten den Irrtum.
Irrtum? Nun, wie dem auch sei, es wurde bekannt, dass es sich bei dem
Erreger um keine neue Mixtur aus Influenzaviren handelt.


Das Influenza-Virus des Subtyps H1N1 scheint bei der zurzeit in Mexiko
grassierenden Grippewelle eine Hauptrolle zu spielen. Nicht nur das
Alltagsleben in Mexiko-City ist völlig aus den Fugen geraten, selbst
weltweit sind die Gesundheitsbehörden in Alarmbereitschaft. Täglich
werden auch in Deutschland neue Verdachtsfälle gemeldet. Denn es
hieß, es hätte sich eine neue Schweine-Mensch-Virenmutante gebildet,
die eine Pandemie verursachen könnte. Doch diese Schreckensmeldung
stellt sich mittlerweile als falsch heraus. Recherchen des
Wissenschaftsforum Aviäre Influenza haben ergeben, dass es sich
gerade nicht um ein neues gefährliches Virus handelt, das aus einem
Schweine- und einem Menschen- Grippevirus neu mutiert ist.

Klarstellung

Dies hat nun auch die US-Seuchenbehörde CDC klargestellt: Die Erreger
sind tatsächlich reine "Schweine-Influenza-Viren". Eine Mischung von
Humangrippe-, Vogelgrippe- und Schweinegrippeviren, wie sie etwa auch
von der Bundesbehörde Friedrich Loeffler-Institut behauptet wurde, hat
es definitiv nicht gegeben. Es handelt sich ursprünglich um einen
Schweinegrippevirus, der sich offenbar aus Genen von zwei
amerikanischen Schweinegrippe- Stämmen kombiniert hat, die seit
Jahrzehnten bekannt sind. Auch Experten in anderen Ländern kamen
nach gründlicher Analyse inzwischen zu ähnlichen Erkenntnissen.

Im Übrigen verlief von den bisher bekannt gewordenen Fällen nur in
Mexiko ein Teil lebensbedrohlich und in einigen Fällen sogar tödlich. In
allen anderen Ländern, in die dieses Virus von Reisenden aus Mexiko
eingeschleppt wurde, verlief die Grippe nur mit leichten Symptomen. Eine
Weiterverbreitung von Mensch zu Mensch wurde in diesen Ländern
bisher nicht sicher nachgewiesen.

In Mexiko-City herrscht seit März eine ungewöhnliche Trockenheit, die
Luftfeuchte betrug zeitweise nur 16 Prozent. Diese Witterung reizt die
Atemwege, so dass die Menschen, die zudem mit einer massiven Abgas-
und Feinstaubbelastung in der Mega-City leben müssen, äußerst
gefährdet für Atemwegserkrankungen wie Bronchitis, Lungenentzündung
und Grippe sind. Das kann den schweren Verlauf der
Atemwegserkrankungen erklären.

Eine mögliche Antwort auf das Rätsel des Erregers nennt Alexander S.
Kekulé, Institutsdirektor und Professor für Medizinische Mikrobiologie in
Halle, im "Tagesspiegel". Sie liegt möglicherweise in einem kleinen
mexikanischen Ort, 150 Kilometer östlich der Hauptstadt. "Wie die
mexikanische Regierung erst jetzt zugab, traten unter den bettelarmen
Bewohnern der Siedlung La Gloria bereits seit Anfang März mysteriöse
Fälle von Grippe mit gleichzeitigem Durchfall auf", schreibt Kekulé.

"Älteren Zeitungsberichten zufolge grassierte die Krankheit dort sogar
schon seit Dezember 2008", so Kekulé weiter. "Als am 5. April schließlich
über die Hälfte der 3000 Einwohner erkrankt und zwei Kinder gestorben
waren, gingen die Menschen von La Gloria auf die Straße. Sie waren sich
sicher: Die Krankheit kommt von dem benachbarten
Schweinemastbetrieb eines amerikanisch-mexikanischen Konzerns,
dessen stinkende Abwässer das Trinkwasser verunreinigen.

Überzogene Warnungen

Einer der am heftigsten vor überzogenen Reaktionen auf die angebliche
Epidemie-Gefahr gewarnt hatte, war der US-Kongressabgeordnete Ron
Paul, libertär-konservativer Ex-Präsidentschaftskandidat der
Republikaner. Die Hysterie sei offensichtlich ein weiterer Grund für "Big
Government". Der Politiker und Arzt befürchtete, dass die US-Wirtschaft
und die Regierung diese Situation und die Angst der Menschen zu ihrem
Vorteil ausnutzen könnten, um noch mehr Kontrolle auszuüben und
daraus zudem ein profitables Geschäft zu machen.

