Stefanos Bulletin Board
URL: http://www.bannjongg.com/cgi-bin/sbb/sbb.cgi?&a=show&forum=61&show=5
Thema: Die Ökonomie des Krieges - Oder warum Kriege nicht enden…(1)

icon1 Die Ökonomie des Krieges - Oder warum Kriege nicht enden…(1) Datum: 01.09.2008, 02:34
Wilfried John (Silber Super-Member)
Die Ökonomie des Krieges
Oder warum Kriege nicht enden…


Teil 1 – Kolonialismus / Postkolonialismus

„Auch guter Herren Bitte, ist ein Mordgeschrei.“
Sprichwort

Krieg. Für mich als friedliebender Mensch, der für sich in Anspruch
nimmt Pazifist zu sein, gibt es (fast) nichts Widerwärtigeres als Krieg!
Und um ein Beispiel dafür zu nennen, was noch widerwärtiger ist als
Krieg: Das Geschäft mit dem Krieg ist noch widerwärtiger…


Angesichts der Äußerungen des vielleicht zukünftigen us-amerikanischen
Präsidenten, mehr Truppen nach Afghanistan zu entsenden oder den
immer wieder aufkeimenden Debatten zu Kampfeinsätzen der Deutschen
Bundeswehr in Afghanistan, die vor dem Hintergrund der Nato-
Doktrin „Sicherung der strategischen Rohstoffversorgung“ geführt
werden, ist zu befürchten, dass unsere politisch Verantwortlichen eines
Tages vor den Lobbyisten einknicken werden und junge Männer/Frauen
in großem Stil für Öl, Gas oder Erze verheizt werden; in kleinerem
Maßstab werden sie ja schon dafür verheizt.

Doch was bedeuten schon diese Maßstäbe… ein einziger, verblendeter,
verführter, zum kämpfen gegen seine eigenen Interessen verleiteter
toter Mensch, geopfert auf dem Altar der Profitmaximierung, ist zu viel –
DAS ist mein Maßstab. Wenn es wenigstens tatsächlich um die
Verteidigung der strategischen Rohstoffversorgung oder deren Kontrolle
im Interesse eines Staates ginge… aber tatsächlich geht es zum einen
um den Nachschub für die entsprechenden, diese Rohstoffe
verwertenden Industrien und zum anderen schlicht um das Führen von
Krieg an sich.

Will man etwas zur Ökonomie des Krieges sagen, dann kommt der ganze
Zynismus in dem Satz zum Vorschein: Es ist profitabler, einen Krieg
auszubeuten als ihn zu gewinnen.

Leider ist das nicht immer offenbar… und wird aus gutem Grund in der
öffentlichen Berichterstattung tunlichst verschwiegen. *1

Leider, und für die Menschheit unrühmlich, gibt es reichlich Gelegenheit
diese Aussage zu überprüfen. Jedenfalls kann man dieses Fazit für eine
menschenverachtende Politik aus der Betrachtung der nicht enden
wollenden Kriege z.B. in Afrika ziehen, die mittlerweile schon so lange
dauern, dass in der Zwischenzeit sämtliche (auch die ehemals geheimen)
Details offenbar geworden sind.



Es soll bestimmt nicht positiv oder beschönigend klingen: Die Ost-West-
Blockkonfrontation hatte einen ordnungspolitischen Einfluss auf Afrika,
der sich in einer weitgehenden Stabilität der (auch der unter Umständen
unmenschlichen) Verhältnisse ausdrückte.

Als nach dem Ende der Ost-West-Konfrontation Afrika seine geostrategische
Bedeutung weitgehend verloren hatte, eröffneten sich autoritären
Regierungen, Armeeangehörigen, Bandenchefs, Söldnern und sogar
Teilen der Zivilbevölkerung Möglichkeiten einer „Bürgerkriegsökonomie“
und man konnte sich kurzfristige politische Vorteile verschaffen oder sich
persönlich bereichern; was oft in einer Gleichzeitigkeit geschah und noch
immer geschieht.

