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Thema: Mama Afrika weint – Über imperiale Willkür und deren Wirkung bis heute

icon1 Mama Afrika weint – Über imperiale Willkür und deren Wirkung bis heute Datum: 09.04.2010, 13:44
Wilfried John (Silber Super-Member)
Der Amerikaner, der den Kolumbus zuerst entdeckte, hat eine böse
Entdeckung gemacht.
Georg Christoph Lichtenberg


Das Jahr 2010… ein Blick auf die Gegenwart offenbart etwas, das in
der Allgemeinheit für überwunden gehalten wird: Imperialismus. Gewiss,
die Form ist eine andere als früher, doch die Wirkung ist dieselbe. Das
Jahr 2010… ein gutes Datum, um einen Blick auf die Zeitgeschichte zu
werfen: Vor 125 Jahren teilten die europäischen Großmächte in Berlin
einen ganzen Kontinent unter sich auf. Und während sich die Wirkungen
des neuen Imperialismus schon bemerkbar machen, sind die Folgen der
alten imperialen Willkür bis heute nicht überwunden.


In den Jahren 1884/1885… die europäischen Großmächte (England,
Frankreich und Deutschland) einigten sich auf die Einberufung der
sog. „Kongo-Konferenz“ am Tagungsort Berlin. Im Ergebnis einigten sich
dabei die Beteiligten darauf, wie sie den afrikanischen Kontinent unter
sich aufteilen; die Deutschen „legitimierten“ so ihre Eroberungen
„Deutsch-Ostafrika“ und „Deutsch-Südwestafrika“.

Mit dem „Scramble for Africa“, wie das Feilschen der Kolonialmächte um
afrikanisches Land gelegentlich genannt wird, verbanden sich im
auslaufenden 19. Jahrhundert vor allem imperiale Hoffnungen auf den
billigen Lieferanten für Rohstoffe im Süden, der von Gold über Erdöl und
Mangan bis zum für die Waffenproduktion begehrten Cobalt so viel zu
bieten hatte. Auf keinen Fall wollten die Kolonialmächte wegen dieser
Ressourcen Krieg gegeneinander führen. Ganz im Gegenteil, also einigte
man sich bei der Kongo-Konferenz fast brüderlich (brüderlich im Ungeist
des kolonialen Machtanspruchs) über die Aufteilung der beanspruchten
Gebiete.

Internationales Kolloquium

Es gibt viele Gedenktage… und das nicht nur in unserem Lande, sondern
überall auf der Welt. Neuerdings gibt es sogar internationale, von den
UN ausgerufene, Gedenktage, die weltweit an dies oder jenes erinnern
sollen. Natürlich ist nichts dagegen einzuwenden, dass z.B. daran
gedacht werden soll, Bücher zu lesen oder auf die Reinerhaltung von
Wasser zu achten… grundsätzlich wäre sogar nichts gegen einen
Gedenktag für Gedenktage einzuwenden.

Es drängt sich mir allerdings der Verdacht auf, dass es bei der
Einrichtung solcher Tage (da es sich bei Gedenk- und Jahrestagen um
eine Art der Geschichtsschreibung oder des historischen Erinnerns
handelt, ebenso wie bei der allgemeinen Geschichtsschreibung selbst),
um eine interessengeleitete Art von Vermittlung bestimmter Sichtweisen
geht. Darüber, dass die aufgeschriebene Geschichte immer so etwas wie
die Geschichte der Sieger ist, habe ich im Zusammenhang mit einigen
Buchbesprechungen (*1) schon mehrfach geschrieben.

Es gibt ja wirklich sehr viele Gedenktage... aber es erstaunt nicht allzu
sehr, dass die unselige Vergangenheit des Imperialismus (speziell des
Deutschen Imperialismus) weder international noch national in Form
eines Gedenktages offiziell betrachtet wird. Im Berliner „Haus der
Kulturen der Welt“ allerdings, erinnerte man unlängst mittels eines
Internationalen Kolloquiums an das imperiale Verdikt vor 125 Jahren,
dessen Folgen den sog. Schwarzen Kontinent bis heute prägen.