Paul fand es absurd, dass das US-Heimatschutzministerium sich
einschaltete, um ein Gesundheitsproblem zu lösen. Im vergangenen Jahr
habe es in den USA 13.000 Fälle von Tuberkulose gegeben, eine
tatsächlich gefährliche Krankheit. Bereits im Jahr 2006 seien 644
Menschen an Tuberkulose gestorben, aber davon sei keinerlei Aufhebens
gemacht worden.

Noch deutlicher wird der bei Genf lebende Schweizer Soziologen Jean
Ziegler. Er ist der Ansicht, dass dieses Krankheitsphänomen auf Kosten
der Armen dieser Welt kaltherzig ausgenutzt wird. Vor allem erhebt er
schwere Vorwürfe gegen die Weltgesundheitsorganisation (WHO), deren
Kampagne schüre die Angst und stehe in keinem Verhältnis zu den
wirklichen Problemen. "Von 6,2 Milliarden Menschen sind vermutlich seit
einigen Wochen etwa 45 an der Grippe gestorben. Aber 100.000
Menschen sterben jeden Tag an Hunger und seinen unmittelbaren
Folgen", sagte Ziegler am Samstag der dpa. Alle fünf Sekunden
verhungere ein Kind unter zehn Jahren. "Das nehmen wir hin mit eisiger
Normalität."

Er empfinde es als "Unverschämtheit", dass sich ein führender WHO-
Vertreter vor die Medien stelle und sage, zwei Milliarden Menschen seien
von dem neuen mutierten Schweinegrippevirus H1N1 bedroht, sagte der
Gesellschaftskritiker. "Wer sieht, wie die Krankheit verläuft, handelt mit
solchen Aussagen unverantwortlich", sagte Ziegler. Schon jetzt werde
Mexiko in der Welt diskriminiert. Er bestreite nicht, dass die WHO eine
Verpflichtung zur Überwachung der internationalen Gesundheit
habe. "Aber sie muss die Verhältnismäßigkeit wahren und den Leuten
nicht Angst machen, obwohl sie es ja eigentlich besser weiß", sagte der
frühere UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, der zurzeit
den UN-Menschenrechtsrat berät.

Die Existenz der Besitzenden

Etwa 953 Millionen Menschen sind permanent schwerstens unterernährt,
sagte Ziegler. "Für sie gibt es weder Pressekonferenzen noch eine
internationale Mobilisierung." Derzeit aber lade die WHO täglich die
Medien der Welt zur Information über den aktuellen Stand der
Schweingrippe in ihr Hauptquartier in Genf. "Wenn es um die Existenz
der Besitzenden geht, wird das Weltgewissen alarmiert",
sagte
Ziegler. "Das zeigt unsere Blindheit und letztlich auch unsere
abgrundtiefe Kaltherzigkeit und unseren Zynismus."

Für den Schweizer Professor ist es dabei erstaunlich, wie die Medien
gelenkt würden. Ihn würde es nicht verwundern, wenn große
internationale Pharmakonzerne "dabei als Steuermann tätig sind", sagte
Ziegler. Sie litten unter der Wirtschaftskrise und hätten die Patente auf
Antigrippemittel, die allenthalben gehortet würden. Krankheiten wie
SARS oder die Vogelgrippe, bei denen weltweite Epidemien befürchtet
worden waren, hätten Pharmakonzernen Milliarden in die Kassen gespült.

Dass Ziegler das so sehen kann, liegt in einer offensichtlichen Diskrepanz
zwischen dem Umgang mit Krankheiten welche die sog. entwickelten
Länder bedrohen und der Behandlung von Krankheiten, welche „nur“
Arme Schlucker bedroht. Alle 40 Sekunden stirbt ein Kind unter fünf
Jahren an Malaria. Das berichtete das Kinderhilfswerk UNICEF bei der
Vorlage ihres Welt-Malaria-Berichtes in Genf. Somit ist Malaria die
Haupttodesursache für Kleinkinder weltweit. Vor allem seien die
afrikanischen Länder schwer betroffen.

Ein Impfstoff sei schon seit über 30 Jahren versprochen worden, aber
bisher nicht entwickelt worden. Aber offenbar ist den
Pharmaunternehmen die Investition nicht profitträchtig genug… die
Afrikaner können sich teure Medikamente eben nicht kaufen. So
gesehen, bestimmen Konzerne über Leben und Tod von Millionen.
Entweder man lässt sie Gott spielen oder er höchstselbst sitzt in ihren
Aufsichtsräten.

