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Thema: Wer hat Angst vor dem Schwarzen Mann…? Obama, und der Amtsantritt

icon1 Wer hat Angst vor dem Schwarzen Mann…? Obama, und der Amtsantritt Datum: 19.01.2009, 14:23
Wilfried John (Silber Super-Member)
Es gibt Gedanken, von denen wünscht man sich,
dass sie nie Wirklichkeit werden mögen

Wilfried John

Anlässlich des auf dieser Plattform erschienen Artikels „George W. Bush –
Resultat: Verlorene Jahre“, den ich mit Interesse gelesen und
kommentiert habe, kam ich auf den Gedanken, in einem kurzen Artikel
den Versuch einer Vorschau zu machen; Rückblicke mögen zwar hin und
wieder hilfreich sein, aber was zählt sind die Zukunftsperspektiven.


Nun, morgen sind die "verlorenen Jahre", wie die Jahre der Bush-
Präsidentschaft im angesprochenen Artikel genannt wurden, vorbei.
Im Prinzip stimme ich natürlich sowohl dieser Formulierung als auch dem
Kommentar von Hubert Wenzl zu, der meinte: „Ja, intelligent war die
Politik des George Bush wirklich nicht.

Sie war aber im höchsten Maße gefährlich. Religiöser Fanatismus wie ihn
dieser Präsident lebte, ist immer nahe am Wahnsinn“.

Aber ich bin nicht seiner Meinung – und ich weiß, dass seine Meinung für
die Meinung vieler Menschen steht – wenn er sagt, dass die Welt mit der
Amteinführung von Obama sicherer wird...

Ich möchte ein paar Kern-Themen einer möglichen Obama-Politik
betrachten – und beschränke mich nur auf die Politikfelder, die mich am
meisten interessieren; es gäbe natürlich erheblich viel mehr zu sagen:

Sicher, er hat zugesagt Guantanamo zu schließen, die Foltermethoden
abzuschaffen und den Gefangenen eine Wiedergutmachung zukommen
zu lassen... das hat ihm viele Stimmen gebracht. Nun hat er die
Wählerinnen und Wähler leider doch etwas enttäuschen müssen.

Obama erklärte nun, dass das alles doch etwas schwieriger sei und wohl
nicht so schnell gehen werde; mit solchen Worten werden in der Politik
regelmäßig politische Kehrtwende-Manöver eingeleitet. Wir wissen nicht,
was wir davon halten können…

Was wir allerdings schon wissen ist, dass Obama mehr Soldaten nach
Afghanistan schicken will. Er wird also außenpolitisch nicht gänzlich mit
der Linie der Bush-Administration brechen.

Vermehrter Einsatz seitens der USA in Afghanistan (dazu siehe auch im
Artikel „Die Ökonomie des Krieges – Oder warum Kriege nicht enden…Teil
2 – Der dritte Weltkrieg…) ist mit dem Interesse an den dortigen
Ressourcen begründet; gleichgültig wer in den USA Präsident ist.

Nicht gleichgültig ist das allerdings für die Verbündeten… man wird von
uns verlangen, dass wir unseren Einsatz auch erhöhen. Wer schon
einmal in der Spielbank war, kann sich vorstellen, dass mit der Erhöhung
des Einsatzes, das Risiko eines existenzbedrohenden Verlustes
expotentiell steigt.

Sicher, er hat versprochen endlich eine us-amerikanische Klima-Politik
machen, die diesen Namen auch verdient… auch das hat ihm viele
Stimmen gebracht; und sogar nüchterne (?), aufgeklärte (?) Europäer
haben ihm dafür Beifall gespendet.

Aber was ist davon zu halten, wenn er sein Kabinett zu einem "Team of
Rivals" macht (frei übersetzt – eine Mannschaft aus Gegnern)? Könnte es
sein, dass er das alles nicht gar zu ernst gemeint hat? Zwar hat er den
sehr renommierten Forscher Steven Chu (ein Klimaexperte und
Fachmann für erneuerbare Energien) zum Energieminister gemacht, aber
warum hat Obama Tom Vilsack (dem Mann aus dem Agrarstaat Iowa, der
auf die Milliardensubventionen für Ethanol nicht verzichten will) zum
Agrarminister gemacht?