Vergangenheit wird Gegenwart

Wer heutzutage seinen Blick auf die politische Landkarte Afrikas richtet,
kann bemerken (und wundert sich vielleicht darüber), dass die
Grenzmarkierungen vielfach aussehen wie mit dem Lineal gezogen. Sie
sehen nicht nur so aus! Auf der oben genannten Konferenz wurde das
genau so gemacht. Was interessierten da ethnische Zugehörigkeiten,
Stammesgebiete oder zusammengehörige natürliche Landschaften?
Darauf wollte man keine Rücksicht nehmen. Es ging darum, sich – je nach
der Interessenlage der europäischen Kolonialmächte – die ergiebigsten
Pfründe zu sichern.

Ich möchte hier auf die speziellen Gräueltaten der damals schon alt
eingesessenen Konquistadoren Frankreich und Großbritannien nicht
gesondert eingehen (und auf die Rolle Belgiens in diesem
Zusammenhang, hat ja unser Autor sozialcode schon geschrieben). Als
Deutscher nehme ich lieber das Treiben des kolonialen Anfängers – das
Deutsche Kaiserreich – in den Fokus; ganz besonders auch deswegen,
weil die heutige BRD in der Rechtsnachfolge dieses Deutschen Staates
steht (*2).

Nachdem man sich also die eroberten Gebiete als Besitz hat legitimieren
lassen (es stellt sich die Frage, ob sich sehr mächtige Diebe, gegenseitig
die Beute als rechtmäßig erworbenes Eigentum erklären können?), ging
man nun daran, die eroberten Gebiete auszubeuten. Was folgte, waren
Raubbesiedelung, Völkermorde, Zwangsenteignungen, Missionierung,
Erniedrigung und Versklavung.

„Die europäischen Mächte waren nicht zuletzt dafür verantwortlich, dass
auf afrikanischem Boden der erste große Völkermord des 20.Jahrhunderts
begangen wurde“, erinnert Yonas Endrias, Generalsekretär des Afrika-
Rates Berlin-Brandenburg, auf dem Berliner Treffen. Gemeint sind die
Umstände der Kolonialisierung Deutsch-Südwestafrikas, dem heutigen
Namibia, im Jahr 1904, als sich das Volk der Hereros durch einen Aufstand
der eindringenden Kolonialarmee widersetzte und mit barbarischen
Exzessen dafür bestraft wurde. Danach war das Volk der Hereros
nahezu komplett ausgelöscht.

Gegenwart wird Vergangenheit

Die Kolonialmächte waren sich der Schwierigkeiten einer Verwaltung so
großer Gebiete wie z.B. Französisch-Westafrika (wozu das Territorium
der heutigen Staaten Mauretanien, Mali, Niger und Senegal gehörte)
oder der britischen Gebiete (heute z.B. Nigeria oder auch Kenia)
durchaus bewusst. Die Kolonialisten achteten deshalb auf die für ihre
Interessen richtige Balance zwischen der Einsetzung von hörigen
afrikanischen Politikern in den kolonialen Administrationen und dem
Aufbau politischer Institutionen in den Kolonien selbst.

Dabei bediente man sich eines perfiden Tricks: Da die Gebiete – wie
gesagt – auf dem Kartentisch zugeschnitten wurden, lebten plötzlich
verschiedene Völker in unterschiedlicher Größenordnung innerhalb der
neuen politischen Grenzen. Vor allem die Briten – aber auch die übrigen
Kolonialmächte – setzten nun genau diese Minderheiten in die
entsprechenden Ämter ein. Der so angestachelte Hass der
Mehrheitsbevölkerung auf die Minderheiten hatte zur Folge, dass die
Menschen sozusagen untereinander „beschäftigt“ waren und ihre
Besatzer in relativer Ruhe ihren „Geschäften“ nachgehen konnten.

