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Thema: Pressefreiheit ist Menschenrecht – Über Grenzen, frei die Meinung zu sagen

icon1 Pressefreiheit ist Menschenrecht – Über Grenzen, frei die Meinung zu sagen Datum: 08.08.2008, 14:21
Wilfried John (Silber Super-Member)
„Pressefreiheit ist das Recht, Lügen zu drucken,
ohne dazu gezwungen zu sein.“

Robert Lembke


Nachdem ich im Beitrag „Schweigen ist Gold – Maulkörbe wider die
Meinungsfreiheit„ (sozusagen dem ersten Teil des nun vorliegenden
Artikels) ganz allgemein über Meinungsfreiheit schrieb, möchte ich mich
aufgrund einer Nachfrage in einem Kommentar zum genannten Artikel,
heute etwas spezieller um das Thema Pressefreiheit kümmern.


Natürlich sind die beiden Begriffe Meinungsfreiheit und Pressefreiheit
nicht trennscharf von einander abzugrenzen, aber dennoch ist es
durchaus möglich, eindeutig zu unterscheiden.

Während das eine (Meinungsfreiheit) sozusagen ein „Vorrecht“ darstellt,
ist die Pressefreiheit sozusagen ein „Nachrecht“ (man verzeihe mir die
Wortkreationen). Zum einen geht es darum in meiner Meinungsbildung
nicht beschränkt werden und nicht eine Meinung aufoktroyiert zu
bekommen, zum anderen geht es darum, diese meine Meinung in Schrift
und Bild ungehindert verbreiten zu können.

Pressefreiheit ist also explizit das Recht auf freie MeinungsÄußerung.

Das war und ist weltweit offenbar so wichtig, dass es 1948 in die
„Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ aufgenommen wurde und bis
zum heutigen Tag unverändert dort ausgewiesen ist.

Das sollte uns zu denken geben.*1 Wenn da im Art. 19 geschrieben
steht:

„Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung; dieses Recht
umfasst die Freiheit, Meinungen unangefochten zu vertreten sowie
Informationen und Ideen mit allen Kommunikationsmitteln ohne Rücksicht
auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“


Die allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ entstand unter den
traumatischen Eindrücken des „2. Weltkriegs“; wobei ich natürlich auf die
Gleichschaltung der Medien in Deutschland unter dem Hitlerregime
ebenso hinweisen möchte, wie auf die Kriegspropaganda der übrigen
Kriegsteilnehmer (auch hier durften Journalisten nicht berichten was sie
für nötig hielten).

Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich versuche nicht begangenes
Unrecht gegen begangenes Unrecht aufzurechnen und damit zu
verharmlosen oder gar zu entschuldigen!

Im Gegenteil. Der Hinweis ist mir deshalb wichtig, weil sich an ihm sehr
deutlich zeigen lässt, dass da, wo nicht unabhängig berichtet werden
darf und wo Menschen ihre Meinung nicht frei äußern können, auch
andere Menschenrechte verletzt werden (können).

Daher ist die Freiheit ungehindert zu informieren, sich informieren zu
lassen und sich schließlich selbst informieren zu können, stets ein
zuverlässiger Gradmesser für die Achtung der universell gültigen
Menschenrechte in einem Land.

*1 Es sollte uns also zu denken geben, dass in
der „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ die Pressefreiheit
aufgenommen wurde und sie bis zum heutigen Tag unverändert dort
ausgewiesen ist: Es war und ist offenbar eine Notwendigkeit!

Recht im Allgemeinen und Gesetze im Besonderen, wird nicht einfach so
gemacht. Es sind Recht und Gesetzt immer Ausdruck von widerstreitenden
Interessen; insofern ist es eigentlich eine Falschbezeichnung, für die
ungehinderte Möglichkeit Informationen und Meinung zu verbreiten, den
Ausdruck Freiheit zu gebrauchen.

