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Thema: Frieden lernen in Gaza – Zum Internationalen Jahr der Aussöhnung Teil II. Wie alles begann

icon1 Frieden lernen in Gaza – Zum Internationalen Jahr der Aussöhnung Teil II. Wie alles begann Datum: 18.01.2009, 08:14
Wilfried John (Silber Super-Member)
Gebeugt erst, zeigt der Bogen seine Kraft. Franz Grillparzer

Dieses Kapitel könnte ich mit der Feststellung einleiten: Es gibt nichts
Neues unter der Sonne. Wir Menschen, als Teil der Natur, können uns
nicht aus den – über Jahrmillionen erprobten – Prinzipien der Evolution
davon stehlen. Ja, es gab immer „fressen und gefressen werden“, aber
wirklicher Fortschritt entstand immer da, wo Symbiose und Kooperation
dafür sorgten, dass Entwicklung ohne das archaische Gesetz des
Stärkeren den Lauf der Dinge bestimmten. Seit Jahrtausenden ist klar,
dass Gewalt immer Gewalt gebiert; nichts anderes. Nur die Profiteure der
Gewalt, konnten den Spruch vom Krieg als der Vater aller Dinge
formulieren.

Seit Jahrtausenden ist feststellbar, dass imperiales Machtstreben,
Unterdrückung und Profitgier die wirklichen Ursachen von Gewalt sind.
Das mutwillige verschieben von Grenzziehungen, die Ausbeutung von
unterjochten Völkern und die Beherrschung z.B. von Handelswegen,
führte immer zu Gegenbewegungen. Jede Annektierung von Land
außerhalb des angestammten Lebensbereichs mittels Krieg, führte zu
neuem Krieg. Jede Unterdrückung führte zur Rebellion. Jede gewaltsame
Bereicherung zu lasten Anderer, führte immer zu Begehrlichkeiten Dritter
und wieder zu Gewalt.

Dabei spielt es keine Rolle, ob wir auf das pharaonische, römische oder
britische Imperium schauen. Es tut nichts zur Sache, ob Spanier und
Portugiesen Lateinamerika ausbeuteten, Japaner und Deutsche in China
Menschen unterdrückten oder Franzosen und Briten Afrika ausbeuteten.
Es ist bedeutungslos, ob Perser, Phönizier, Araber oder mittelalterliche
Europäer die Seiden- oder Weihrauchstraße beherrschten oder
Portugiesen den Seeweg nach Indien, US-Amerikaner den Panama-Kanal
oder Briten den Suez-Kanal. Immer erzeugte das Krieg und Gewalt.

Ich möchte niemands religiöse Gefühle verletzen, doch ich muss das
Folgende einfach sagen: In diesem Zusammenhang waren die
Religionen, wie sie sich auch immer nennen, nie etwas anderes als
billiges Blendwerk, mit dem man sich Dumme fing, die einem das
schmutzige Geschäft des Krieges betrieben. Millionen und Abermillionen
von Menschen wurden vordergründig im Namen von Religionen
geschlachtet… ob auf Kreuzzügen, dem 30jährigen Krieg, der
Reconquista, der Conquista oder in Nord-Irland – nie ging es um
Glauben, immer ging es um Macht, Ausbeutung und Profit.

1. Relikt aus der Frühgeschichte

Ausnahmsweise nehme ich es einmal nicht so genau und erspare es mir
und Ihnen, eine Exegese des alten Testamens der Bibel aufzuschreiben;
erstens steht sie beim mir nicht im Rang eines Dokuments und zweitens
geht es nicht um Glauben, sondern um Geschichtsschreibung (wobei man
bei manchen Historikern vermuten darf, dass sie das eine vom anderen
nicht unterscheiden können – nicht nur was diesen Fall angeht). Nichts
desto trotz muss man weit in die Geschichte zurückgehen, um
Geschehnisse in der näheren Vergangenheit zu verstehen: Auf einer
Stele des ägyptischen Pharaos Merenptah wird der Name Israel erstmals
im 13. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung erwähnt. Es handelte sich
dabei wohl um so etwas wie ein staatliches Gebilde, das im westlichen
Bereich der Gegend bestand, die heute die Ebene von Kanaan genannt
wird.

