Stefanos Bulletin Board
URL: http://www.bannjongg.com/cgi-bin/sbb/sbb.cgi?&a=show&forum=61&show=32
Thema: Im Horror des Alltags – Über den internationalen Kinderhandel. Teil I: Ein Überblick

icon1 Im Horror des Alltags – Über den internationalen Kinderhandel. Teil I: Ein Überblick Datum: 01.07.2009, 16:29
Wilfried John (Silber Super-Member)
Das Geld zieht nur den Eigennutz an und verführt stets
unwiderstehlich zum Missbrauch.
Albert Einstein

Horror. Viele Menschen, vor allem junge Leute in den wenigen
Wohlstandsgebieten unserer Erde, „unterhalten“ sich mit Geschichten,
Filmen und „Spielen“, die an Widerwärtigkeit kaum noch zu überbieten
sind – Horror. Laut Genre-Beschreibung, soll die Horrorgeschichte die
Grenzen dessen erkunden, was Menschen zu tun oder zu erleben fähig
sind… Es bleibt mir die Frage, ab welchem Grad der Abstumpfung man
das eben noch Aushaltbare als Unterhaltung erleben kann?


Die Gutmütigen unter den Kritikern dieses Genres glauben, dass die
Autoren die Abgründe der menschlichen Seele erforschen. Diese Leute
glauben ernsthaft, dass mit solchen Filmen der Grad von Angst, Hysterie
und Wahnsinn (den Menschen auszuhalten in der Lage sind) ausgelotet
wird. Obendrein würde die dunkle Seite der Seele beleuchtet… als ob das
mit einem einfachen Blick auf die jüngere Deutsche Geschichte oder aus
Verlautbarungen von Gerichts-Psychologen nicht exemplarisch hervor
ginge.

Oft beschäftigt sich das Genre mit der Hölle, wobei diese als das mehr
oder weniger universelle Symbol einer extremen Bedingung, wie z.B.
tiefe Trauer, ein überwältigendes Gefühl eines unwiederbringlichen
Verlustes, akute Angst, irrationelle Vorahnungen oder körperliche
Schmerzen, beschreibbar ist. Laut dem Dictionary entwickelte sich dieses
Konzept der inneren Hölle im 16. Jahrhundert, wo es als Teil des
Bewusstseins gesehen wurde und sich zu einer subjektiven, inneren,
psychologischen, persönlichen und individuellen Quelle von Schrecken
und Terror, z.B. denen des Chaos eines gestörten und gequälten
Geistes, angesehen wurde. Diese Entwicklung war Teil eines langen
Prozesses, mit dem Menschen versuchten, mit Ängsten vor dem Tod, dem
Leben nach dem Tod, der willkürlichen Bestrafung, der Dunkelheit, dem
Bösen, der Gewalt und der Zerstörung zurechtzukommen.

Was aber wäre, wenn das Genre Horror für einen Menschen nicht des
unterhaltsamen Vergnügens oder der psychologischen Abhärtung
diente? Was wäre, wenn die schrecklichen Szenen, der Phantasie von
Autoren entsprungen, diesen Menschen Alltag wäre? Was wäre, wenn
dieser Alltag nicht auf einem geistig stabilen Menschen, sondern auf ein
zartes zerbrechliches Wesen wirken würde? Jeder halbwegs kultivierte
Mensch müsste auf diese Fragen antworten: Ein erschütternder
Gedanke – ein Alptraum. Und tatsächlich, dieser Alptraum wird für über
eine Million Kinder jedes Jahr zu ihrer Wirklichkeit! Die Bezeichnung für
diesen Alptraum: Kinderhandel.

Handel mit Kindern – Ein Überblick

Es ist ja nicht so, dass dies ein investigativer Artikel wäre… es ist auch
nicht so, dass ich persönlich erst heute auf das Thema aufmerksam
geworden wäre… und es ist auch nicht so, dass niemand der politisch
Verantwortlichen eine Ahnung von der Sachlage hätte… aber dennoch ist
auch dieses Jahr die Anzahl der geschätzten Fälle wieder gestiegen; was
mich dazu veranlasste diesen Artikel zu schreiben. Nach kurzer
Recherche schon, stieß ich auf Schlagzeilen wie diese: „Kindersklaven,
die neue heiße Ware“
oder „Ein Kind kostet 25 Euro“ oder auch
„Afrikas verschleppte Kinder“.