Ermöglicht wird dies durch den Handel mit dem Norden; natürlich unter
den Bedingungen der WTO, des IWF und der Weltbank, die den
willfährigen Staatsprofiteuere ihre altbekannten (falschen) Rezepte
verordnen: Staatliche Funktionen zurückführen, Einsparungen oder
Privatisierung im Sozialbereich, Deregulierung von Arbeitnehmer-
Schutzrechten, Marktöffnung für transnationale Konzerne und Kapital.

Damit, und durch den Einsatz privater Sicherheitsfirmen (man kann auch
Söldner dazu sagen), sorgt man gleichzeitig mit der Schaffung von
Abhängigkeiten auch dafür, dass diese Staaten zahlungsfähig bleiben.

Ohne diese finanzielle Zufuhr durch den Handel mit Rohstoffen, wären
viele der afrikanischen Kriege längst am Ende. Das lässt sich besonders
„schön“ am Beispiel Angola zeigen. Dort haben die transnationalen
Konzerne genauso wenig Interesse an der Beendigung des Konfliktes
wie die korrupten Warlords; mittlerweile zählt Angolas Präsident dos
Santos
zu den reichsten Männern der Welt und sein Widersacher, der
UNITA-Führer Jonas Savimbi, gehörte bis vor nicht allzu langer Zeit
(bevor er von der Armee getötet wurde) diesem Club ebenfalls an. *2


UNITA-Führer Jonas Savimbi

Es geht um Diamanten und Erdöl. In Angola finanziert der Handel mit
Diamanten und Öl einen seit vier Jahrzehnten andauernden Krieg. Weit
über 10 Jahre dauerte der bewaffnete Kampf gegen die portugiesische
Kolonialherrschaft.

Nach der Unabhängigkeit 1974 ging die bewaffnete Auseinandersetzung
in einen Bürgerkrieg zwischen der MPLA-Regierung (Volksbewegung für
die Befreiung Angolas – unterstützt von der UdSSR und Kuba) und der
Rebellenbewegung UNITA (Nationalunion für die volle Unabhängigkeit
Angolas – unterstützt von den USA und Apartheid-Südafrika) über.

Nach dem Ende der Blockkonfrontation hat Angola nur fünf Jahre eines
brüchigen Friedens erlebt, der immer wieder in kriegerischen Aktionen
untergeht, die auf dem „Rücken“ der Zivilbevölkerung ausgetragen
werden; Zehntausende sind nach Unfällen mit Landminen verkrüppelt,
Millionen Minen liegen noch in der Erde und stellen eine permanente
Gefahr für die Bevölkerung dar.



Angola ist eines der wirtschaftlich ärmsten Länder überhaupt, aber in
Bezug auf Bodenschätze das viertreichste Land der Welt. Der Krieg
erlaubt es Regierung wie Rebellen gleichermaßen, die soziale Not der
Bevölkerung zu ignorieren – die Menschen werden von beiden
Kriegsparteien terrorisiert und ausgeplündert; Hauptfinanzierungsquelle
ihrer Kriegsfinanzierung erzielt die UNITA mit „blutigen“ Diamantenverkäufen
auf den Märkten Europas; die MPLA-Regierung Angolas finanziert den
Krieg mit Erdölverkäufen an die USA.

Deshalb haben die USA politisch die Seiten gewechselt und nach über
20 Jahren die Unterstützung der UNITA aufgegeben und unterstützen
jetzt den ehemaligen „kommunistischen Feind“. Firmen wie Elf Aquitaine
und Chevron verdienen doppelt an dem Handel mit Angola, indem sie
einerseits Öl exportieren und andererseits über Zwischenhändler Waffen
importieren.

Der Direktor von Elf-Aquitaine in Angola hat zugegeben, dass sein
Vorgänger jahrelang für die UNITA Waffen nach Angola geschmuggelt
hat. *3

Niemand soll jetzt denken, dass ich in diesem Artikel nur über Angola
geschrieben hätte… ich habe – im übertragbaren Sinne – über ALLE
Kriege geschrieben! Denn was auch immer als Begründung herhalten
muss, Krieg ist Big Business; wobei sich diese Aussage nicht nur auf das
Führen der Kriege an sich bezieht, sondern auch auf die Nachkriegszeit,
in der schließlich wieder aufgebaut werden muss, was im Kriege zerstört
wurde.