Gleichzeitig bestand daneben noch ein anderes Staatsgebilde mit der
Bezeichnung Juda, dessen Lage um Jerusalem verortet wird. Assyrer
zerstörten beide Staatsgebilde. Juda allerdings wurde, es liest sich wie
eine Ironie der Geschichte, von den Persern wieder errichtet; wobei
dieser Staat nie wirklich selbständig war, sondern unter der Oberhoheit
der Perser verblieb. Nach einer Phase der relativen Selbständigkeit Judas
unter den Makkabäern, zerstörten die Römer diesen Staat erneut.
Bereits in der Perserzeit bildete sich ein nicht-jüdischer Volksteil, die
Samaritaner, heraus, der die staatliche Tradition des alten Israel
aufnahm; in der Gegend des heutigen Nablus. Ein starker Exodus der
Juden aus dem sog. Nahen Osten erfolgte im Anschluss an die
erfolglosen Aufstände gegen die Römer mit starker
Bevölkerungsumschichtung unter den Römern, Byzantinern, Arabern und
Ottomanen.

Spätestens nun begann das, was man später „Jüdische Existenz in der
Diaspora“ nennen wird. In den folgenden Jahrhunderten, war diese
Existenz ganz allgemein geprägt von einem Leben in fremden
Kulturkreisen – was an sich schon schwer genug ist. Die Juden waren
darüber hinaus während der gesamten Zeit regelmäßig von Verfolgung
und Unterdrückung bedroht. Besonders in der christianisierten
Gesellschaft bildete sich die Judenfeindlichkeit heraus, die zu
Zwangstaufen, Pogromen und Massenmorden führte. Schließlich bestand
für die Juden der Zwang sich zu assimilieren und sich in die jeweiligen
Gesellschaften einzugliedern; was vielen auch gelang (besonders
gründlich in Deutschland.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Antisemitismus Europa von
interessierter Seite wieder geschürt. Bei innen- oder außenpolitischen
Schwierigkeiten macht sich ein Sündenbock, an dem sich – ohne Gefahr
für die eigentlich verantwortlichen Machthaber – der Volks-Zorn entladen
kann, immer gut. Damals gab es in Russland sogar wieder Pogrome
gegen Juden. Diese Zustände belebten bei einer wachsenden Zahl –
auch von an sich assimilierten – Juden in Europa, den Wunsch nach
einem eigenen sicheren Staat. Ein gewisser Theodor Herzl veröffentlichte
1896 in seinem Buch "Der Judenstaat“ die Idee des sog. Zionismus, was
schließlich zu einer jüdischen Bewegung führte, die nach einem eigenen
Staat für das jüdische Volk strebte.

Die Idee fand zu dieser Zeit auch einflussreiche nichtjüdische
Unterstützer. Das Ziel war eine politische Lösung mit offizieller
Anerkennung der Völkergemeinschaft. Es gab sogar einflussreiche
arabische liberale Kreise, die der jüdischen Einwanderung positiv
gegenüberstanden und die Zionisten betrieben eine Politik der friedlichen
Koexistenz und Einigung mit den Arabern. Infolge dessen
unterzeichneten 1919 Chaim Weizmann, als Vertreter der Zionistische
Weltorganisation, und Faisal, König von Syrien, ein Abkommen, in dem
dieser die jüdischen Interessen in Palästina anerkannte.

In der Balfour-Deklaration von 1917 allerdings, hatte der britische
Außenminister Arthur J. Balfour schon der zionistischen Bewegung die
Unterstützung Großbritanniens für die Einrichtung einer "nationalen
Heimstätte" des jüdischen Volkes in Palästina versprochen. Gleichzeitig
heißt es in der Deklaration, die Rechte der ansässigen arabischen
Bevölkerung müssten gewahrt werden. Seit dem Faisal-Weizmann-
Abkommen während der Pariser Friedenskonferenz von 1919 kämpften
die arabischen Kreise jedoch gegen die Stärkung der jüdischen
Einwanderung nach Palästina und die jüdischen Kreise fühlen sich an die
Vereinbarung der muslimischen Kontrolle über die heiligen Stätten des
Islam im Sinne der Balfour-Erklärung immer noch gebunden. Damit barg
die Balfour-Deklaration bereits das ganze Konfliktpotenzial.

2. Relikt aus der Kolonialzeit

Den imperialistischen Interessen Großbritannien in Nord-Afrika und der
Arabischen Halbinsel, stand das Osmanische Reich im Wege. Dazu
brauchten sie Verbündete; idealer Weise die Araber. In einer
Korrespondenz zwischen Hussein ibn Ali und dem britischen
Hochkommissar in Ägypten, Henry McMahon, wurde bereits 1915/1916
den Arabern die Selbstständigkeit versprochen, wenn sie Großbritannien
im Kampf gegen die Osmanen unterstützen. Die Geschichte ist sehr
bekannt… In der offiziellen Geschichtsschreibung heißt es, dass
Großbritannien, nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches,
vom Völkerbund das Mandat erhielt, Palästina treuhänderisch zu
verwalten.