Treibstoff aus der Biospritproduktion hat mit Umwelt- und Klimaschutz
nichts zu tun und treibt zusätzlich – auch für die Armen in den USA – die
Preise für Lebensmittel in die Höhe. Auch Transport- und Verkehrsminister
Ray LaHood – ein Republikaner – ist so ein Beispiel.

Er ist bekannt als Vertreter der Interessen der Fluglinien, Verkehrsbetriebe
und Straßenbaukonzerne. Ähnliche Konflikte drohen in der Arbeitsmarktpolitik.

Arbeitsministerin wird die "linke" Gewerkschaftsfrau Hilda Solis.
Sie muss mit Handelsminister Bill Richardson und Innenminister
Ken Lazar
auskommen, beides Vertreter der rechten Mitte, die
keinesfalls mehr Rechte für die Arbeitnehmerschaft wollen.
Was soll das… wir wissen es nicht.

Was wir aber schon wissen ist, dass das Kabinett des designierten US-
Präsidenten Barack Obama sogar seine eigenen Anhänger verstört. Viele
Demokraten wünschen sich einen Linksruck in Amerika und sehen in den
Clinton-Vasallen in Obamas Schattenkabinett eine Horde von Wölfen im
Schafspelz.

So hat er z.B. den vielleicht mächtigsten Mann in den USA, den
Verteidigungsminister (eigentlich Kriegsminister) und Chef des Pentagon,
Robert Gates, aus dem Kabinett Bush übernommen.

Wer da noch an eine – wie Hillary Clinton sagte – Entmilitarisierung der
us-amerikanischen Außenpolitik glaubt, ist doch naiv. Es wird vielleicht so
kommen, dass die USA ihre Verbündeten zwingen "Aufgaben" (und
Kosten dafür) zu übernehmen. So sind sie raus und die Europäer drin;
aber mehr auch nicht.

Sicher, er hat versprochen die us-amerikanische Wirtschaft zu sanieren...
aber er wird das System der us-amerikanischen weltweiten Wirtschafts-
Hegemonie zu erhalten suchen. Ich kriege Bauchweh, wenn ich dran
denke, welche ein gigantischer Raubzug gegen die Völker da schon
wieder vorbereitet, bzw. begangen wird.

Robert Kuttner, Ko-Chefredakteur des linksliberalen "American
Prospect", bekommt ebenfalls Bauchschmerzen. Es wäre, sagte er, sehr
viel besser gewesen, wenn in Obamas Wirtschaftsteam "auch jemand
säße, der zutiefst davon überzeugt ist, dass der globale Kasino-
Kapitalismus eine Bedrohung darstellt".

In einem Kommentar zum eingangs erwähnten Artikel las ich, dass die
zukünftige Außenministerin der USA, Hillary Clinton, ihrer künftige Politik
mit dem Satz umschrieb: "Wir müssen das einsetzen, was wir intelligente
Macht nennen."

Der Kommentator findet ihn gut und freut sich, dass es dieser "außerordentlich
unspektakuläre Satz in die Nachrichtenagenturen" schaffte. Aber
Vorsicht, dass es dieser Satz in die Nachrichten schaffte, ist noch lange
kein Beweis für eine völlige Kehrtwende in der amerikanischen
Außenpolitik; wie sie in den Medien gerne hingestellt wird.

Dabei verkennt man, dass die Medien nicht nur einfach Weitergeber von
Nachrichten sind, sie vertreten damit nur ihre eigenen Interessen.

Unter dem Gesichtspunkt ihrer übrigen Äußerungen, bekommt der Satz,
den der Kommentator Rouven Schellenberger so gut findet, eine gänzlich
andere Bedeutung. Hillary Clinton hat ihre eigentliche Meinung noch vor
ihrem Amtsantritt schon durchblicken lassen.

Sie spricht z.B. im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg vom "Recht Israels
auf Selbstverteidigung" und davon, dass die USA keinen besseren
Verbündeten in der Region hätte als Israel (um andere hat man sich nie
bemüht und anderweitige Bemühungen scheint nach diesen Worten auch
weiterhin nicht beabsichtigt sein).