Bekanntlich wurden die meisten afrikanischen Staaten erst nach 1960 in
die sog. Unabhängigkeit entlassen; aus den seinerzeit gezogenen
Demarkationslinien zwischen Kolonien, wurden somit erst in der zweiten
Hälfte des 20. Jahrhunderts Grenzen zwischen sog. souveränen Staaten.
Von der wirtschaftlichen Warte aus gesehen, wurden die Länder
allerdings nie wirklich selbständig, denn vielfach wurden diese Länder
gezwungen, die aus der Kolonialzeit überkommenen
Eigentumsverhältnisse (z.B. an Minen oder fruchtbarem Farmland)
anzuerkennen.

Wo sie selbst nicht direkten Zugriff auf begehrte Ressourcen hatten,
begannen später die großen westlichen Industriestaaten mit einer sog.
entwicklungsfördernden Regionalpolitik, die man umgangssprachlich
Entwicklungshilfe nennt. Was scheinbar Zugunsten der Länder an
Transferleistungen gezahlt wurde (und wird), hat jedoch die
imperialistische Ideologie nie hinter sich gelassen, denn nach wie vor
(trotz jahrhundertelanger Ausbeutung) ist Afrika der wahrscheinlich
reichste Kontinent der Erde. Deshalb ist Macht über Afrika so wichtig. Und
so sind heutige afrikanische Regierungen noch immer der verlängerte
Arm von alten und neuen Imperialisten – man denke an China oder
Indien.

Gegenwart ohne Zukunft

Die Auswirkungen der kolonialen Ausbeutung, die Mitte des 20.
Jahrhunderts formal durch eine sog. Entlassung in die Unabhängigkeit
beendet wurde, sind immer noch allgegenwärtig: Armut und soziale
Ungleichheit, Korruption und wirtschaftliche Abhängigkeiten vom Norden,
ethnische Konflikte und kulturelle Überlagerungen. Das Gewicht der
afrikanischen Länder in der Weltgemeinschaft war und ist eher gering.
Obendrein war und ist ihre politische Unabhängigkeit immer wieder in
Gefahr oder gar ganz außer Kraft gesetzt… z.B. als Folge der Block-
Auseinandersetzung der USA und der Sowjetunion.

Die Herausforderung, soziale Demokratien (und Volksbildung als deren
Voraussetzung) zu verwirklichen, ist in Afrika so gut wie überall
gescheitert; man hat vielmehr den Eindruck, Afrika versinkt im Chaos
(besonders deutliches Beispiel: Somalia). Wie eh und je, müssen die
Ärmsten der Armen die Rechnung begleichen. Die alten Eliten, die an
allen wichtigen Positionen von Wirtschaft und Verwaltung das Sagen
hatten und haben, wurden nie zur Rechenschaft gezogen; selbst wenn
in einer Revolte oder einem Putsch andere Machthaber an die Spitze der
Staaten gespült wurden, verbündeten sie sich sehr schnell mit der
Oberschicht, diesen Grauen Eminenzen.

Wenn von den Staaten Afrikas gesprochen werden soll, fallen den
meisten Leuten zuerst die Stichworte „Vetternwirtschaft und Korruption“
ein – meist zu recht. Aber nach der Frage: wer ist da korrupt und wer
protegiert die Vettern, muss doch die Frage kommen: wer korrumpiert
den eigentlich und wem dienen die Vettern? Schnell kommen dann die
transnationalen Konzerne und (meist illegale) internationale
Organisationen (z.B. Waffen- oder Drogenhändler, Menschen- oder
Diamantenschmuggler etc.) zum Vorschein. Während der Kontinent
immer tiefer in Elend und Kriminalität versinkt, schwelgt eine äußerst
dünne – und meist in Europa ausgebildete – Oberschicht im Luxus.