Schließlich ist Krieg, jedenfalls für die Sieger, auch deswegen Big Business,
weil Kapitalien immensen Ausmaßes umverteilt werden, wenn z.B. den
Verlierern Reparationszahlungen aufgezwungen werden oder man sich
die Kontrolle z.B. von Bodenschätzen, Industrien oder Durchleitungsrechte
sichert.

Weiteres dazu im 2. Teil (in 3-4 Tagen)!

Anhang *1:
Bericht über die militärische Sicherung strategischer Rohstoffe und
Beteiligung der Bundeswehr siehe unter:
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/bewegung/antikriegstag06-schramm.html

Anhang *2:
Artikel zum Thema Ökonomie des Krieges siehe unter:
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Privatkriege/kriegsheren.html

Anhang *3:
Bericht über die blutigen Diamanten im südlichen Afrika siehe unter:
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Afrika/diamanten2.html

icon1 Re: Die Ökonomie des Krieges - Oder warum Kriege nicht enden… Datum: 01.09.2008, 17:02
kapverd (Gold Super-Member)
Trotz allen intelligenten Statements hier, und sonstwo. Der Mensch als
solcher, derjenige der die Waffe hält, die Patrone in das Schloß einklinkt
und diese Waffe dann abfeuert, dieser Mensch ist verantwortlich.
In dem Beitrag ist eines der farbigen Kinder abgebildet, das eine Waffe
hält - und diese mit sichtbarem Stolz hält.

Es ist ein Priveleg von Männern, schwere und schwerste Waffen zu
halten und diese zu bedienen. Es ist eine sexuelle Tätigkeit, Waffen
abzufeuern und ein Geschoß in das Ziel zu führen.

Dieses scheint in allen sogenannten sich selbst ernannten
Friedensaposteln (die zumeist hochdotierte Jobs inne halten, nicht so wie
die vom Arbeitsamt) nicht thematisiert zu sein.
"Mann" verschweigt es schamvoll und nihiliert es.

Männer oder Jungs gingen immer zum Krieg - oder zumindest zu denen
die ihnen Waffen geben konnten.

Ich persönlich sehe und erkennen keine zufriedenstellende Lösung für
diese Problematik.

Oder anders ausgedrückt: Bisher sah und las ich noch niemanden, ich
betone niemanden, der sich dieser Problematik offen und zielgerichtet
annahm. Mit Ausnahme des Robert Bly, der sehr genau auf die Probleme
hinweist - ohne sie gelöst zu haben.

Ich frage mich, und dieses ist der Inhalt meines Beitrages hier, wie sähe
die Welt aus wenn Menschen der Coleur eines Wilfried John oder derer
aus der UNI Kassel die Welt dirigieren könnten?

Denn eiens ist mir persönlich bewußt, und man korrigiere mich hierin.

Auch ein Herr Wilfried John möchte wie viele andere in eine Rolle eines
großen Mentors hinein schlüpfen - um die Massen dirigieren zu können.
Es geht um Macht, es geht um Macht ohne Grenzen - wie die Machtfülle
die ein amerikanischer Präsident inne hat - der seinen Finger locker über
dem roten Knopf der atomaren Cruise Missiles schweben läßt, dabei
lässig am Reisverschluss seines oliven Armeejäckis fummelt und ein
texanisches Grinsen auf den Mundwinkeln zeigt.

Das ist die totale Macht.

Ebenso zeigen die Gangster in Kinderschuhen in Benin und an der
Elfenbeinküste dieses Grinsen, wenn sie locker ihre Kalaschnikows auf
Farbige richten und abdrücken.

Auch Wilfried John grinst auf seinen Foto, obwohl er nicht abdrückt. Oder?

Aber ich bitte Sie, es ist natürlich alles nicht ernst gemeint! Oder doch?
Bitte, tun Sie mir einen Gefallen! Denken Sie selbst!

icon1 Re: Die Ökonomie des Krieges - Oder warum Kriege nicht enden… Datum: 02.09.2008, 04:35
Schmutzli (Silber Super-Member)
Es ist beinahe ein Axiom, das die Aussage von kapverd aufzeigt:
Dieses Machtgehabe ist als "Gen" uns allen mitgegeben!

