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Thema: Latschariplatz-Serien *** Lösungen sind denkbar - Gedanken zur sog. Energiekrise (1)

icon1 Latschariplatz-Serien *** Lösungen sind denkbar - Gedanken zur sog. Energiekrise (1) Datum: 21.08.2008, 03:10
Wilfried John (Silber Super-Member)
Lösungen sind denkbar
Gedanken zur sog. Energiekrise


„Auf die Füße kommt unsere Welt erst wieder, wenn sie sich
beibringen lässt, dass ihr Heil nicht in Maßnahmen, sondern in neuen
Gesinnungen besteht.“

Albert Schweitzer

1. Allgemeines

Manchmal fühle ich mich unsagbar alt, hauptsächlich dann, wenn ich an
Diskussionen teilnehme oder Nachrichten höre, in welchen es um aktuelle
Probleme zu gehen scheint, ich mich allerdings an Zeiten erinnert fühle,
die schon so lange her sind, dass die jung-dynamischen Diskutanten
und/oder Nachrichtenredakteure entweder noch nicht geboren waren
oder sich nicht mehr daran erinnern können…


Wobei mich bei Manchen der Verdacht beschleicht, dass sie sich vielleicht
auch nicht mehr daran erinnern wollen; was dann allerdings Gründe hat,
die mich so aufregen, dass ich mich plötzlich wieder sehr jung fühle und
mit ihnen wie ehedem streiten könnte.

Eines dieser Themen ist die sog. Energiekrise.

Schon einmal, Anfang der 1970er Jahre, war von einer Energiekrise die
Rede. Damals, ebenso wie heute, gingen die Wellen in öffentlichen
Debatten hoch. Diese Debatten damals hatten offensichtlich jedoch, wie
die heutigen auch, nur den Sinn, den öffentlichen Zorn zu kanalisieren,
um einfach so weiter machen zu können, wenn sich die Gemüter beruhigt
und man sich an z.B. höhere Energiepreise gewöhnt hatte.

In den wenigsten dieser Debatten wurden echte Lösungsvorschläge
diskutiert; wie heute auch… Offensichtlich beabsichtigt man, bald wieder
zur üblichen Tagesordnung übergehen zu wollen; nur will das
anscheinend nicht so recht gelingen.

Denn die sog. Energiekrise ängstigt derzeit fast jeden, da Treibstoffe,
Heizöl und Gas preislich für viele Verbraucher Schmerzgrenzen
überschreiten. Für viele Menschen in prekären Jobs wird die Fahrt zur
Arbeit fast zur Fahrt in die Privatinsolvenz, auch für an sich gut
verdienende Hausbesitzer wird der leere Heizöltank zu einen echten
Finanzierungsproblem und selbst für Geschäftleute, entwickeln sich die
Kosten für Energie zu einen kaum zu kalkulierenden Risiko.

Allenthalben tönen die Prediger der Energiewirtschaft (nicht ohne
Eigennutz), dass das Zeitalter billiger Energie ein für allemal vorbei sei.
Die Menschen fühlen sich beim Zuhören solcher Debatten wie Blinde,
denen man zu Hause die Möbel verstellt hat, da sie sich immer wieder
anhören müssen: "Es gibt keine kurzfristigen Lösungen."

Würde man sich an 1973 erinnern (wollen), könnte man auf den
Gedanken kommen, sich das Szenario von damals einmal anzuschauen
und die (unberücksichtigten) Vorschläge wieder hervorzuholen. Ich
möchte mit diesem Artikel versuchen, die – um im Bilde zu bleiben –
Möbel wieder grade zu rücken, denn für die Menschheit gibt es keine
Energiekrise.

Dieser Begriff allein ist schon eine Aufregung wert. Das Wort Krise
stammt aus dem griechischen und wird mit dem Begriff „Entscheidung“
oder „Wendepunkt“ übersetzt (vgl. Golan, 1983, S.61). Im heutigen
Wortgebrauch kann der Krisenbegriff alle Lebensbereiche betreffen und
umschreibt mehr oder weniger dramatische Zeiten der Entscheidung,
Situationen des Übergangs oder Umbruchs, Wendepunkte im Leben des
Menschen oder der Gesellschaft.

Nach der modernen Krisentheorie, sollen Krisen dann entstehen,
wenn ein Mensch mit seinen üblichen Problemlösungsstrategien
schwierige Situationen nicht mehr meistern kann.