Solange diese Situation konserviert oder durch kriegerische
Auseinandersetzungen (z.B. Dafur oder Kongo) noch verschlimmert wird,
wird aus der Gegenwart Afrikas keine afrikanische Zukunft. Gute
Ansätze, wie etwa die im Jahr 1963 gegründete Organisation
Afrikanischer Einheit (OAE), sind letztlich im ominösen Sande verlaufen
und auch deren Nachfolge-Organisation, die Afrikanische Union (AU), in
deren Gründungsakte zwar die richtigen Themen zu finden sind, die aber
in den Jahren ihrer Existenz den Beweis der ernsthaften Umsetzung nicht
erbracht hat, ist eigentlich schon gestorben.*3

Dazu kommt, dass die AU es bisher noch nicht fertig gebracht hat, das
vergleichsweise kümmerliche Budget selbst aufzubringen… sie hängt zu
fast 100% am finanziellen Tropf des Westens und folgt dementsprechend
den Erwartungen der Geberländer (hauptsächlich der G8-Staaten).
Insofern ist das Schmierentheater der AU nur ein billiger Abklatsch des
Originals. Die Vorgängerin, die "Organisation für Afrikanische Einheit"
hieß im Volksmund "Club der Diktatoren". Daran hat sich nichts geändert.
Aber aus Vorgesagtem geht auch hervor, dass sie es nicht besser
konnten, da es ihnen nicht besser vorgemacht worden ist.

Wie hätte z.B. der ehemalige Amerikanische Präsident Bush jun. einen
beliebigen afrikanischen Präsidenten wegen Wahlbetrugs beschimpfen
können? Oder wie können westliche Regierungen, die wegen massivem
Rückgang der Wahlbeteiligung in Legitimationsproblemen stecken, die
Legitimität irgendeiner Wahl anzweifeln? Wie kann die z.B. die EU den
Afrikanern von Demokratisierung reden, wenn sie bei der Installierung
der EU-Verträge ein Beispiel für die Umgehung der Völker praktizierten?
Wie können die wirtschaftsstärksten Länder der Welt den afrikanischen
Staaten nahe legen, dass sie ihren Menschen helfen sollen, wenn sie
selbst diese Menschen mit hoch subventionierten Agrarprodukten in den
Hungertod konkurrieren? Fragen über Fragen.

Wege werden gesucht

Zum Abschluss des Kolloquiums in Berlin zum Jahrestag der "Kongo-
Konferenz" wurden die Diskussionsergebnisse in einer Charta
zusammengefasst und verabschiedet. Darin enthalten sind völlig
unstrittige und eigentlich selbstverständlich anmutende Themen wie z.B.
die Forderung nach Ressourcen für die Erforschung und Dokumentation
der afrikanischen Geschichte, ein weltweites Forum für Menschen
afrikanischer Abstammung oder eine Erklärung, mit welcher der damalige
Kolonial-Gipfel als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ verurteilt wird.

Was damals geschah, ist bis heute nicht wirklich aufgearbeitet worden;
bei kaum einem der ehemaligen Kolonialisten. Keine Deutsche Regierung
hat sich je offiziell für den damaligen Völkermord entschuldigt. Nicht
einmal in Schulbüchern wird die Kolonisation Afrikas thematisiert. Den
Türken allerdings wirft man vor, dass sie den Genozid an den Armeniern
nicht zugeben wollen und versucht sie mittels dieses Faktes von Europa
fernzuhalten. Diese Doppelmoral ist erschütternd.

Aber man kann sich denken, dass die ehemaligen Kolonialmächte
erhebliche Probleme besonders mit dem letztgenannten Punkte haben.
Zwar hat das französische Parlament vor ein paar Jahren feierlich den
transatlantischen Sklavenhandel und die Sklaverei auf den Karibik-Inseln
als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" anerkannt, aber da keine
völkerrechtlich anerkannten Forderungen z.B. nach Wiedergutmachung
vorlagen, war das für die Franzosen billig. Anders wird es nun, wenn die
Konferenz innerhalb der nächsten drei Monate den Vereinten Nationen
ein offizielles Dokument vorlegen wird, in dem auch Reparationen für die
einst vom Kolonialismus heimgesuchten afrikanischen Völker verlangt
werden… und die Vollversammlung einem solchen Ansinnen zustimmt.