Auch in der Verfassung Deutschlands, dem Grundgesetz (GG), ist im Art.
5 das „Grundrecht, Informationen und Meinungen in Schrift und Bild
ungehindert zu verbreiten“ festgeschrieben. Dies geschah, 1949, unter
dem Eindruck der Erfahrungen nicht nur der Gleichschaltungs-Politik in
der Zeit der Nazi-Herrschaft.



Vielmehr berücksichtigten die Väter und (wenigen) Mütter der Verfassung
auch die Erfahrungen der Zeit davor.

Schon in der Weimarer Republik gab es einen Konzentrationsprozess in
der Medienlandschaft und Beschränkungen der Arbeitsmöglichkeiten von
Journalisten. Da aber die Pressefreiheit wesentlich für die Meinungsbildung
der Bürgerinnen und Bürger ist, ist sie für einen freien und demokratischen
Prozess unverzichtbar. Informationen sind der erste Schritt zu Veränderungen
– deshalb fürchten nicht nur autoritäre Regierungen eine ungehinderte
und unabhängige Berichterstattung.

Wo Medien nicht über Unrecht, Machtmissbrauch oder Korruption
berichten können, findet auch keine öffentliche Kontrolle statt, keine freie
Meinungsbildung und kein friedlicher Ausgleich von Interessen.

Pressefreiheit ist die Basis einer demokratischen Gesellschaft. Später
komme ich auf diesen Punkt noch ausführlicher zurück.

*1.2 Mit dem Begriff Pressefreiheit ist allerdings nicht
nur der Prozess von der Informationsbeschaffung ist zu Informations-
Verbreitung umschrieben, sondern dieser Begriff schließt die Freiheit der
im Pressewesen (Pressewesen ist immer einschließlich der elektronischen
Medien zu verstehen) tätigen Personen, besonders die Journalisten, und
die freie Gründung von Presseunternehmen mit ein; bei letzterem stoßen
wir auf ein Problem, bei dem es wiederum um möglicherweise
widerstreitende Interessen geht – ja sogar ein unüberbrückbarer
Interessengegensatz offenbar werden kann. Doch auch dazu später
mehr.

*1.3 Das Grundrecht auf Pressefreiheit ist zunächst
als Abwehrrecht gegen staatliche Zensur konzipiert. Es schließt aber
auch nichtstaatliche Aspekte mit ein und somit enthält es einen
erweiterten Zensurbegriff, der sich eben nicht nur auf staatliche
Vorzensur beschränkt, sondern bis hin zu arbeitsrechtlichen Beschränkungen
auszudehnen ist.

Der P.E.N. erklärt das sehr schön wenn er feststellt: „…das der
notwendige Fortschritt in der Welt, hin zu einer höher organisierten
politischen und wirtschaftlichen Ordnung eine freie Kritik gegenüber
Regierungen, Verwaltungen und Institutionen zwingend erforderlich
macht“ und er deswegen jede Form der Zensur verwirft.

*2 Wie schon in der Weimarer Republik, ist die freie
Verbreitung von Nachrichten durch die anhaltende Konzentration bei den
Medien gefährdet; zusätzlich noch verschärft, durch die Zulassung
privater Sendeanstalten (wobei ich das Wort Anstalten wegen
seines „Klangs“ absichtlich wählte, obwohl ich es ansonsten nicht
ausstehen kann).

Die Konkurrenz der Zeitungen nimmt ab und wenige Großkonzerne und
Nachrichtenagenturen bestimmen die Inhalte der Publikationen.
Gleichzeitig beginnt die sog. „Liberalisierung des Arbeitsmarktes“, sich
negativ auf die Arbeitsmöglichkeiten von Journalistinnen und Journalisten
auszuwirken, da viele ihre Festanstellung verloren und gezwungen sind,
selbst produzierte Beiträge an „Kunden“ zu verkaufen; es leuchtet
unmittelbar ein, dass niemand etwas kauft, das gegen ihn gerichtet ist.