Den Begriff Krise auf die aktuelle Energieversorgung zu verwenden, ist
in mehrfacher Hinsicht falsch; was ich im Folgenden versuche zu
begründen:

1. Ganz global ist zu sagen, dass die der Menschheit zur
Verfügung stehende Energie unerschöpflich ist. Allein die Sonneneinstrahlung
auf die Erde reicht aus, um täglich mehr als das Zehntausendfache des
augenblicklichen Weltenergieverbrauchs zu decken.

2. Selbst wenn ich 1. unberücksichtigt lasse und bei den aktuell
bevorzugten Primärenergieträgern bleibe, handelt es sich bei der
gegenwärtigen Situation – ebenso wie 1973 – noch nicht um eine echte
Mangellage, sondern um eine Preispolitik, die derzeit mit den zur Neige
gehenden Ressourcen nicht zu begründen ist; wiewohl diese Ressourcen
natürlich endlich sind.

3. Die Nachfrage, die in diesem System angeblich den Preis
bestimmt, ist größtenteils künstlich. Die angeblich verstärkte Nachfrage
wird von Spekulanten geschaffen; die mittlerweile bis zu 45 Prozent der
Ölvorkaufsrechte halten, womit man dann wirklich den Preis treiben
kann…

4. Der Spruch „Es gibt keine kurzfristigen Lösungen“ ist eine
Nebelkerze der Energie-Lobbyisten, um möglichst lange unbehelligt
systemkonform ihre dubiosen Geschäfte weitermachen zu können.

Die erste sog. Ölkrise begann im Herbst 1973, als die OPEC bewusst die
Öl-Fördermengen um ca. fünf Prozent drosselte; in der Folge stieg der
Ölpreis von rund drei US-Dollar/Barrel auf über fünf Dollar/Barrel ( = ein
Anstieg um ca. 70 %) und im Folgejahr stieg der Weltölpreis auf über
zwölf Dollar/Barrel (= ein Anstieg um ca. 140%). Man sieht, es gibt nicht
viel Neues unter der Sonne (der Erinnerung).


Delegation von Saudiarabien an der OPEC-Sitzung 1973

Schon diese sog Ölkrise von 1973 war keine Mangelerscheinung,
sondern eine politisch erzeugte und schon damals, demonstrierte es die
Abhängigkeit der Industriestaaten von fossiler Energie, insbesondere
vom Erdöl.
.
In der BRD wurde als direkte Reaktion (völlig aktionistisch) auf die Krise
viermal ein Sonntagsfahrverbot im November und Dezember 1973
verhängt sowie neue (aber vollkommen ungenügende)
Geschwindigkeits-Begrenzungen eingeführt. Dies hatte einen
moralischen, aber keinen wirtschaftlichen Effekt, ebenso wenig wie
übrigens die Einführung der Sommerzeit, die ebenfalls als Maßnahme
aufgrund des Ölpreis-Schocks eingeführt wurde; Hauptsache, man hatte
was getan.

Frei nach dem Motto: Operative Hektik, ersetzt geistige Windstille,
bemühte man sich damals schon nicht um grundsätzliche Änderungen,
sondern blieb im System… und anstatt wirkliche Alternativen zu
erproben, versuchte man, lediglich technologische Veränderungen
herbeizuführen; z.B. Öl-Prospektierung, Anlagenbau und Wartung in
größeren Wassertiefen, die Offshore-Förderung von Öl und die
nachträgliche Ausbeutung von älteren Vorkommen.

Schon damals wurden Initiativen, welche die Abhängigkeit vom Öl
reduzieren sollten, nicht ernst genommen und/oder abgewürgt; z.B.
alternative Treibstoffe (Pflanzenöl und Biodiesel) oder die Nutzung der
Abwärme von Kraftwerken oder Müllverbrennungsanlagen.

Die Erschließung von regenerativen Energiequellen wurde ebenso
vernachlässigt, wie effektive Bauvorschriften (z.B. für Wärmedämmung
an Neubauten oder Altbausanierung), stattdessen wurde vermehrt in die
Großtechnologie Kernenergie investiert; ungeachtet des Risikos und der
Endlagerproblematik. Vorhandene Technologien z.B. der Verflüssigung
heimischer Kohle wurden ebenso kaputt konkurriert, wie neue
Antriebskonzepte.

Maßnahmen zur Effizienzsteigerung von Motoren gab es zwar, aber sie
wurden in der Folge durch eine irrsinnige Modellpolitik der Autobauer
konterkariert (der Gipfel: Zweitonner Geländewagen im Stadtverkehr).