Betrachtet man allerdings die tatsächlichen Machtkonstellationen im
Völkerbund, dann hat sich GB das Mandat sozusagen selbst erteilt (es
war etwa so wie heute mit den USA und den Vereinten Nationen –
braucht man unbedingt ein Mandat, ganz gleich für was und mit welchen
Begründungen, dann bekommt man es auch). Nun, was schert sich eine
Großmacht schon um die Interessen kleinerer Mächte oder sogar
machtloser Völker betrifft? Man verfährt einfach nach seinen Interessen…
der Zeitenlauf ändert eh alles oder man ändert eben den Zeitenlauf. Und
auf ein Versprechen mehr oder weniger kommt es auch nicht an! 1918
versprach die britische Regierung, die Unabhängigkeit Palästinas zu
fördern und hier einen Satellitenstaat wie im damaligen Ägypten
herzustellen.

Auch vor der zionistischen Bewegung gab es schon jüdische Siedlungen
in Palästina, aber die aufgrund der britischen Versprechen regelrecht
einsetzende Einwanderung, brachte nun erste Konflikte mit den
ansässigen Palästinensern. Die sog. Mandatszeit der Briten war geprägt
durch eine Erstarkung militanter palästinensischer nationalistischer
Gruppen; was ebenfalls mit dem oben erwähnten britischen Versprechen
zusammenfällt. Konflikte rührten etwa daher, dass arabische
Großgrundbesitzer ihr Land an Juden verkauften, es aber diesen
überließen, die dort ansässige arabische Bevölkerung zu vertreiben, die
sich so von den Juden "verjagt" fühlten; die Briten unterbanden nicht nur
nicht diese Praktiken, sie sahen sie mit Wohlwollen. Das war stets das
Prinzip in ihren Kolonien – Zwietracht vor Ort vermeidet, sich
die „eigenen Hände dreckig machen zu müssen“.

Die alten herrschenden feudalen Kreise und die rechtskonservative
Klasse der Großgrundbesitzer sahen einerseits ihre Bedeutung in der
Region schwinden, andererseits aber sollte gesellschaftlich alles beim
Alten bleiben. So schürte man eine antijüdische Stimmung unter der
arabischen Bevölkerung. Die Aufwiegelung der arbeitslosen
unterentwickelten Massen nahm zu… und die Juden hatten ja selbst
durch die Landvertreibung ihr Teil dazu beigetragen und trugen auch
weiter dazu bei. Die Entwicklungen in der Landwirtschaft, dem Städtebau
und der Infrastruktur macht – finanziell aus dem Ausland unterstützt –
große Fortschritte und in den schnell entstandenen jüdischen
Unternehmen wurden zum größten Teil nur Juden ein, wodurch sich die
arabische Bevölkerung benachteiligt sah, da sie an dem neuen
Wohlstand nicht teilhaben durfte.

Wohlgemerkt: Noch immer gab es keinen Israelischen Staat. Alles
geschah unter den Augen und der Duldung der Briten; denen das
machtpolitisch nur recht sein konnte. Auf die Landvertreibung durch die
Juden, folgten Übergriffe von arabischer Seite. In den Geschichtsbüchern
werden diese Übergriffe von 1921 und 1929 leider Pogrome genannt;
das verschleiert die Tatsachen und lässt kaum eine andere Wahl als die
Parteinahme für die (armen, schon wieder verfolgten) Juden. In den
Jahren 1936 bis 1939 kam es zum sog. Großen Arabischen Aufstand (der
eigentlich zunächst keiner war und sich eigentlich nicht gegen Juden
richtete, der dann aber gerne dazu gemacht wurde). Der sog. Arabische
Aufstand im britischen Palästinamandat, war zu Beginn nämlich nichts
weiter als ein Generalstreik gegen die Briten.

Die Mandatsmacht kam ihren Verpflichtungen (der Erfüllung der o.g.
Balfour-Deklaration gegenüber der Vorbereitung der Araber auf die
Unabhängigkeit) nicht nach und nahm eine pro-zionistische Haltung ein.
Sie ließen es sehenden Auges geschehen, dass sich die Juden nach der
Besetzung Palästinas durch die Alliierten organisierten – so übernahm
z.B. eine "Versammlung der Gewählten" die Aufgaben des Parlaments
und sogleich die Strukturierung der Infrastruktur etc. Die Araber lehnten
eine ähnliche Selbst-Organisation ab: Sie warteten auf die Erfüllung der
Versprechen Großbritanniens; auf autonome Institutionen für den
versprochenen unabhängigen Staat der Araber.