Die Verbetriebswirtschaftlichung unserer Gesellschaft macht auch vor
Zeitungsredaktionen nicht halt (manche meinen sogar, dass sie von hier
ihren Anfang nahm…) und so werden Rechercheure abgebaut und
Meldungen der Großen unbearbeitet übernommen; das kann man, wenn
man streng ist, auch Gleichschaltung nennen.

*3 Journalistinnen und Journalisten sind heute mehr
denn je den innerbetrieblichen Weisungen des Verleger (Eigentümer des
Mediums) und seines Chefredakteurs (Geschäftsführer) unterworfen oder
sogar ausgesetzt.



In Deutschland haben wir die Errungenschaft der Arbeitnehmer-
Mitbestimmung und viele Untersuchungen beweisen, dass sie einen Teil
der Prosperität und Effektivität des Wirtschaftsstandorts ausmacht, weil
sie widerstrebende Interessen auszugleichen im Stande ist.

Aber Verlage sollen keine normalen Betriebe sein, obschon sie sich
durchaus wie normale Betriebe verhalten. Und so werden sie vom Recht
wie Kirchen behandelt, in denen die Mitbestimmung äußerst
eingeschränkt und ihrer eigentlichen Kontrollfunktion beraubt ist.

Nicht nur ich bin der Meinung, dass Pressefreiheit mehr sein muss, als die
Freiheit eine Zeitung zu besitzen.

Auch Journalistinnen und Journalisten sind Menschen – mit ganz
normalen menschlichen Bedürfnissen; vordergründig zu nennen die
Grundbedürfnisse Essen, Trinken, Kleiden, Wohnen.

Durch die wirtschaftlichen Zwänge provoziert, entwickeln sich sehr
schnell die „Schere im Kopf“ oder gleich ein „vorauseilender Gehorsam“.

Um nochmals P.E.N. zu Worte kommen zu lassen: „...da die Freiheit auch
freiwillig geübte Zurückhaltung einschließt, verpflichten sich die
Mitglieder, solchen Auswüchsen einer freien Presse wie wahrheitswidrigen
Veröffentlichungen, vorsätzlichen Fälschungen und Entstellungen von
Tatsachen für politische und persönliche Ziele entgegenzuarbeiten.“

Pressefreiheit ist erst dann wieder hergestellt, oder überhaupt erst
verwirklicht, wenn die äußere „Freiheit der Presse“ durch eine „innere
Pressefreiheit“ ergänzbar wird.

Ich möchte es nicht versäumen darauf hinzuweisen, dass dieser Artikel
nicht „einfach aus dem Bauch heraus“ geschrieben wurde, sondern, dass
ihm Fakten zugrunde liegen.

Diese Fakten sind allgemein zugänglich und dürfen als bekannt
vorausgesetzt werden. Es ist aber – wie bei jeder Information – eine
Frage der Bewertung, diese Fakten zu verarbeiten; auch an diesem
Punkt zeigt es sich, dass die „Besetzung der Hirne“ schon weit
fortgeschritten ist, sonst würde man sich es sich nicht gefallen lassen,
dass man, im Zusammenhang mit Diskussionen über die in Unabhängigkeit
ungehindert zu informieren, sich informieren zu lassen und sich schließlich
selbst informieren zu können, mit dem Totschlags-Begriff „Freiheit“
konfrontiert wird – worüber man schließlich nicht diskutieren kann.

Man kann aber über politische oder kommerzielle Interessen
diskutieren…
doch diese Diskussionen werden mit dem Todschlags-Begriff „Freiheit“
abgewürgt oder finden erst gar nicht (mehr) statt.

Dass es mit der Pressefreiheit in Deutschland nicht eben gut bestellt ist,
zeigt auch die jährlich erscheinende „Rangliste der Pressefreiheit“
von „Reporter ohne Grenzen“. Von den G8-Staaten sind im Jahre 2007
nur zwei unter den Top 20 (Kanada auf Rang 18 und Deutschland auf
Rang 20).