So oft in den letzten Jahren derartige Schlagzeilen auch für
Aufmerksamkeit sorgten, so war diese Aufmerksamkeit wohl nie von allzu
langer Dauer, sonst könnten namhafte Menschenrechtsorganisationen
nicht davon sprechen (und sie benutzten dabei absichtlich die zynische
Sprache der Geschäftswelt), dass das weltweite Geschäft mit Jungen und
Mädchen ein Wachstumsmarkt sei. Vielleicht ging man ja in der
öffentlichen Berichterstattung auch von bedauerlichen Einzelfällen aus –
was mindestens genauso skandalös wäre, wie die Sensationsmachen
mit Einzelfällen.

Nein, die oben erwähnten Schlagzeilen schildern leider keineswegs
Einzelfälle. Selbst vorsichtige Zahlen deuten an: Das Geschäft mit Jungen
und Mädchen ist ein Verbrechen, das immer weiter um sich greift.
Schätzungen internationaler Organisationen zufolge werden mehr als
eine Million Kinder jährlich in die Ausbeutung verkauft – als billige
Arbeitskräfte, in die Prostitution, als Diebe und Bettelkinder… die
obendrein oft auch noch absichtlich verstümmelt werden, damit
sie „ertragreicher“ werden.

Kinderhandel lukrativ wie Waffenhandel

Zwar fehlen offizielle Statistiken, doch UN-Experten vermuten, dass der
Menschenhandel ganz allgemein, inzwischen so lukrativ geworden ist wie
der Handel mit Waffen oder mit Drogen. Der Anteil von Kindern, so diese
Experten, an der Gesamtzahl der menschlichen Ware, sei noch
klein – aber was bedeutet das, wenn sich die Opfer-Zahl jedes Jahr in
Millionenhöhe beziffert? Eine der Ursachen, die Schmutzkonkurrenz (also
das gandenlose herunterkonkurrieren von Arbeitslöhnen und -
bedingungen), wird gerade in der jetzigen Krise dazu führen, dass die
Opfer-Zahlen noch stärker steigen, da Kinder für dieses Geschäft
ausgesprochen geeignete Opfer sind.

Herausgerissen aus ihrem familiären Umfeld, lassen sie sich leicht
einschüchtern. An Orte transportiert, an denen sie sich nicht einmal in
ihrer Sprache verständigen können, sind sie besonders wehrlos. Kinder
sind billig und bringen hohe Profite. Eine zynische Rechnung, die allzu oft
aufgeht. Die Erfolg bringende Strategie ist meist: Eine Mittelsperson
spricht die Familie oder das Kind an und gewinnt mit falschen
Versprechungen das Vertrauen. Versprochen wird dem Kind meist eine
Ausbildung oder eine gute Stelle, den Eltern Geld oder der Erlass ihrer
Schulden bei Gläubigern. Dann werden die Kinder an unbekannte Orte
gebracht – eine Reise, die über Ländergrenzen und selbst Kontinente
hinweg führen kann.

Nun ist es ja nicht etwa so, dass dieses Geschäft deswegen floriert weil
es keine Gesetze dagegen gäbe… nach dem Motto: Was nicht
ausdrücklich verboten ist, ist erlaubt. Nein, es gibt seit 1989 sogar eine
UN-Konvention, der (fast) alle Staaten der Erde beigetreten sind und die
UNODC (UN Office on Drugs and Crime = Büro der Vereinten Nationen zu
Drogen und Kriminalitätsbekämpfung) hat genau definiert, was unter
Menschenhandel, insbesondere dem Handel mit Frauen und Kindern, zu
verstehen ist.

Demnach ist unter Menschenhandel: „…die Anwerbung, der Transport,
die Übersendung, die Unterbringung oder die Entgegennahme von
Personen zum Zwecke ihrer Ausbeutung zu verstehen, wenn im
Zusammenhang dieser Tatbestände mit Drohung oder Anwendung von
Gewalt oder anderer Formen von Zwang, mit Entführung, Betrug,
Täuschung, mit dem Missbrauch von Macht oder einer Position der
Verwundbarkeit oder mit dem Geben oder Empfangen von Geld oder
Begünstigungen operiert wird, um so die Zustimmung einer Person zu
erwirken, welche die Kontrolle über eine andere Person innehat“.