Wieder wird in der offiziellen Geschichtsschreibung gelogen. Dort ist zu
lesen, dass in Reaktion auf den Aufstand, jüdische Einwanderer die
paramilitärische Schutzorganisation Haganah gründeten; oft ist sogar zu
lesen, dass auch die Gruppen Irgun und die Stern-Gruppe so entstanden
wären. Es gibt aber Protokolle der britischen Palästine Police die
besagen, dass es längst sogar illegale Waffenlager dieser Gruppen gab
und man sie als Terrororganisationen angesehen würde. Die
Terrorgruppe Irgun war es wohl auch, die den Funken lieferte, der aus
dem Streik einen Aufstand machte; der erste bekannte Anschlag der
Irgun geschah am 20. April 1936, bei dem zwei arabische Arbeiter einer
Bananenplantage getötet wurden.

Einen nicht unbeträchtlichen „Beitrag“ zur Eskalation in Palästina, ergab
sich ab 1933 aus der Judenverfolgung in Deutschland; die Emigration
nach USA ist weithin bekannt, die nach Palästina weitgehend unbekannt.
Das verschärfte sich noch nach 1939 mit dem von den Nazis begonnenen
2. Weltkrieg und dem beginnenden Völkermord, als viele Juden aus
Deutschland fliehen mussten, während viele europäische Staaten (auch
die Schweiz) sich weigerten, jüdische Flüchtlinge aufzunehmen; nun
gingen wirklich viele jüdische Flüchtlinge nach Palästina, dem von jeher in
ihrer Tradition Gelobten Land – auch weil die Juden die illegale
Einwanderung von Juden nach Palästina regelrecht organisierten. Diese
Ereignisse gaben dem Gedanken des Zionismus einen entscheidenden
Anstoß. Als dann auch nach Kriegsende die Einwanderung nicht
freigegeben wurde, richtete sich der bewaffnete Kampf der jüdischen
Organisationen auch gegen die britische Mandatsmacht, was mit dazu
beitrug, dass die Briten das Palästinaproblem 1947 an die Vereinten
Nationen übergab.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs, hatte sich die geopolitische
Machtverteilung gründlich geändert; während zu Völkerbundzeiten GB
bestimmend war, agierte nun die USA in gleicher Weise bei den
Vereinten Nationen. In den Geschichtsbüchern steht zu lesen, dass die
Briten nach dem Zweiten Weltkrieg ankündigten, ihr Mandat über
Palästina aufgeben zu wollen… in Wirklichkeit wurden sie dazu von den
USA gezwungen (worauf ich später noch näher eingehe). Kurz nach
Gründung der Vereinten Nationen, der Nachfolgeorganisation des
Völkerbundes, wurde am 29. November 1947 ein Teilungsplan für
Palästina beschlossen (Resolution 181). Es sollte ein jüdischer und ein
arabischer Staat gegründet werden sollten.

Quasi direkt nach den UN-Beschluss begannen zwischen jüdischen und
arabischen Milizen im Dezember 1947 ersten Kampfhandlungen, die sich
später zum Palästinakrieg ausweiteten. Nach der
Unabhängigkeitserklärung des Staates Israels am 14. Mai 1948 wurde
dieser auch von den regulären Armeeeinheiten einer Allianz der
arabischen „Nachbar-Staaten“, die den UN-Teilungsplan für Palästina
ebenfalls nicht akzeptierten, am 15. Mai kurz nach 0 Uhr angegriffen;
weshalb die Israelis diesen Krieg auch am liebsten Unabhängigkeitskrieg
nennen. Wieder hatte Gewalt nichts anderes als Gewalt erzeugt… und
sie sollte weiter und weiter Gewalt erzeugen.

3. Der britische Kolonialismus im Nahen Osten

Wie ich in der Einleitung zu diesem Teil versucht habe zu zeigen, gibt es
im Grunde eigentlich nur wirtschaftliche Interessen für imperiales
Machtstreben, Unterdrückung und Profitgier. Als koloniale Seemacht mit
großem wirtschaftlichem Engagement vor allem in Indien und Fernost,
galt Großbritanniens Interesse sicheren und wirtschaftlich günstigen
Seewegen. Nach der Eröffnung des Suez-Kanals am 17. November 1869,
versuchte GB alles, um Einfluss in diesem Gebiet zu erhalten; erstens
weil er den ganzen Weg um Afrika herum ersparte, zweitens weil das
strategisch die Konkurrenz behindert und drittens weil man damit auch
noch Geld verdienen kann. Der Kanal wurde von der französischen
Suezkanal-Gesellschaft „Compagnie Universelle du Canal de Suez“ und
Ägypten als Aktiengesellschaft betrieben, war anfangs jedoch hochgradig
unrentabel und so stand Ägypten bald kurz vor dem Bankrott.