Dabei kommen die „Reporter ohne Grenzen“ bei ihren Untersuchungen
des Zustands der Pressefreiheit in Deutschland zu dem Ergebnis, dass
sich die Lage in Deutschland, gegenüber früherer Untersuchungen, kaum
verändert hat. Erneute Ermittlungsverfahren gegen Journalisten wegen
Beihilfe zum Geheimnisverrat, gesetzliche Regelungen und Vorschläge,
die den Quellenschutz aushöhlen, Drohungen und Übergriffe gegen
Journalisten, die im rechten Milieu recherchieren sowie Einflussnahme auf
Redaktionen durch Anzeigenschaltungen haben zu dem (eher als negativ
zu bezeichnenden) Ergebnis geführt.

Negativ, meiner Meinung nach, deshalb, weil Deutschland noch nach
so „fortschrittlichen“ Ländern wie Trinidad und Tobago (19) und gerade
mal vor „dem ausgewiesen demokratischen“ Costa Rica (21) rangiert;
übrigens steht die Schweiz nach dieser Rangliste auf Platz 11.



Nachdem ich nun, so hoffe ich, ausführlich genug den Begriff erläutert
habe und begründete, warum es keine „innere und äußere“ Grenze der
Pressefreiheit geben darf, möchte ich nun ein paar Gedanken
aufschreiben, wie man die Pressefreiheit wieder „befreien“ oder
überhaupt erst verwirklicht werden könnte.

Wenn sich diese Gedanken „sich lesen“ wie eine Utopie, sollte es nicht
dazu führen, dass man sie in Bausch und Bogen verwirft, sondern es ist
ein weiteres Indiz dafür, wie weit unser Denken schon begrenzt oder
beeinflusst ist.

Es wird nicht einfach oder sogar leicht sein, der Pressefreiheit zur Freiheit
zu verhelfen; zu mächtig sind die politischen Begehrlichkeiten und die
kommerziellen Interessen. Es würde sozusagen einer Revolution
gleichkommen, meinen Vorschlägen zu folgen und weit in die politischen
Verhältnisse eingreifen.

Doch warum sollte ich darauf verzichten extrem zu denken?

Der oben angesprochene Kommentator stellt zurecht fest, dass
es „immer zwei Seiten“ gibt und, dass "allen Seiten Recht getan"
beinahe unmöglich ist. Aber eben nur beinahe!

Die zwei Seiten sind nicht, wie ich versucht habe herauszuarbeiten, die
Freiheit und die Unfreiheit, sondern der unüberbrückbare
Interessensgegensatz zwischen Kapital und Arbeit.

Deswegen kann es im real existierenden System nicht einem Eigentümer
überlassen werden, die Definitionsmacht für die Pressefreiheit (und auch
anderen Freiheiten…) zu bestimmen; übrigens auch keinem politischen
Akteur (Staat). Es ist dafür zu sorgen, dass die Verwirklichung der
Pressefreiheit staatlicher Auftrag wird oder auf staatliches Handeln
zurückgeführt wird.

Allerdings ist eine echte demokratische Kontrolle Grundvoraussetzung;
so wie ursprünglich der öffentlich-rechtliche Rundfunk angelegt war,
wobei die Einflussnahme von Parteien und Unternehmen zurückgedrängt
werden muss.

Das erfordert aber, dass die neoliberalistisch geprägte EU demokratisch
reformiert wird – ich bin übrigens – auch in diesem Zusammenhang, sehr
froh, dass der EU-Vertrag erneut durchgefallen ist.

Über die undemokratische (weil nicht vom Volk direkt gewählte, sondern
von den Regierungen nach Interessenlage bestimmte) EU-Kommission,
üben die kommerziellen Informationsanbieter, ganz aktuell, ziemlichen
Druck auf die öffentlich-rechtlichen Medien vor allem in Deutschland aus.