Hintergründe und Ursachen

Natürlich muss man gar nicht lange um den heißen Brei herum reden:
Menschenhandel ist ein Verbrechen. Es scheint mir jedoch eine sehr
wichtige Frage zu sein, warum diese Verbrechen verübt werden, da man
nur aus den Antworten auf diese Frage (ja, es gibt mehrere),
Gegenstrategien entwickeln und eine wirksame Verbrechensbekämpfung
organisieren kann. So simpel es sich anhört: Niemand wird sich des
Risikos der Bestrafung aussetzen, wenn eine ungesetzliche Tat keinen
Nutzen hat; meist ist dieser Nutzen mit dem Wort Profit zu bezeichnen...
manchmal aber auch – im Zusammenhang mit dem Kinderhandel – nur
mit Verminderung von Not.

Aus dieser angedeuteten Bandbreite ergibt sich, dass die Existenz eines
weltweiten Handels mit Kindern auf verschiedene Ursachen und Einflüsse
zurückzuführen ist. List man verschiedene offizielle Analysen, könnte man
auf den Gedanken kommen, dass es sich bei den Analysten um
Schwachköpfe handeln könnte (was natürlich nicht der Fall ist – was die
Sache aber nicht appetitlicher macht). Bei der Betrachtung von Ursachen
werden z.B. Naturkatastrophen auch als Ursache angegeben… Gewiss,
Naturkatastrophen geschehen und bringen Menschen (z.B. Eltern) um,
aber sie verursachen eben nicht zwangsläufig Kinderhandel. Wenn ich
also ebenfalls diese Ursachen und Einflüsse beschreibe, soll im
Hintergrund, die kriminelle Profitabsicht mitgedacht werden. In diesem
Sinne, kann man also sagen, dass Ursachen und Einflüsse oft zusammen
wirken und diese Wechselwirkungen die Ausbeutung von Jungen und
Mädchen begünstigen:

Armut. Die entscheidende und wirkmächtigste Wurzel des
Kinderhandels ist die Armut. Fehlende Einkommensmöglichkeiten und
Perspektivlosigkeit machen Eltern und Kinder, die in vielen Weltgegenden
selbstverständlich zum Familieneinkommen beitragen müssen, anfällig für
die Angebote der Schlepper und Vermittler. Viele Jugendliche verlassen
aber auch eigenständig ihre Dörfer, um sich eine Arbeit in den Städten zu
suchen und den elenden Lebensumständen zu entkommen. Nicht selten
tauschen sie jedoch das eine Elendsquartier gegen ein anderes. Dabei
geraten sie häufig in die Hände Krimineller; denen es vielleicht genauso
elend geht und die aus Armut kriminell wurden; wobei der wirkliche Profit
von ganz anderen gemacht wird.

Globalisierung. Die weltweite Einflussnahme des ungeregelten,
neoliberalistischen Finanzkapitals, den man gemeinhin auch mit
Globalisierung bezeichnet, hat das wirtschaftliche Ungleichgewicht und
die Einkommensverteilung in vielen Regionen der Welt (auch bei uns –
jedoch auf ganz anderem Niveau) verschärft. Unternehmen haben in den
letzten Jahrzehnten vermehrt ihr Kapital in sog. Billiglohnländer
investiert; vordergründig wird behauptet, um dadurch die
Produktionskosten zu senken und somit wettbewerbsfähig zu bleiben.
Im Klartext bedeutet das: unter Inkaufnahme schlimmster Ausbeutung
der Beschäftigten die Profite hochzuhalten oder zu steigern. Dabei
unterbieten sich die Billiglohnländer auch noch gegenseitig und der
gnadenlose Konkurrenzkampf um Investitionen nimmt auch noch das
schlimmste Elend in Kauf (man schaue unter dem Stichwort
Exportproduktionszonen (EPZ) selber nach).