Die Briten sprangen den Ägyptern bei und 1875 übernahm die Regierung
von Großbritannien den Aktienanteil Ägyptens und erhielt damit
entscheidenden Einfluss auf den Kanal. So einfach sollte es allerdings
nicht gehen und in der Bevölkerung regte sich Widerstand gegen den
Einfluss der Briten, der letztlich (absichtlich gefördert oder absichtlich
nicht im Keim verhindert) zu Aufständen führte; deren Niederschlagung
(1882) die Besetzung Ägyptens durch Großbritannien zur Folge hatte. So
war der Kanal quasi ihnen. Das sieht natürlich in der Öffentlichkeit nicht
nach der feinen britischen Art aus… Also bestellte man am 29. Oktober
1888 zu einer Konferenz im heutigen Istanbul, anlässlich der man sich
die Konvention von Konstantinopel beschließen ließ. Hierin wurde der
Sueskanal zu einer neutralen Zone erklärt und die freie Durchfahrt für
Handels- und Kriegsschiffe proklamiert. Sie sollte in Friedens- und
Kriegszeiten gelten. Die Schutzherrschaft wurde, nun ganz offiziell und
dem Status nach internationales Recht, Großbritannien übertragen. Alles
blieb zwar wie vorher, aber die Briten waren jetzt wieder die Guten.

Auch wenn man es vielleicht nicht mehr hören oder lesen mag, auch
damals schon ging es um das Erdöl. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts
begann man, Erdöl kommerziell zu nutzen und dadurch begann auch
dessen kommerzielle Förderung. Zunächst galt es als Ersatz für den
traditionellen Lampenbrennstoff: das Walöl. Das allerdings war nur in
begrenzten Mengen verfügbar und die Transportwege wurden immer
länger und damit teurer. Der kanadische Arzt und Geologe Abraham
Gessner erwarb 1852 ein Patent auf die Herstellung eines relativ sauber
brennenden, preisgünstigen Lampenbrennstoffes aus Rohöl: Es wurde
Petroleum genannt.

Der Brite Marcus Samuel, Gründer der Ölfirma Shell, war im
Kolonialhandel aktiv, als er 1897 in Borneo Öl fand. Aufgrund der weiten
Entfernungen war man zu Erfindungsreichtum gezwungen; aus dieser
Zeit datiert die Entwicklung moderner Öltanks sowie großer
Seetankerschiffe. Der Suez-Kanal war plötzlich noch wichtiger… schließlich
ist die Geschichte des Aufstiegs moderner industrieller Nationalstaaten
ohne das Öl nicht denkbar. 1901 erhandelte der Brite D'Arcy vom
persischen Schah eine Ölförderkonzession für 60 Jahre und fand 1908 Öl.
Da sein Konsortium fast pleite war, sprang die britische Admiralität ein
und übernahm die Anglo-Persian Oil zu 51 Prozent in staatlichen Besitz,
aus der später die British Petroleum wurde. Damit hatte die britische
Kolonialmacht neben dem unsicheren Kantonisten Shell eine staatlich
kontrollierte und für nationale Interessen einsetzbare Ölgesellschaft.
Öl war für die Industrienationen zu wichtig geworden, um einfach der
kapitalistischen Privatwirtschaft überlassen zu werden.

Deutsche Bank und Shell gründeten zusammen mit der osmanischen
Turkish National Bank und dem armenischen Millionär Calouste
Gulbenkian 1912 die Turkish Petroleum Company (TPC), die sich vor dem
1. Weltkrieg Ölförderkonzessionen in Mesopotamien gesichert hatte.
Nach dem ersten Weltkrieg und der Niederlage des Osmanischen Reiches
wurden die Deutschen ausgebootet, die französische Ölgesellschaft stieg
ein; GB und Frankreich bestätigten sich das im Abkommen von San Remo
1920, aber der neue türkische Nationalstaat Atatürks machte dem von
beiden Kolonialmächten festgelegten Irak Gebiete streitig und sprach der
TPC die legale Grundlage ab. Den Kolonialmächten wurde die beständige
Gefahr der Nationalisierung bewusst und sie wandelten die TPC um in die
Iraq Petroleum Company.