Die EU ist politisch einseitig zugunsten der Wirtschaft organisiert und das
wirkliche Machtzentrum ist nicht das EU-Parlament, sondern die EU-
Kommission, die jene Einseitigkeit in Richtlinien umsetzt (übrigens sind
solche Vorschriften wie der Krümmungswinkel von Salatgurken kein
lächerlicher Ausbund von EU-Bürokratismus, sondern knallharte
Interessenpolitik für Wirtschaftsunternehmen, weil "gerade" Gurken eben
leichter zu verpacken und zu transportieren sind und damit Kosten
reduziert und Profite sichert).

Auch die Liberalisierung des Arbeitsrechts in den einzelnen
Mitgliedsländern erfolgt im Wesentlichen über diese EU-Kommission.
Diese Deregulierung von Schutzrechten muss zunächst gestoppt und
dann zurückgeführt werden; Journalistinnen und Journalisten (und alle
anderen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer) dürfen nicht in prekären
Arbeitsverhältnissen beschäftigt werden, damit auch die „innere
Pressefreiheit“ nicht wirtschaftlichen Zwängen unterworfen werden kann.

Informationsunternehmen müssen wieder unter öffentlich-
rechtliche Kontrolle (in oben genanntem Sinne) und in ihnen tätige
Personen sind dem Allgemeinwohl, der Objektivität und Wahrheit zu
verpflichten.

Sie müssen wieder über Alternativen zur herrschenden Meinung (die
herrschende Meinung ist die Meinung der Herrschenden) berichten
können, ohne Gefahr für Leib und Leben und ohne Gefährdung ihrer
wirtschaftlichen Existenz.

Natürlich gibt es Grenzen der Meinungsfreiheit (und somit auch der
Pressefreiheit). Es sind dies die natürlichen Grenzen der Freiheit,
demnach die Freiheit des einen, durch die Freiheit des anderen ihre
Grenze findet.


Carl Friedrich von Weizecker hat das in einem wundervollen Satz
zum Ausdruck gebracht: Sollen er und ich frei sein, so müssen wir unsere
Freiheit beschränken. – Die Inhalte definieren die Grenzen der
Meinungsfreiheit. Unsere Verfassung verbietet den Verstoß gegen
allgemeine Gesetze z.B. dem Jugendschutzgesetz und den Eingriff ins
Recht der persönlichen Ehre; wobei das eine (also Berichte über
strafbare Handlungen) nicht durch Verweis auf das andere (also die
persönliche Ehre) ausgeschlossen werden kann.

Das war´s! So könnten sich Journalistinnen und Journalisten wieder auf
wirklich wichtige Themen konzentrieren und müssten nicht ein „schäbiges
Brot“ mit „schäbigem Boulevard-Journalismus“ verdienen.

Es muss außerdem wieder durchgesetzt werden, dass die alten
journalistischen Formen wieder zur Geltung kommen. Es ist ein
Grundprinzip der Journalismuslehre in Deutschland nach 1945,
übernommen vom us-amerikanischen Journalismus, dass Information und
Meinung zu trennen sind.

Das Credo ist: Journalistische Texte machen aussagen über Vorgänge in
der Welt außerhalb des Kopfes desjenigen, der die Aussage macht.

Es muss für die Leserinnen und Leser erkenntlich sein, wo es sich um
Informationsformen wie Bericht, Reportage oder Feature handelt und wo
Meinung zum Ausdruck kommt; Leitartikel, Kommentar oder Kolumne.

Die Besitzer der heutigen Medien haben diese Abgrenzung verwischt
oder gar ganz aufgehoben – wir meinen uns zu informieren und handeln
uns (unterschwellig) schon Meinung des Besitzers der Medien ein,
obwohl wir als mündige Bürgerinnen und Bürger, als die wir immer
bezeichnet werden, doch aus den gewonnenen Informationen erst eine
eigene Meinung bilden sollen.