Auch die, die jetzt die These von der "Friedfertigkeit und von der
globalen Sozialkomponente im Menschen" verteidigen, werden "zum
reissenden Tiger", sollten sie jemals "an die Macht kommen"!

Macht muss erweitert, mindestens aber erhalten werden/bleiben - eine
These, die uns durch die ganze Geschichte der Menschheit "verfolgt"!

Aber von einer "Genmanipulation" halte ich auch nichts.... also schauen
wir einfach, wie wir damit zurecht kommen!

Schmutzli

icon1 Re: Die Ökonomie des Krieges - Oder warum Kriege nicht enden… Datum: 03.09.2008, 10:58
kapverd (Gold Super-Member)
Frieden?

Das Ziel sei der Frieden, sagen sie alle, die jenigen die sich in den Medien
aller Welt vordrängen und Seiten um Seiten schreiben. Bibliotheken sind
mit ihren Schriften gefüllt. Religionen mühen sich hiermit ab.

Es ist schier zum verzweifeln. Ganze UNI s schreiben den Frieden auf ihre
Portale und dem "Normalen" gruselt es vor soviel Fachwissen und so
vieler intelligenter Statements und Ermahnungen.

Die Realität sieht vollkommen anders aus. Die Ermahnung erreicht noch
nicht einmal die öffentliche Straße vor der UNI Kassel. Deutschland ist der
zweitgrößte Exporteur der Welt für Waffen und militärisches Gerät.
Das Geschäft läuft gut bis sehr gut.

Als 1990 der Frieden ausbrach und der Kalte Krieg beendet wurde, lief
weltweit das größte jemals abgewickelte Waffengeschäft dieser Erde.
Die Waffenarsenale der Sowjetunion wurden zu große Teilen in alle Welt
verschoben und verscherbelt.

Die Nutznießer und Exporteure sitzen heute in Monaco und schieben die
ruhige Kugel. Das Geld fand jedoch mit Sicherheit auch den Weg zu
Schweizer Banken. Es ist das blutigste Geld dieser Erde.

Seither sind alle Entwicklungsländer mit der Kalaschnikow versorgt.
Es stehen Unmassen von Waffen der ehemaligen Sowjetunion weltweit
zur Verfügung. Die jetzige Entspannungsphase müssen Millionen
Menschen mit tödlichen Schusswunden bezahlen.

Es wäre besser gewesen, für alle Beteiligten, wenn die Sowjetunion
nicht zusammen gebrochen wäre. Die zitierten Kinder aus Schwarzafrika
halten russisches Kriegsgerät in ihren Händen und sie schießen mit
österreichischen Pistolen.

Was bleibt uns? Es ist allerhand marode und faul in der Szene. Ich
persönlich nehme gerade diejenigen in Verantwortung, die laut tönend in
den Medien voran schreiten und "Frieden" schreien. Unter anderem zähle
ich hier die Römisch-Katholische Religion hinzu. Ebenso die UNI’s,
die „Frieden machen“.

Die Realität zeigt: „ Es wird in Wirklichkeit kein Friede gemacht.“ Sogar
der Bau einer neuen Autobahn oder die Verbreiterung einer Landstraße
ist ein eiskalt geführter Krieg gegen das weltweite Ökosystem. Es wird in
allen Institutionen gelogen und betrogen, je qualifizierter und je
kompetenter der Anstrich der noblen Institution ist - je geschickter wird
gelogen.

Alleine die Farce vom Dynamiterfinder Alfred Nobel, unter dessen Namen
Friedensnobelpreise verliehen werden - ist eine bösartige Lachnummer.

Wir sind die Nachfolgekultur des römischen Weltreiches, das in seiner
letzten Phase sich der Weltreligion Christentum anpasste. Wir sollten da
suchen wo die Aggression verarbeitet, konfektioniert und in
Gewehrläufen oder in Cruise Missiles verpackt in die Welt geschossen
werden.

Und eines möchte ich klar stellen. Der Mann als solcher ist nicht falsch
erbaut worden. Seine Sexualität ist korrekt. Es ist die Erziehung, es sind
die Wertungen der Gesellschaft – und es ist die durchlebte Kindheit des
Mannes.