Doch nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in den Förderländern einen
allgemeinen Trend zur Verstaatlichung. Die Ölgesellschaften wollten zwar
eigenständige Konzerne bleiben, aber die Verstaatlichungen bedrohten
ihre Profite und so warfen sie sich immer wieder in die Arme ihrer
Entstehungs- oder Herkunftsstaaten, weil nur Staaten in der Lage
waren, Kriege zu führen und ihnen den Zugang zu den Ölquellen wieder
zu eröffnen. Es waren die Ölgesellschaften der alten Kolonialmächte
Großbritannien und Frankreich, gegen die sich die neuen Nationalstaaten
im Nahen Osten zunächst richteten. Der iranische Ölminister Mossadeq
verstaatlichte 1951-53 die iranische Ölindustrie und warf die BP aus dem
Lande. Als Schah-treue Generäle Mossadeq mit Hilfe des CIA wieder
absetzen konnten, bedeutete das gleichzeitig den Zugang von US-
Ölfirmen in den Iran (siehe hierzu auch den Artikel „Die Ökonomie des
Krieges – Oder warum Kriege nicht enden… Teil 2 – Der dritte
Weltkrieg…“). Großbritannien zog sich als Militärmacht erst 1970 ganz
aus dem Nahen Osten zurück. Die US-Ölgesellschaften hatten zunächst
einen guten Ruf als Alternative, weil die USA die antikolonialen
nationalistischen Bewegungen zunächst noch unterstützt hatten und im
Nahen Osten selbst als ursprünglich antikoloniale Macht empfunden
wurden.

4. Arabischer Nationalismus

Den Kolonialmächten war die beständige Gefahr der Nationalisierung
sehr bewusst. Deswegen versuchten sie in den von ihnen verwalteten
Territorien wenigstens den Anschein zu erwecken, dass die Menschen
eine „eigene“ Führung hätten. Wie die Kolonialmächte damals mit den
von ihnen verwalteten Territorien umgingen, verdeutlicht das Schicksal
des Königs Feisal: er wurde von den Briten zuerst auf den syrischen
Thron verfrachtet. Da Syrien jedoch Frankreich zufiel, setzten ihn die
Briten wieder ab, und weil sie nun einen Monarchen für den Irak
brauchten, setzten sie ihn kurz darauf als König von Irak ein. Dass solche
Marionettenregime, von denen wir nach dem Irak-Krieg wieder eines
erleben, keinen Bestand hatten, lässt sich denken. Sie wurden in allen
arabischen Ländern bald von nationalistisch-militaristischen Regimen
hinweg gefegt, die zugleich anti-britisch wie später auch durchweg anti-
israelisch waren.

Rudolf Rocker schrieb in seinem Aufsatz „Der Nationalismus - eine
Gefahrenquelle!“ schon 1952: "Der ganze arabische Nationalismus war
von Anfang an ein künstliches Gebilde, dessen Entstehung viel mehr der
auswärtigen Politik rivalisierender europäischer Großmächte zu
verdanken ist als den eigentlichen Bestrebungen der zahlreichen
arabischen Völkerschaften. Den Beduinenstämmen, die in manchen
arabischen Staaten einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung bilden, war
der Begriff des Nationalismus schon deshalb fremd, weil sie als Nomaden
überhaupt keine festen Wohnstätten besitzen. (...) Man darf überhaupt
nie vergessen, dass der gesamte arabische Nationalismus seine ganze
Existenz nur einer kleinen intellektuellen Schicht zu verdanken hatte und
von den kleinen arabischen Machthabern unterstützt wurde, weil sie
glaubten, ihre dynastischen Interessen damit fördern zu können, wobei
die größeren von ihnen stets von dem Wunsch besessen waren, die
neue Idee von der 'Arabischen Bruderschaft' früher oder später dazu
benutzen zu können, um die Hegemonie über die arabische Welt zu
erringen. Die Völker spielten dabei überhaupt keine Rolle."

Spätestens jetzt schließt sich der Kreis zum Anfang dieses zweiten Teils.
Die Kolonialmächte, und im Falle Palästina besonders GB, hatten also nie
wirklich ein Interesse am Zustandekommen von Nationalstaaten. Zudem
mussten die Briten das Gebiet wofür sie wirklich Interesse hatten (Suez
und Erdöl) nach Norden hin gegen die Türken (und deren Verbündeten –
Das Deutsche Reich) schützen; die Türken hatten wegen der
schmählichen Niederlage des Osmanischen Reiches noch eine Rechnung
offen, Deutschland war Konkurrent auf dem Weltmarkt und rüstete
aggressiv. Dazu war das Mandatsgebiet im Zustand eines instabilen
Palästina grade gut genug.