Nächstes Jahr wird die Europa-Wahl eine Gelegenheit sein, die
demokratischen Institutionen zu stärken; vornehmlich das EU-Parlament.
Wir sollten uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen, die Abgeordneten
mit einem unmissverständlichen Mandat auszustatten; damit meine ich
nicht etwas das Stimmenverhältnis zu anderen Kandidatinnen und
Kandidaten, das über Wahl oder Nichtwahl im Einzelfall entscheidet,
sondern ich meine damit die Wahlbeteiligung.

Wenn die politisch Handelnden zur Kenntnis nehmen müssen, dass die
Europäerinnen und Europäer die Parlamentarische Demokratie wollen,
werden sie es schwer haben, weiter ihre Hinterzimmer-Kungelei
(EU-Kommission) weiter fortzuführen. Natürlich sollten wir auch darauf
achten, dass wir auch die sozial fortschrittlichen Kräfte stärken.

Innerhalb des Systems gibt es die Möglichkeit des „steuernden
Konsumverhaltens“. Wir sollten es uns nicht länger bieten lassen, dass
wir von den Massenmedien für dumm verkauft werden und die nicht noch
selbst die Blödheit wählen, in wir Sender einschalten die uns nichts
als „mediale Umweltverschmutzung“ bieten (Vorsicht Polemik – da
könnte mir einfallen, dass man das unter Strafe stellen könnte – als
Verbrechen gegen die Menschlichkeit).

Als Schlusswort möchte ich einen Satz des us-amerikanischen
Journalisten Stewart Alsop anfügen: „Die Presse muss die Freiheit
haben, alles zu sagen, damit gewisse Leute nicht die Freiheit haben,
alles zu tun.“

In diesem Sinne

Wilfried John


Nachgedanke:
In keiner mir bekannten Zeitung hätte dieser Artikel
erscheinen können. Diese Plattform ist zwar keine äußerst
bemerkenswerte Ausnahme… es gibt auch noch (!) andere, ähnliche.
Aber wir sollten die Plattform hüten wie unseren Augapfel, da die
Meinungsfreiheit im auch WWW in Gefahr ist.
Es gibt genügend Beispiele dafür, dass Plattformen (mit im Hintergrund
laufenden kommerziellen Interessen) kritische Beiträge „abschalten“.


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icon1 Re: Pressefreiheit ist Menschenrecht – Über Grenzen, frei die Meinung zu sagen Datum: 29.08.2008, 22:18
Zaungast (Bronce Super-Member)
Hallo Herr John!

In den letzten Tagen gab es derbe Unruhen im Journalisten-Kosmos.
So von wegen freie Meinungsäußerung und so. Die Frage ist nun die, ist
eine freie Meinung nur dann gewünscht, wenn sie eine gute ist?
Gilt nicht auch für schlechte und böse Meinungen das gleiche Recht?
Und wer urteilt über schlecht und böse?

Wie war das noch mit Revolution? Muss man es sich gefallen lassen und
sich für seine Meinung unter der Gürtellinie (Zitat!) „Boßhaft“
beschimpfen zu lassen? Oder sollten wir für das "Blick"lesen eine
imaginäre Altersgrenze einführen?

„Meinung äußern ab 18 Jahre“ - weil dann mehr Gehirn? Oder sollten wir
die freie Meinung verbieten? Sind wir denn hier im Teenagerkindergarten
angekommen? Da wo man über Popstars einen dummen Witz macht und
alle unter 14 jährigen heulen?

Wie weit kann und darf und soll freie Meinung gehen?

"Ich urteile ja auch nicht über andere Menschen. Und wer das tut ist
(Neudeutsch geschrieben) Scheiße"

Nur so ein paar Gedanken, die aufkeimten, als mir das
Unwort "Meinungsfreiheit" nachgeworfen wurde...