Sie kennen die Geschichte des Bauern? Der der sich einen scharfen Hund
hält? Er muß diesen schlagen - damit er aggressiv wird. Man kann nicht
nur mit Stöcken schlagen, noch wirkungsvoller beim Menschen wird
die "verbale Waffe" wirken – oder die Waffen „Liebesentzug“……….das
Spektrum ist schier grenzenlos – will man den Delinquenten nur in ein
Büro pferchen - oder soll er in einem Jet sitzen und Napalmbomben
ausklinken – oder soll er gar Atombomben gegen Nordkorea per
Knopfdruck schicken. Wir haben hierfür exakte Laufbahnen vorbereitet –
um die entsprechenden Monster bereit stellen zu können………nur davon
verbreitet die Uni Kassel nichts. Müll, nur Müll kommt von dort………..

"Reich ist, wer weiß, das er genug hat." (Laotse)

icon1 Re: Die Ökonomie des Krieges - Oder warum Kriege nicht enden…(1) Datum: 08.09.2008, 13:07
Wilfried John (Silber Super-Member)
Zu Kommentar #2

Sehr geehrter Herr Josef Moeller,

zunächst möchte ich betonen, dass ich es natürlich nicht übel nehme,
wenn mich jemand dem Verdacht aussetzt, dass ich - hätte ich die Macht
in Händen - nicht auch auf rote (oder wie auch immer gefärbte) Knöpfe
drücken würde.

Allerdings gestatte ich mir, diesen Verdacht von mir zu weisen, da ich
durch meine bisherige Lebensführung und meine in vielen Beiträgen
dokumentierte Haltung gar nicht in die Situation kommen werde... Ich
arbeite seit über 30 Jahren in politischen Funktionen und nie habe ich
(obwohl ich Gelegenheiten hatte) einflussreiche Ämter angestrebt...
ich bin zu sehr Demokrat, als dass ich Machtpolitiker werden könnte.

Bevor ich inhaltlich/sachlich auf den Kommentar antworte, noch ein
persönliches Wort in eigener Sache: Zwar halte ich Polemik für ein
durchaus adäquates Mittel in einem Meinungsstreit, doch sollte das
Mittel Polemik nicht mit persönlicher Anfeindung verwechselt werden
(auch nicht im Überschwang der Diskussions-Hitze).

Man verwechsle bitte ein freundliches Lächeln nicht mit einem zynischen
(machtgeilen) Grinsen! Übrigens, ich hatte noch nie eine Schusswaffe in
der Hand... was auch nicht alle hier Schreibenden von sich behaupten
können.

Ja, ich bin ein "selbsternannter Friedensapostel"... jedoch sollte man mir
nicht unterstellen, dass ich es des Geldes wegen sei - das ist unfaire
Stimmungsmache und nicht anständige Diskussion.

Eine letzte Korrektur: Der Satz: "Auch ein Herr Wilfried John möchte wie
viele andere in eine Rolle eines großen Mentors hinein schlüpfen - um die
Massen dirigieren zu können.", ist falsch.

Vielleicht im Gegensatz zu vielen anderen hier, habe ich - weil ich die
Position schon hatte - beweisen können, dass ich eben nicht Massen
dirigierte
, sondern kooperativ, diskursiv und demokratisch agierte.

Ich will - und das nehme ich für mich in Anspruch - meine Meinung
mehrheitsfähig machen... mit sachlichen Argumenten und
faktenunterlegten Darstellungen - und nicht mit vorhaltenenden
(falschen) Vermutungen.

Zur Sache: Es ist nicht und es war nie das Privileg von Männern Waffen
zu tragen, es ist sowohl aus der Geschichte als auch aus der Gegenwart
bekannt, dass dazu Frauen ebenso fähig sind und auch wenn die
Sexualität viele abartige Wege zu gehen imstande ist, so hatte das
Abfeuern einer Waffen schlicht das Gegenteil von Sexualität zur Folge: Es
tötet.