Hier eine kleine (unvollständige) Aufzählung von Beispielen:

Grippe:
Die Influenza kann explosionsartig in einem kurzen Zeitraum von
wenigen Wochen große Teile der Bevölkerung befallen. Im vergangenen
Herbst und Winter starben allein in Deutschland 15 000 bis 20 000
Menschen daran. Die größte Influenza-Pandemie war die Spanische
Grippe im Jahr 1918, an der weltweit mehr als 20 Millionen Menschen
starben. Die Asiatische Grippe forderte 1957 eine Million Tote, die
Hongkong-Grippe tötete 1968 rund 700 000 Infizierte. Impfstoff
vorhanden.
Sars:
Die Lungenkrankheit war nach Ansicht der WHO die erste globale
Epidemie des 21. Jahrhunderts. Im März 2003 schlug die Organisation
Alarm, nachdem Menschen in China, Hongkong und Vietnam an einer
unbekannten Lungenkrankheit gestorben waren. Nur vier Monate später,
Anfang Juli 2003, wurde Taiwan als letztes Land von der Liste der
Infektionsgebiete gestrichen. Das schnelle Zurückdrängen von Sars
gelang vor allem mit altbewährten Mitteln: Hygiene, Reiseeinschränkung
und Quarantäne. Dank der weltweiten Zusammenarbeit von Forschern,
Medizinern und Politikern beschränkte sich die Zahl der Toten auf 800.
Kein Impfstoff vorhanden.
Aids:
Das Virus bewirkt eine Zerstörung des Immunsystems. Von Westafrika
aus gelangte es zunächst in die USA und breitete sich seit Anfang der
1980er Jahre über den ganzen Globus aus. Weltweit leben nach
Schätzungen des Aidsbekämpfungsprogramms der Vereinten Nationen,
UNAIDS, etwa 40 Millionen Menschen mit dem Aidsvirus. Mehr als 3
Millionen starben im vergangenen Jahr daran. Kein Impfstoff vorhanden.
Tuberkulose:
Die Schwindsucht ist eine Elendskrankheit und eine der ältesten Plagen
der Menschheit. Tuberkulose steht mit Aids und Malaria an der Spitze der
tödlichen Infektionskrankheiten. Jedes Jahr gibt es zwei bis drei Millionen
Tote. Besonders dramatisch ist die Entwicklung Experten zufolge in
Osteuropa. Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung ist heute mit
Tuberkulose infiziert. Der Erreger Mycobacterium tuberculosis wurde zwar
mit den Jahren zunehmend resistent gegen verschiedene Antibiotika,
aber es gibt immer noch wirksame Antibiotika.
Malaria:
An der Tropenkrankheit erkranken laut WHO jährlich 300 bis 500
Millionen Menschen und 1,5 bis 2,7 Million sterben, besonders in Ländern
der Tropen und speziell in Afrika südlich der Sahara. Kein Impfstoff
vorhanden.
Pocken:
Die Pocken wurden als erste Infektionskrankheit durch ein weltweites
Impfprogramm ausgerottet. 1980 erklärte die WHO die Welt offiziell als
pockenfrei. Alle heute bekannten Pockenbestände sind in zwei
Hochsicherheitslaboren in den USA und in Russland untergebracht. Es
wird aber vermutet, dass die Viren auch in andere Länder gelangt sein
könnten. Impfstoff vorhanden.

Die Wende zum Besseren…

…ist eigentlich ein Schlechterwerden. Mit der Klimaerwärmung, der
Globalisierung und dem steigenden Reiseverkehr, können die Erreger der
Malaria jederzeit wieder in den Norden zurückkehren. Über Italien
kommend, breitet sich langsam auch in der Schweiz die so genannte
asiatische Tigermücke aus. Der Blutsauger forderte in Asien und den USA
als Überträger des Dengue- und Westnilfiebers zahlreiche Todesopfer. In
den industrialisierten Ländern kämpft man mit modernen Medikamenten
und möglichst schonenden Insektiziden gegen die Plage. Aber die
Resistenzen von Mücken und Erregern nehmen zu.

Wenn Ziegler Recht haben sollte (und so recht zweifle ich auch nicht
daran, dass er Recht hat), dann werden die Pharmaunternehmen
plötzlich ein lukratives Geschäft wittern und es würde mich doch sehr
wundern, wenn sie nochmals 30 Jahre für die Entwicklung von wirksamen
Medikamenten benötigen würden. Wir haben ja das Geld für
Medikamente.

Selbst an Malaria erkrankt

Wilfried John


Weitere Informationen des Wissenschaftsforums Aviäre Influenza unter:
http://www.wai.netzwerk-phoenix.net/



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