5. Neue Kolonien… neuer Kolonialismus

Die USA wollten als Hauptgewinner des Zweiten Weltkriegs die Britischen
Erölquellen im Nahen Osten beerben. Der britische Verhandlungsführer
Lord Halifax telegrafiert 1944 aus Washington nach London, dass „’die
Amerikaner schockierend mit uns umspringen’. ... Roosevelt empfing ihn
noch am selben Abend im Weißen Haus. Ihr Gespräch konzentrierte sich
auf den Nahen Osten. Um zu einem Kompromiss zu kommen, zeigte
Roosevelt ihm eine grobe Skizze, die er von der Region gemacht
hatte. ‚Das persische Öl ... gehört Ihnen. Das Öl im Irak und in Kuwait
teilen wird uns. Und was das saudische Öl betrifft, das gehört uns.’“
(zitiert nach Daniel Yergin)

Die weltweite „Schutzmachtkontrolle“ ging nach und nach von
Großbritannien auf die Vereinigten Staaten über...und die
Machtverhältnisse auf dem Ölmarkt wurden neu gemischt. In der
Folgezeit kam „annähernd die Hälfte des Öls für Europa ... von
amerikanischen Firmen, was bedeutete, dass dafür in Dollar zu bezahlen
war. Für die meisten europäischen Länder war Öl der größte
Einzelposten in ihren Dollarbudgets. 1948 wurde geschätzt, dass in den
folgenden vier Jahren mehr als 20 Prozent der gesamten Marshall-Plan-
Hilfe für die Importe von Öl und Öltechnik aufgewendet werden mussten.
Es ist die fundamentale Tatsache, dass der Marshall-Plan eine
weitreichende Veränderung in Europa ermöglichte und vorantrieb – aber
nicht nur zum Nutzen und Frommen der Europäer (wie gerne in den
Geschichtsbücher geschrieben wird), sondern vor allem zum Nutzen der
US-Ölkonzerne. Nicht zufällig fällt die Zeit des Übergangs von einer
kohlegestützten Wirtschaft zu einer, die von importiertem Öl abhängt, in
diese Zeit.

Mit dem wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruch der
Sowjetunion ist die politische und militärische Blockade der
kapitalistischen Mächte entfallen. Diese gewachsene Handlungsfreiheit
nutzten sie sofort in den Balkankriegen (Bosnien und Kosovo), die
Jugoslawien als unbequeme und selbständige Macht auf dem Balkan
beseitigten und den gesamten Balkan unter die Kontrolle der
Europäischen Union und der NATO brachten. Auch die EU-Osterweiterung
und die NATO-Erweiterung nach Osten brachten und bringen eine
Machtausdehnung der alten Kolonialmächte. In gewisser Weise spielte
der Irak-Krieg für die Golfregion die Rolle, die die Bosnien- und Kosovo-
Kriege auf dem Balkan spielten: Die Unterwerfung einer selbständigen
Regional-Macht soll die Kontrolle über ganze umliegende Region
verschaffen – bei Jugoslawien die Kontrolle über den Balkan, beim Irak
über die Ölregion des Nahen Ostens. Michel Chossudovsky
schrieb: „Hinter der US-Kampagne gegen den internationalen
Terrorismus steht die Militarisierung großer Weltregionen, die zu dem
führt, was man am besten als ‚Amerikanisches Imperium’ beschreiben
kann. Das verschwiegene Ziel dieses Krieges ist die Rekolonialisierung –
eine Rekolonialisierung, bei der es darum geht, souveräne Staaten in
koloniale oder halbkoloniale Territorien zu verwandeln.“

6. Warum es keine Ruhe im Nahen Osten gibt

Nirgends auf der Welt sind die Verfechtungen von Großkonzernen und
Regierung so ausgeprägt wie in den USA; nicht zuletzt die Ära Bush hat
das – wie keine andere – sichtbar gemacht. Die nach dem 2. Weltkrieg in
Kraft tretenden Bestimmungen der Konferenz von Bretton Woods,
brachten den USA wirtschaftlich und politisch weltweit die
Führungsposition ein, weil sie den US-Dollar zur Leitwährung machten.
Auf dem Gipfel der Macht konnten die USA mittels
eines „Dollarimperialismus“ herrschen. Gleichzeitig stieg der Einfluss
gerade der international operierenden Ölwirtschaft enorm. Bis
einschließlich 1947 exportierte Amerika mehr Öl, als es importierte. Doch
dann kehrte die Bilanz sich um; 1948 übertraf die Einfuhr von Rohöl und
Ölprodukten erstmals die Ausfuhr.