Forderungen nach einer Entschädigung für den oben genannten Genozid
an den Hereros gegenüber Deutschland, wie sie nach der Unabhängigkeit
Namibias immer wieder laut wurden, hat bisher keine Bundesregierung
Gehör schenken wollen. 2001 wurde eine Klage auf Reparationen in
Höhe von vier Milliarden Dollar von einem US-Gericht in erster Instanz
abgewiesen. Die Bundesrepublik betrachtet Entwicklungshilfe für Namibia
als ausreichenden Akt der Wiedergutmachung für die Sünden und
Verbrechen der kolonialen Vergangenheit des ehemaligen „Deutsch-
Südwestafrika“. So denken – aus oben erwähnten Gründen – auch die
anderen europäischen Staaten, welche an der Kolonialisierung beteiligt
waren.

Auch wenn ich grundsätzlich damit einverstanden bin, dass ehemalige
Kolonialmächte geraubtes Eigentum zurückgeben und angemessene
Entschädigung zahlen müssten, so habe ich doch größte Bedenken was
die Umsetzung einer solchen Forderung betrifft:

1. sind die Abscheulichkeiten der Kolonialisierung und des Imperialismus
bedauerlicherweise nicht nur auf Afrika zu beschränken; vor allem
Lateinamerika, aber auch Asien, hätten auch Ansprüche anzumelden.

2. Beim Zustand der Afrikanischen Staaten steht nicht zu erwarten, dass
Entschädigungen dort ankämen wohin sie gehören, da eine echte
demokratische Kontrolle der Verteilung nicht gewährleistet ist; die Gelder
verschwänden sicher auf den Nummernkonten der Machthaber z.B. bei
Schweizer Banken.

3. Es ergeben sich zwar hochinteressante aber unlösbare Fragen; z.B.
über den materiellen Gegenwert eines Menschenlebens.

4. Ist es auch eine Frage des möglichen Umfangs, der Größenordnung
solcher Entschädigungen; man kann nicht erwarten, dass die Menschen
Europas sich verarmen sollen.

Um welche Größenordnungen es gehen könnte, zeigt eine Rechnung, die
der ehemalige Präsident der kleinen Karibikinsel Haiti, Aristide, aufstellte:
Er forderte, Frankreich soll die 90 Millionen Goldfranken zurückzahlen, die
es 1825 nach der Vertreibung der französischen Siedler von der Insel für
deren Entschädigung erhalten hatte. Nach heute gültiger Währung sei
das ein Betrag von 21.685.155.571 Dollar und 48 Cent… und dabei geht
es „nur“ um einen Teil einer kleinen Insel.

Zukunft ist immer

Auch wenn ich oben schrieb, dass ich die AU für erledigt halte, will ich
dennoch einmal auf deren Gründungscharta zurückkommen. Wie ich oben
bemerkte, sind in ihr die richtigen Themen benannt, um die es auch hier
gehen sollte/muss. Unter dem Schlagwort „Afrikanische Lösungen für
afrikanische Probleme“, hatte man sich allerlei aufs Panier geschrieben:
Die Förderung der afrikanischen Einheit, die Verwirklichung von
demokratischen Grundsätzen, Lösung durch Einmischung in die
zahlreichen Konflikte des Kontinents und Beendigung des tatenlosen
Zusehens bei Menschenrechtsverletzungen, Kriegen und Völkermord.
Wichtiger im Zusammenhang mit dem Thema dieses Artikels, wichtiger als
die Gründer selbst es wahrscheinlich meinten, sind aber folgende
Ansätze: Good Gouverning (= Korruptionsbekämpfung, Chancengleichheit,
kostenloser Zugang zu Bildung, Gesundheitsvorsorge etc), Aufbau
gemeinsamer Institutionen und eines Afrikanischen Gerichtshofes.