Es ist eben keine sexuelle Tätigkeit eine Waffe abzufeuern... und Robert
Bly ist ganz bestimmt nicht der Meinung, dass es dies sei; im Gegenteil.
Bly als Zeuge der Anklage bietet ein jämmerliches Bild... noch vor zehn
Jahren proklamierte er: "Es werde der Wilde Mann" und er animierte
ältere Muttersöhnchen, den "Krieger" in sich zu entdecken, Aggressionen
auszuspucken, Wunden zu zeigen, Tränen zu weinen und Blut zu
tauschen.

Wenn wir schon tiefenpsychologisch an die Sache herangehen wollen,
dann doch bitte nicht mit einem pseudowissenschftlichen Populär-
Schriftsteller, sondern mit einem ausgewiesenen Fachmann; z.B. Klaus
Theweleit.

Wir sind uns in dem Punkte einig, dass "der Mensch eine Waffe hält...
und diese Waffe dann abfeuert" verantwortlich ist. Aber das ist zu kurz
gesprungen. Es verkennt die Tatsache, dass die Technokraten und
Planer, die Agitatoren und Verherrlicher, die Ausbilder und Profiteure
ebenfalls verantwortlich sind; gerade das Bild auf dem "eines der
farbigen Kinder abgebildet (ist), das eine Waffe" ist ein Beispiel dafür.

Selbst wenn das Kind die Waffe "mit sichtbarem Stolz hält", so ist ihm
dieser Stolz antrainiert... Kein Kind ist von allein fähig, wider seine Natur
zu handeln und auf dieses Handeln stolz zu sein.

Der Satz: "Männer oder Jungs gingen immer zum Krieg - oder zumindest
zu denen die ihnen Waffen geben konnten.", scheint nur zu stimmen... in
Wirklichkeit wurden sie dafür erzieherisch programmiert.

In diesem Sinne ist es auch äußerst unsinnig, die Kindersoldaten als
Gangster zu bezeichnen... die wirklichen Gangster sind ganz andere.


icon1 Re: Die Ökonomie des Krieges - Oder warum Kriege nicht enden…(1) Datum: 08.09.2008, 13:33
Wilfried John (Silber Super-Member)
#3 @ Schmutzli

Es ist mitnichten ein Axiom, also ein unmittelbar einleuchtendes Prinzip,
dass das Machtgehabe uns als Gen mitgegeben wurde. Zwar ist es - wie
bei jedem anderen Lebeswesen auch - aus Gründen des
Selbsterhaltungstriebs nötig, die Fähigkeit zur Aggression zu besitzen,
jedoch gehört der Begriff Macht in einen völlig anderen Zusammenhang.

Wie ich schon einmal im Zusammenhang mit dem Begriff der Zivilisation
vom Unterschied des Darwinismus/Sozialdarwinismus zum Ausdruck
brachte, gehört der Begriff Macht nicht zur Entwicklungsgeschichte der
Spezies Mensch, sondern in die kulturhistorische Entwicklung.

Es ist nicht auszuschließen, dass Menschen von Frieden reden und das
Gegenteil davon tun.. dennoch sollten wir uns davor hüten, eine gute
Idee nur deswegen abzutun, weil es Beispiele von Mißbrauch gibt -
Frieden bleibt eine gute Idee.

Es ist außerdem nicht der Sache dienlich, alle über einen Kamm zu
scheren und dermaßen zu verallgemeinern, dass es zum derzeitigen
Zustand keine Alternative gäbe. Ich gab schon mehr als einmal zu
Protokoll, dass menschengemachte Zustände veränderbar sind... auch
wenn es bis jetzt noch nicht gelungen ist.

Da es kein Kriegs-Gen gibt, kann man auch keines verändern... aber nur
schauen wie wir zurecht kommen, ist eindeutig zu wenig. Wenn es
stimmt, dass es den Regierungen um Machterhalt geht, dann müssen wir
sie das Fürchten lehren... die Furcht, die Macht zu verlieren.

Keine Regierung (auch keine Diktatur oder Millitärjunta) kann dauerhaft
gegen das Volk an der Macht bleiben.


icon1 Re: Die Ökonomie des Krieges - Oder warum Kriege nicht enden…(1) Datum: 08.09.2008, 18:43
kapverd (Gold Super-Member)
Hallo!
eine kurze Antwort. Die Genetik, die konventionelle, beginnt zu begreifen
dass auch kurzfristig Gene eingeschleust bzw. gebildet werden können.
Die Epigenetik steht vor ihrem Durchbruch, sie besagt z.B. das innerhalb
einer Generation Gene auftauchen können die dort nicht sein dürften.