In ihrer Senats-Anhörung sagte sie außerdem etwas, das geeignet ist,
mir in stillen Nächten den Angstschweiß auf die Stirn zu treiben.
Auf
die Frage eines republikanischen Abgeordneten, ob sie der Meinung sei,
dass "die Europäer eigentlich Russlands Gaspolitik ernst genug nähmen",
sagte Clinton, dass Russlands Gaspolitik ein "signifikantes
Sicherheitsproblem“ sei und man angesichts des „erhöhten Ernstes der
Lage“ einen „neuen Rahmen, in dem wir mit den Europäern über
Energiesicherheit reden können“.

Sie fügte hinzu, dass damit der Artikel 5 des Nato-Vertrages gemeint sein
könnte. Das kann keine zufällige Formulierung gewesen sein... weil
dieser Artikel von solch unglaublicher Tragweite ist, muss sie vorher mit
Obama darüber geredet haben.

Artikel 5 des Nato-Vertrags regelt den sog. "Bündnisfall"! Artikel 5 des
Washingtoner Vertrages verlangt, dass im Fall von Angriffen, die in
seinen Rahmen fallen, jeder Bündnisstaat dem angegriffenen Land mit
den Mitteln hilft, die er für notwendig hält.

Dass im ursprünglichen Sinne von militärischen Angriffen ausgegangen
wurde, ist spätestens seit 2001 marginal... damals hat die USA die
Anschläge von New York einfach zum Bündnisfall erklärt... und (fast) alle
Nato-Mitglieder hielten still; manche griffen in der "Koalition der Willigen"
sogar zu den Waffen.

Jetzt Moskau, unter Hinweis auf Artikel 5, zu warnen ist gewalttätig -
wenn das unter "Smart Power" (intelligente Machtausübung) zu
verstehen ist, dann hätte ich gerne Bush zurück; der mochte den
anderen Kriegsherrn, Folterer und Völkermörder Putin zu sehr, als dass
er ihn hätte angreifen mögen.

Robert Dreyfuss ist ein engagierter linksliberaler "Investigativjournalist"
aus Alexandria, einer linksliberalen Enklave des sonst eher konservativen
Bundesstaates Virginia.

Im Magazin "The Nation" schrieb er über Obamas außenpolitisches
Team: "Sind wir überrascht, dass die Ansichten der konservativen und
zur Mitte tendierenden Berater Obamas in Wahrheit den Auffassungen
Obamas selbst entsprechen?

Und sind wir überrascht, dass seine Kandidaten für außen- und
sicherheitspolitische Ämter ausschließlich aus konservativen, moderaten,
pro-militärischen Zirkeln stammen, ohne einen – keinen einzigen! –
Kandidaten, der den Antikriegsflügel der Demokratischen Partei
repräsentierte? Nein, wir sind nicht überrascht."

Dreyfuss zählt eine Reihe solcher Antikriegs-Vertreter auf: "Was ist mit
Russ Feingold, Barbara Boxer, Chris Dodd, Sherrod Brown und Jim Webb?
Wo bleibt John Kerry? Wo sind Gary Hart und Al Gore?" Und Hillary
Clinton, liebe Güte, die "wird wohl eine Truppe Hardliner um sich scharen,
Leute wie Richard Holbrooke, Dennis Ross, Leslie Gelb, alles Berater der
Ultra-Falken-Gruppierung 'Vereint gegen den Iran'."

Besonders irritiert ist er über die Ernennung General James Jones‘ zum
Nationalen Sicherheitsberater. "Wo sind die Generäle, die sich im
Gegensatz zu General James E. Jones gegen den Krieg ausgesprochen
haben?" Das konservative Magazin "National Review" habe festgestellt,
dass ein Sicherheitsberater Jones "ein ziemlich gutes Signal an die
Falken wäre, und ein schlechtes Zeichen für Tauben".

Dreyfuss: "Das sagt so ziemlich alles.

Barack Obama ist ein Verräter an einer linksliberalen Wende im Leben
Amerikas – es macht sich in den USA schon stille Unruhe im linken Flügel
der Demokraten breit. Damit dreht er auch all jenen eine Nase, die ihm
damals in Berlin so frenetisch gefeiert haben.