Der Konkurrenzkampf hat die Nachfrage nach billigen Arbeitskräften
erhöht… und am billigsten sind eben Kinder; das leistet dem
Kinderhandel – gerade in Krisenzeiten – enormen Vorschub. Vor allem in
Zulieferbetrieben – oft auch der etablierten Weltmarktfabriken und
Markenherstellern – werden die Kinder ausgebeutet. Nicht
selten „leisten“ sich Beschäftigte solcher Weltmarktfabriken, die in den
Billiglohnländern selbst wenig verdienen, z.B. aus
Statusgründen „gehandelte Kinder“ um sie als Hausangestellte zu
beschäftigen, ohne sie allerdings auch nur annähernd vernünftig zu
bezahlen.

Auch der Ausbau des Ferntourismus begünstigt die Ausbeutung von
Kindern, nicht nur – wie man leider fast automatisch annimmt – in der
Sexindustrie. Jungen und Mädchen werden in Urlaubsregionen als
Bettelkinder missbraucht oder in Dienstleistungsbetrieben eingesetzt; so
schuften „gehandelte Kinder“ in Wäschereien für Billighotels oder als
Tellerwäscher für billige Touristen-Restaurants.

Die sog. „informelle Revolution“ – also der Ausbau der
Kommunikationsmittel – welche die Globalisierung im heutigen Sinne erst
möglich machte und die dann von den globalisierten Unternehmen weiter
forciert wurde, steht natürlich auch der Schattenwirtschaft oder
Kriminellen zur Verfügung. So ist es für die sog. Nachfrageseite, mit den
entsprechenden Kontakten, sehr leicht – ohne Kontrollen befürchten zu
müssen – mit den Anbietern (den Schleppern und Händler) handelseinig
zu werden. Die den kommerziellen Interessen von internationalen
Konzernen geschuldete Freihandelspolitik, die immer durchlässigere
Grenzen schafft, ermöglicht es eben auch Menschen wie Waren weltweit
und schnell auszutauschen.

Fehlende Information, schlechte Bildungsangebote. In vielen
Ländern der sog. Dritten Welt ist das Bildungssystem nach wie vor
mangelhaft. Es fehlt an Schulen, an Lernmaterialien, an gut
ausgebildeten Lehrern. Kinder müssen nicht selten lange Fußmärsche
zurücklegen, um dann in überfüllten Klassenräumen dem Unterricht zu
folgen. Und in vielen Schulen werden Kinder misshandelt, statt ihre
Persönlichkeit und Rechtsbewusstsein zu stärken. Viele Familien können
es sich nicht einmal leisten, ihre Söhne und Töchter überhaupt zur Schule
zu schicken, da sie die Schulgebühren nicht aufbringen und auf die
Arbeitsleistung der Kinder nicht verzichten können.

Schlechte oder fehlende Bildungsangebote führen aber auch zu falschen
Vorstellungen über das vermeintlich bessere Leben in der Stadt, das
nachweislich von Opfern von Kinderhandel versprochen wird. In vielen
Schulen selbst wird das moderne Leben als Vorbild präsentiert und
werden die einheimischen Kulturen mit Geringschätzung betrachtet.
Ohne den Kindern jedoch eine reale Chance zu geben, an dem modernen
Leben wirklich teilzuhaben. Auch beschönigende Berichte von
Verwandten und Besuchern, die ihr eigenes Scheitern nicht zugeben
wollen, sorgen für ein verfälschtes Bild über die tatsächlichen
Lebensbedingungen in den Städten, auf Plantagen oder gar in anderen
Ländern und die damit verbundenen Gefahren.

Kulturelle Hintergründe. Eine starke Verankerung der Kinder in den
Gemeinden und Kulturen und die Wertschätzung der Kinder kann ein
Schutzfaktor vor Missbrauch und falschen Versprechungen sein. In
Lateinamerika etwa leisten traditionelle Paten Unterstützung, wenn
Kinder in Schwierigkeiten geraten. Beispielsweise, wenn sie ihre Eltern
verlieren, finden sie leichter ein neues Zuhause. Doch wo die Paten nicht
wegen ihrer Zuverlässigkeit und Vertrauen ausgewählt werden, sondern
vor allem, weil sie über mehr Geld verfügen, und wo sie sich der sozialen
Kontrolle der Gemeinde entziehen können, kommt es auch häufiger dazu,
dass Paten Kinder, die ihnen in Obhut gegeben wurden, an Arbeitgeber
weitervermitteln und verkaufen.