Die kriegerische Aktivität von Männern ist auf jeden Fall langfristig bei
Völkern zu beobachten, seien es die Indios, die Indianer oder die
Buschmänner der Kalahari. Die Buschmänner der Kalahari leben noch in
ihrem Kontinuum der Jahrtausende oder sind teilweise wieder dorthin
zurückgekehrt nachdem man ihnen die Kalahari wegnahm und hierfür
Alkohol reichte.

Es ist eine mutige Behauptung, dass Waffen tragen und kriegerische
Konflikte nur anerzogen wären. Sehr unwahrscheinlich dieses.

Ich bitte jedoch ebenfalls von einigen einfachen Bewertungen von
Autoren Abstand zu nehmen, wenn man das selbst nicht möchte.
Ich schätze, das man auch Autoren eine stetige Veränderung ihrer
eignen Entwicklung zugestehen muss, ob’s pässlich ist oder nicht.

Waffen als solche sind bei annähernd allen Naturvölkern zu finden. Der
Einwand, dass hier keine genetische Fixierung des Mannes vorläge, ist
meiner Auffassung nach mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
falsch. Ich weise zudem darauf hin, das es noch kein Übersetzungsbuch
der Genetik - gibt wo dieses zuverlässig nachzulesen wäre.

Es dürfte eine Mischlösung realistisch sein. Das sich Begebenheiten im
Erleben eines Menschen relativ kurzfristig Wege in die Genetik bahnen
können, dieses sagt die neue Disziplin Epigenetik zumindest als erstes
Zwischenergebnis aus.

Ansonsten bin ich für Diskussionen offen. Ich denke jedoch, das auch
alternativ zur Gesellschaft ausgerichtete Menschen und Charaktere
ebenso der Kritik bedürfen wie die USA, die zwar eine breite Front hierzu
bietet, die jedoch von ebensolchen Kritikern gerne schizophreniert wird -
in die Guten und die Bösen - wie heute explizit in einem anderen neuen
Beitrag gezeigt wird.

Ob diese Spielchen wirklich etwas oder jemanden was bringen - ist sehr
fraglich. Sie erinnern mich eher an Kindergartenspiele.

Und letztlich zu dem Jungen mit der Waffe? Lassen Sie doch ein paar
Jungs auf dem Hof spielen – aber passen Sie dabei auf das keine
Möchtegern-Emanze der Coleur Alice Schwarzer in der Nähe ist.

Dann könnten Sie Gene pur erleben. Sehen Sie, es tauchen verschiedene
Welten aus dem Nebel der Evolution auf. Wissen Sie denn genau was
Genetik und was nicht Genetik ist? Warum diese Haare zu spalten
versuchen?

Die Epigenetik lehrt dass das gar nicht funktionieren kann. Nicht alle
Männer möchten Pullover stricken und Sonnenblumen in Kanonenrohren
gießen. Und Joschka war übrigen ein ganz Wüster und hatte eine Knarre
aus einem Mordfall (Wirtschaftsminister Hein Herbert Karry) in seinem
Kofferraum.

Ich sehe die Menschen gerne so wie sie sind und nicht so wie sie gerne
sein möchten.

Ich nehm’s dann eher mit Michael Moore, da kann sich jeder aussuchen
was er will, er spielt nur den Clown.

Trotzdem auf Freundschaft,
die jeder von uns benötigt.
Josef Moeller

icon1 Re: Die Ökonomie des Krieges - Oder warum Kriege nicht enden…(1) Datum: 09.09.2008, 11:21
Wilfried John (Silber Super-Member)
Ebenfalls eine kurze Antwort auf Kommentar #7:
zitat:
Es ist eine mutige Behauptung, dass Waffen tragen und
kriegerische Konflikte nur anerzogen wären. Sehr unwahrscheinlich
dieses.