Auch wenn gern angemerkt wird, dass das Umweltbewusstsein, und
in der Folge ein gestiegenes Bewusstsein zum energiesparenden
Verhalten, in der Bevölkerung gewachsen sei, zeigt sich meines
Erachtens eher das Gegenteil, da – wie seinerzeit geforderte –
tiefgreifende Bildungskonzepte nicht verwirklicht wurden.

Stattdessen wurde die Propaganda verschärft und die „bösen Scheichs“
stigmatisiert… und statt die internationale Zusammenarbeit in der
Bildung von Alternativen zu forcieren, wurden in einigen westlichen
Staaten, 1973 schon, militärische Optionen erwogen; einem über
30 Jahre geheim gehaltenen gemeinsamen Plan der britischen und us-
amerikanischen Regierungen zufolge, war eine Invasion von Saudi-
Arabien und Kuwait Gegenstand der Planung.

Scheinheilig, angeblich zur Reduzierung der politischen Erpressbarkeit,
wurden in allen Staaten sog. Strategische Ölreserven angelegt oder
massiv verstärkt; was aber höchstens den Spekulanten in die Hände
spielt, denn der Sicherung der Versorgung diente.

Im Folgenden werde ich versuchen, ein paar Lösungsvorschläge
aufzuschreiben, die – gar nicht spektakulär – vor 30 Jahren auch schon
auf dem Tisch lagen. Damals haben uns die sog. Interessierten Kreise
wahlweise als Ökos, Technikfeinde oder – noch weniger wohl gesonnen –
als weltfremde Spinner abgekanzelt.

Im Zuge dieser damaligen Debatten entstanden übrigens „Die Grünen“…
doch leider hat das System sie dermaßen assimiliert, dass von denen
heute nur noch systemkonforme Vorschläge kommen, die es an der
nötigen Radikalität vermissen lassen.

Doch da es in diesem Artikel um praktikable Lösungen gehen soll, muss
ich zunächst einmal bei Themen bleiben, die sich innerhalb dieses
Systems verwirklichen lassen, insofern sie sich relativ kurzfristig
auswirken sollen und die Menschen entlasten können.

Allerdings kann es bei solchen Vorschlägen nicht bleiben, wenn derselbe
Quatsch in 30 (oder eher weniger) Jahren, nicht erneut zu Debattenthemen
werden soll. Fehler können gemacht werden, fahrlässig wäre allerdings,
wenn man aus ihnen nichts lernte und sie zu wiederholen gezwungen
wäre; dabei fällt mir grade auf, dass wir eben die Wiederholung schon
erleben. Stellt sich die Frage, wer da die weltfremden Spinner waren...

Fortsetzung [url=http://www.bannjongg.com/cgi-bin/sbb/sbb.cgi?&a=show&forum=61&show=2] (Hier) [/url]

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icon1 Re: Latschariplatz-Serien *** Lösungen sind denkbar - Gedanken zur sog. Energiekrise (1) Datum: 22.08.2008, 12:02
kapverd (Gold Super-Member)
Mit den Energiekrisen ist das so eine Sache. In den 50er und 60er Jahren floss der Stoff Öl ja sozusagen als Pfennigsartikel in die Tanks aller möglichen Maschinen und Heizungen. Die gesamte industriell vorbelastete Welt auf der nördlichen Halbkugel rüstete auf. Städte, Flughäfen, Autobahnen, Dorf- und Landstrassen, Maschinen, Tanker, Flugzeuge – kurzum die gesamte nördliche Halbkugel wurde renoviert und explosiv erweitert. Und dieses erfolgte alles mittels des Erdöls. Zusätzlich wuchs die Menschheit bis heute um das 3-fache gegenüber 38.

Jetzt wollen die Chinesen den gleichen explosiven Wachstumskurs, die Inder wollen ihn. Das sind bereits 50% der Menschheit - einschließlich der Asiaten um Indien und China und den „Drumherum“.

So irgendwie kann das ja nicht funktionieren. Öl wird verbrannt und weg is es. Öl war der Katalysator einer explosiv sich vergrößernden Menschheit. Der Katalysator wird seine Funktion einstellen.

Es wird gelächelt über die Ölmultis und deren vergoldete Kulttempel in Oman. Aber über die Konsumtempel der gesamten Nordhalbkugel wird geschwiegen. Als ob die Industrieländer ein Anrecht darauf hätten und die Ölmultis bitterböse sind und uns den Stoff nicht umsonst abgeben wollten.

So ein bisschen "die" Story aus dem Kindergarten oder der Sesamstraße.

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