In vielen Kulturen hat Arbeit, produktive Tätigkeit einen hohen
Stellenwert. Auch für Kinder. In einigen Ländern Afrikas, Asiens und
Lateinamerikas ist es üblich, dass Kinder schon früh zum
Familieneinkommen beitragen. In Westafrika begeben sich seit jeher
Jungen aus den trockenen Ländern der Sahelzone auf Wanderarbeit, um
auf großen Plantagen Geld zu verdienen. Damit bezahlen sie den
Brautpreis oder erfüllen sich den Traum vom eigenen Fahrrad.
Westafrikanische Mädchen werden häufig bei entfernten Verwandten
untergebracht, um dort zu leben und zu arbeiten. Dies gilt als wichtiger
Teil des Erwachsenwerdens.

Aber gerade hier ist auch die Diskriminierung von Mädchen und Frauen
weit verbreitet: Ihr Wert in der eigenen Familie ist geringer als der ihrer
Brüder, weshalb auf ihre Schulausbildung oft weniger Wert gelegt wird.
Mit einem geringen Bildungsniveau bleiben ihnen wenig Möglichkeiten,
sich eigenständig zu ernähren. Sie müssen jung heiraten oder können
nur schlecht bezahlte Arbeiten ausführen und laufen dadurch noch eher
Gefahr, auf die Angebote von Schleppern einzugehen.
Zwangsverheiratungen und gesellschaftlich tolerierte Prostitution sind
ebenfalls Ausdruck einer geringeren Wertschätzung von Mädchen.
Gefährdet sind außerdem Angehörige ethnischer Minderheiten.
Diskriminiert und von sozialen Leistungen ausgeschlossen leben sie oft in
Armut und Rechtlosigkeit.

Naturkatastrophen, Wirtschaftskrisen und Kriege. Solche
Ereignisse können dazu führen, dass Menschen, die bereits am Rande
des Existenzminimums leben, in absolute Armut geraten. Kriegerische
Konflikte und der Zusammenbruch staatlicher Ordnung lässt Menschen zu
Flüchtlingen, Kinder zu Waisen werden. Instrumentarien zum Schutz der
Bevölkerung sind außer Kraft gesetzt. In solchen Situationen steigt
erfahrungsgemäß auch der Handel mit Kindern.

Korruption und Kollaboration. In vielen Ländern werden die
internationalen Konventionen zum Schutz von Kindern nach wie vor nicht
umgesetzt, es fehlt an entsprechenden nationalen Gesetzen und dem
politischen Willen, sie anzuwenden. Oder es fehlt einfach das nötige Geld
im Staatshaushalt. Eine lückenhafte Gesetzgebung ermöglicht es häufig
Händlernetzen, weitgehend ungestört zu operieren. Nicht selten
schauen korrupte Behördenvertreter weg oder sind gar selber in die
illegalen Geschäfte verwickelt.

Fazit

Am Ende dieses ersten Teils möchte ich darauf aufmerksam machen,
dass niemand in der sog. „Globalisierten Welt“ (und hier vor allem in den
einigermaßen wohlhabenden Regionen) glauben darf, dass sein
Verhalten folgenlos bliebe. Besonders die „Geiz ist geil – Mentalität“
der „Schnäppchenjäger“ wirkt verheerend auf die sozialen Verhältnisse
in vielen armen und ärmsten Ländern. Auch dem politische Glaube an den
Markt – wie er immer noch von z.B. den Liberalisten vertreten wird, als
hätten sie die aktuelle Krise nicht zur Kenntnis genommen – müssen
endlich soziale Schranken gesetzt werden. Geld dazu wäre reichlich
vorhanden… es ist lediglich falsch verteilt. Wir in Deutschland sollten im
September 2009 bei der Stimmabgabe auch an die Kinder der Welt
denken.



Wilfried John



Es folgt im Teil II ein Blick auf sog. Handelsrouten des Kinderhandels
weltweit und speziell den Kinderhandel in Europa... auch in Deutschland.

SBB © Druckbare Version von dem Thema Im Horror des Alltags – Über den internationalen Kinderhandel. Teil I: Ein Überblick