Diese Verschiebung verlieh der leidigen Frage der Versorgungssicherheit
eine neue Dimension. Die Lektionen aus dem Zweiten Weltkrieg, die
wachsende wirtschaftliche Bedeutung des Öls und die Größe der
Vorkommen im Nahen Osten trugen vor dem Hintergrund des
beginnenden Kalten Krieges mit der Sowjetunion dazu bei, den
gesicherten Zugang zu diesem Öl zu einem Kernelement des
amerikanischen, britischen — und westeuropäischen —
Sicherheitsdenkens werden zu lassen. Öl war der Punkt, an dem
Außenpolitik, internationale Wirtschaftsbestrebungen, nationale
Sicherheit und Unternehmensinteressen konvergierten. Im Brennpunkt
lag der Nahe Osten. Dort waren die Firmen bereits mit dem raschen
Ausbau der Förderung und der Ausarbeitung neuer Arrangements zur
Sicherung ihrer Positionen beschäftigt.“ (zitiert nach Daniel Yergin).

Jede Art von Unruhe oder Kriegsgefahr im Nahen Osten wirkt sich auf
den Ölpreis aus, weil in der Region die wichtigsten Ölreserven der Welt
lagern… und so sind diese Unruhen auch „Geschäftsgrundlage“ von
Kreisen, die an steigenden Ölpreisen Interessiert sind. Diese Kreise sind
bekanntermaßen die mit der Regierung der USA eng verflochtenen
Ölkonzerne und die Spekulanten, die Vorkaufsrechte für knapp die Hälfte
des weltweit gehandelten Rohöls halten (siehe auch im
Artikel „Lösungen sind denkbar – Gedanken zur sog. Energiekrise, 1.
Allgemeines“. Teil III folgt – Es gibt keine Gewinner

icon1 Re: Frieden lernen in Gaza – Zum Internationalen Jahr der Aussöhnung Teil II. Wie alles begann Datum: 23.01.2009, 11:34
Wilfried John (Silber Super-Member)
Aktualisierung:

Die militärische Invasion der israelischen Truppen im Gazastreifen hat
möglicherweise einen direkten Zusammenhang mit Kontrolle und Besitz
der strategischen Gasreserven vor der Gaza-Israel-Küste im Mittelmeer,
meint Michel Chossudovsky; Professor der Wirtschaftswissenschaften an
der Universität Ottawa.

Entdeckt wurden die ausgedehnten Gasreserven vor der Küste im Jahr
2000. British Gas (BG Group) und ihrem Partner, der in Athen ansässigen
internationalen Consolidated Contractors Company (CCC), die der
libanesischen Sabbagh- und Khouri-Familie gehört, wurden die Öl- und
Gasausbeutungsrechte in einem 25 Jahres-Abkommen gewährt, das im
November 1999 mit der Palästinensischen Behörde unterzeichnet wurde.
Die Rechte an den küstennahen Gasfeldern sind wie folgt aufgeteilt:
British Gas (60%), Consolidated Contractors (CCC) (30%) und der
Investment Fund der Palästinensischen Behörde (10%). Das berichtete
die israelische Tageszeitung Ha’aretz am 21.10. 2007.

Das PA-BG-CCC-Abkommen schließt laut Middle East Economic Digest vom
5. Januar 2001 Feldentwicklung und den Bau einer Gas-Pipeline ein. Die
BG-Lizenz deckt das ganze küstennahe Gaza-Gebiet ab, das an einige
israelische Gaseinrichtungen angrenzt. 60% der Gasreserven entlang der
Gaza-Israel-Küste gehören zu Palästina. Nach Bohrungen der BG-Group
im Jahr 2000 in zwei Quellen - Gaza Marine-1 und Gaza Marine-2 -
wurden deren Reserven von British Gas auf 1,4 Trillionen cubic-foot
geschätzt, die einen Wert von annähernd 4 Milliarden Dollar haben
sollen. Der gesamte Umfang von Palästinas Gasreserven dürfte erheblich
größer sein.

Nach Informationen von "Global Research" aus Quellen des Israelischen
Geheimdienstes, wurde "Operation Gegossenes Blei" schon viel früher
geplant und lief schon seit Juni 2008 an.

http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=11784

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