Da Deutschland als Mitglied der G8-Länder eh schon den Unterhalt dieser
Organisation AU mitbezahlt, wäre es – meines Erachtens – ein
praktikabler Weg, einerseits den bereits oben beschriebenen
ideologisch/imperialistischen Hintergrund der sog. Entwicklungshilfe (die
weil sie ist wie sie ist, niemals echte Entwicklung generieren wird, was
bei den Menschen zurecht Zweifel aufkommen läßt) aufzugeben und
andererseits, mittels Entwicklung rechtsstaatlicher Strukturen langfristig
eine Art Wiedergutmachung zu leisten, die den Namen auch wirklich
verdient (unter langfristig verstehe ich, wenn sofort damit begonnen
würde, mindestens drei Generationen), wenn wir diese Zusammenarbeit
massiv ausbauen würden. Diesem Beispiel könnten auch die anderen
ehemaligen Kolonialmächte folgen, was den im letzten Kapitel
angeführten vier Bedenken entgegen kommen würde.

So wäre einerseits eine Politik des berühmt/berüchtigten Schlussstrichs
vermieden, andererseits eine Nachhaltigkeit erzeugbar, die aus den
Fehlern der Vergangenheit gelernt hat und auch den alten und neuen
Imperialisten etwas entgegenzusetzen hat. Die alten (staatlichen)
Imperialisten werden repräsentiert von Organisationen wie den IWF *4,
die neuen Imperialisten sind keine Staaten mehr, sondern es handelt
sich um transnationale Unternehmen wie BASF, Bayer und Siemens (aus
deutscher Sicht *5) oder um Wirtschaftsorganisationen wie die WTO. Am
Ende des Weges, stünde dann die vollständige Rückgabe des
Afrikanischen Eigentums an Bodenschätzen, Farmland und…
die Menschenwürde.

Wilfried John

*1) Über den Begriff „Geschichte der Sieger“, habe ich im Zusammenhang
mit einigen Buchbesprechungen, explizit zu Titeln von Eduardo Galeano,
ausführlich geschrieben; nachzulesen unter
http://www.wolfskreis-lyrics.de

*2) Informationen zur Rechtsnachfolge der BRD – vom Wilhelminischen
Kaiserreich, über die Weimarer Republik, das Dritte Reich und die DDR,
kann man in meinem Artikel „Ende des 1. und 2. Weltkrieges – Für
Deutschland erst im Jahre 2010“ nachlesen.
http://www.bannjongg.com/cgi-bin/sbb/sbb.cgi?&a=show&forum=80&show=2&start=0#1

*3) Eine ausführliche Zustandsbeschreibung der politischen Organisation
Afrikas – von der Organisation Afrikanischer Einheit (OAE) zur
Afrikanischen Union (AU) – findet man in meinem Artikel „Ignoranten und
Lügner, Diktatoren und Ganoven“.
http://www.bannjongg.com/cgi-bin/sbb/sbb.cgi?&a=show&forum=55&show=2&start=0#1

*4) Ein uns gute bekannter Mann war viele Jahre Direktor des IWF:
Bundespräsident der BRD, Horst Köhler – ja, genau der Köhler, der heute
so gern nach Afrika reist und den armen Menschen helfen möchte, die er
in seiner Eigenschaft als IWF-Chef noch ärmer gemacht hat als sie
ohnehin schon waren. Über die Rolle des IWF schrieb ich in meinem
Artikel „Spesenritter und Halunken – Zum Weltfinanzgipfel 2009 in London“
http://www.bannjongg.com/cgi-bin/sbb/sbb.cgi?&a=show&forum=65&show=21&start=0#1

*5) Über die unrühmliche Rolle transnationaler Konzerne – am Beispiel
des Waffenhandels mit Kriegsregionen – schrieb ich in meinem Artikel
„Zwei Kugeln in jeden Kopf – Über das internationale Waffengeschäft“
http://www.bannjongg.com/cgi-bin/sbb/sbb.cgi?&a=show&forum=51&show=34&start=0#1

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