Zaungast

icon1 Re: Pressefreiheit ist Menschenrecht – Über Grenzen, frei die Meinung zu sagen Datum: 30.08.2008, 10:47
Wilfried John (Silber Super-Member)
Lieber Herr Zaungast,

nun, es gibt in der Frage freie Meinungsäußerung ständig "derbe Unruhen im Journalisten-Kosmos"; das ist nichts Neues. Es geht auch nicht darum, ob eine Meinung "gut oder Schelcht" ist... Meinung ist eben Meinung und man kann höchstens unterscheiden, ob sie fundiert oder eben unfundiert ist. Ist die Meinung fundiert (also mit entsprechenenden Fakten unterlegt), dann ist sie gut. Natürlich sind diese Meinungen dann unbequem... in dem Sinne, dass man sie schließlich nicht einfach abtun kann.

Also es geht nicht um gut oder böse, sondern um fundiert oder nicht fundiert... und es geht immer um Interessen. Je nach Interessenlage, kann eine fundierte Meinung nützlich oder auch störend sein... will man aber die wirkliche Interessenlage nicht preisgeben, dann ist man gezwungen zu kathegorisieren und die Prädikate "gut und böse" zu gebrauchen. Die primitivste Art mit der in einer fundierten Meinung enthaltenen Kritik umzugehen ist, den Meinungsträger abzuqualifizieren... z.B. als boßhaft zu bezeichenen. Das ist schwach und zeugt nicht eben davon, dass man es mit einem adäquaten Kombatanten zu tun hat.

Nun ja, ich bin erstens nicht allgemein über die einzelnen Veröffentlichungen in der Schweiz im Bilde und zweitens speziell ganz bestimmt nicht über die Veröffentlichungen im "Blick". Spätestens seit der sog. Borer-Affäre ist dieses Blatt (ich weigere mich - ähnlich wie beim deutschen Blatt "Bild" - von Zeitung zu sprechen) auch in Deutschland bekannt. Ein Blatt, das solche Methoden anwendet, hat mit Informationsvermittlung etwa so viel zu tun, wie Dinosaurier mit Intelligenz. Über das Niveau des "Blick" muss man nicht diskutieren - wo nichts ist, gibts auch nichts zu besprechen. Es gibt in der Schweiz über "Blick" eine ähnliche Homepage wie in Deutschland über "Bild" - wo die sog. Berichterstattung unter die "Lupe der Wahrhaftigkeit" genommen wird: http://blattkritik.ch/

Ein interessante Frage ist - auch wenn ich vermute, dass sie nicht ganz so gemeint ist, wie sie hier zu lesen ist - ab welchem Alter Menschen beginnen sollen, sich aktiv zu informieren. Die Frage ist deswegen interessant, weil das Erziehungsfragen berührt. Ich bin der Auffassung, dass das bei Kindern mit der Lesefähigkeit korrespondieren sollte... und dass die Eltern es vormachen und anleiten (sollten). Nun werde ich allerdings - nach den Auflagezahlen bestimmter "Blätter" zu urteilen - lieber nicht gefragt, wie es mit der Informationskompetenz vieler Eltern ausschaut.

Meine Meinung über die Grenzen der Meinungsfreiheit habe ich in meinem Artikel ja schon alles geschrieben...besonders möchte ich auf den Begriff der persönlichen Ehre hinweisen. Zur Auseinandersetzung mit der Meinung anderer Menschen gehört es NICHT, diese Menschen zu diffamieren, aber es gehört sehr wohl dazu, auf Zusammenhänge hinzuweisen, auch wenn sie diesem Menschen vielleicht ein weniger gutes Zeugnis ausstellen... dabei muss aber immer gewährleistet sein, dass niemand stigmatisiert wird.

SBB © Druckbare Version von dem Thema Pressefreiheit ist Menschenrecht – Über Grenzen, frei die Meinung zu sagen