Mit Verlaub, Sie widersprechen sich selbst. Im Kommentar #4
schrieben Sie noch (deckungsgleich mit meiner Meinung, die Sie für
unwahrscheinlich halten):

zitat:
Und eines möchte ich klar stellen. Der Mann als solcher ist nicht
falsch erbaut worden. Seine Sexualität ist korrekt. Es ist die Erziehung,
es sind die Wertungen der Gesellschaft – und es ist die durchlebte
Kindheit des Mannes.

Im darauf folgenden Absatz (mit dem Beispiel des Bauern und seinem
Hund) wedern Sie sogar noch konkreter...

Zu Kommentar #7
zitat:
Und letztlich zu dem Jungen mit der Waffe? Lassen Sie doch ein
paar Jungs auf dem Hof spielen – aber passen Sie dabei auf das keine
Möchtegern-Emanze der Couleur Alice Schwarzer in der Nähe ist.

Wir haben unseren Sohn (heute 30 Jahre alt) zur Friedfertigkeit erzogen.
In den ersten Jahren seiner Kindheit, vermieden wir alle Drohungen mit
Gewalt (inkl. der Gewalt des Liebesentzugs), wir vermieden alle
Gewaltdarstellungen (was nicht einfach war) und natürlich jede Art von
Waffenspielzeug.

Auch das unbeeinflusste (aber nicht unbeaufsichtigte)Spiel mit
Alterskammeraden auf dem Spielplatz oder im Kindergarten - führte nicht
zu dem von Ihnen implizit prognostizierten Ergebnis!

Erst im weiteren Verlauf der Erziehung, der ja bekanntlich spätestens ab
dem Schuleintritt nicht mehr allein in elterlicher Hand liegt, änderte sich
die Haltung unseres Sohnes... später sogar soweit, dass er "zur
Verteidigung der Menschenrechte" als Soldat in den Kosovo ging.

Es gibt Protokolle (und Filmaufnahmen) von äußerst perversen
Experimenten an Müttern... sie belegen, dass es möglich ist, Mütter so zu
indoktrinieren und geistig/seelisch zu manipulieren, dass sie ihre Babys
umbrachten; sag mir einer, das seien ihre Gene... lächerlich!
zitat:

Wir haben hierfür exakte Laufbahnen vorbereitet – um die
entsprechenden Monster bereit stellen zu können………nur davon
verbreitet die Uni Kassel nichts. Müll, nur Müll kommt von dort………..


Und noch ein Wort zur AG Friedensforschung der Uni Kassel. Um mit
Ihren Worten zu sprechen: Es ist eine mutige Behauptung, dass von dort
nur Müll käme... und die dort Tätigen nichts zu Waffenexporten,
Konfliktbewältigung oder sozialen Aspekten zu sagen haben.

Nun ich habe nichts davon die Uni Kassel zu verteidigen (das können die
durch ihre Veröffentlicheungen schon selbst), nur möchte ich Ihre doch
sehr verallgemeinernde Behauptung - die bei der Leserschaft einen
gänzlich falschen Eindruck hinterlassen könnte - relativieren.

Gerade zu den von Ihnen angesprochenen Themen gibt es sogar ganze
Fachtagungen mit internationaler Beteiligung; z.B.

http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/bewegung/ippnw2008.html

Es gibt von der Uni Kassel auch Veröffentlichungen über
sozio/psychologische Phänomene in der militärischen und zivilen
Konfliktprävention; z.B.

http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Konfliktbearbeitung/fuchs.html

Nun, die Lage ist sicher sehr kompliziert und die Komplexität der
Zusammenhänge (inkl. dessen, was Sie richtigerweise Krieg gegen das
Ökosystem nannten) verhindert (zum Glück), dass die Einfache-Lösungs-
Propheten eine Chance haben, Plattheiten zu verbreiten.

Allerdings kann man vor dieser Komplexität auch erschrecken und -
verprellt - zurückweichen... was aber ebenfalls nichts zur Lösung
beiträgt; sondern höchstens dazu führt, alles und alle zu verdammen.
Da kommt es dann leicht vor, dass man auch jene verdammt, die guten
Willens sind.



SBB © Druckbare Version von dem Thema Die Ökonomie des Krieges - Oder warum Kriege nicht enden…(1)