Ich dachte: Um Himmelswillen - vielleicht ist er ja doch ein schwarzer
Kennedy... und dachte an Kuba und Vietnam. Ich bin immer der
Überzeugung gewesen, dass Obama im Wahlkampf linke Parolen
deswegen geäußert hat, um den linken Flügel seiner Partei bei der
Stange zu halten.

Nun kann man zumindest in den USA erkennen, dass man seine Stimme
für eine Politik gegeben hat, die sich bei einigen Herzensthemen der
Linken fast als Fortsetzung von Bush-Cheney herausstellt.

Ich las neulich, dass es in Obamas engerem Umfeld früherer
Weggefährten etliche gibt die meinen, dass eine solche Wende- und
Wandlungsfähigkeit Obamas bereits vor Jahren eingetreten sei; sie
hätten im Wahlkampf hin und wieder darüber gesprochen, aber nur
selten Gehör gefunden.

Noch ist das alles nur Verdacht, Gefühl, Ahnung; vielleicht – für Leute,
die sich an Fakten halten – auch schon etwas mehr. Mögen sich manche
Linksliberale in den USA damit trösten, dass Obama ja vielleicht nur
besonders geschickt darin ist, eine neue dauerhafte Mehrheit für die
Demokraten zu zimmern.

Aber ich empfinde die Undurchschaubarkeit Obamas als mögliche
Bedrohung. Ich bitte die Überschrift, die ich diesem Artikel gab,
keinesfalls in den rassistischen Kontext der Entstehung dieses „Kinderspiels“
zu stellen… aber ich wiederhole die Frage noch einmal. Also: Wer hat
Angst vor dem Schwarzen Mann…?

Und nun am Ende dieses Artikels gebe ich eine erste Antwort auf diese
Frage: Ich!

In diesem Sinne

Wilfried John


icon1 Re: Wer hat Angst vor dem Schwarzen Mann…? Obama, und der Amtsantritt Datum: 20.01.2009, 10:34
s.macher (SuperModerator)
Lieber Wilfried John

Etwas verblüfft und irgendwie vollkommen überrascht, habe
ich Ihren Kommentar "wer hat Angst vo dem schwarzen Mann"
gelesen.

Ich bin keineswegs sehr an Politik interessiert. Verfolge aber
immer die anstehenden Probleme und versuche, mich damit
auseinander zu setzen.

Nach den Jahren der Präsidentschaft von Georg W. Bush kann
ich eigentlich nur dem Zitat "Intelligent war die Politik Bush's
nicht" zustimmen. Eines ist und wird sicher immer in den Köpfen
des Amerikaners und auch der übrigen Menschen haften bleiben -
und das war der Irakkrieg, den er angezettelt hat.

Nun aber kommt die Amtseinsetzung eines neuen Mannes - Obama!
Ich finde, man sollte jetzt nicht schon im Vorfeld "schwarzmalen".
Lassen wir den Mann doch mal erst sein Amt ausüben. Sich nicht
schon Gedanken darüber machen, was sein könnte und eventuell
sein werde. Ich finde - Obama hat es verdient, dass wir ihm unser
Vertrauen schenken die Visionen seiner Politik zu verwirklichen.

Ihre Frage "Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann" kann und
möchte ich mit NEIN beantworten.

Sonja
Supermoderatorin




icon1 Re: Wer hat Angst vor dem Schwarzen Mann…? Obama, und der Amtsantritt Datum: 20.01.2009, 11:39
Wilfried John (Silber Super-Member)
Hallo, liebe Sonja.

Schwarzmalerei ist keinesweg meine Absicht - ich eigne mich zu dieser
Art des Ausblicks an sich, schon von meiner positiven Einstellung dem
Leben gegenüber her gesehen, überhaupt nicht. Aber ich bin auch nicht
das was man gemeinhin einen Optimisten nennt - eher bin ich ein
Skeptiker. Als Bezeichnung stehen zur Wahl "optimistischer
Skeptizismus" oder "skeptischer Optimismus" - und wenn ich mir´s recht
überlege, dann nehme ich erstere Bezeichnung.

Natürlich, und da gebe ich Ihnen Recht, hat Obama seine Chance zu
bekommen, es besser zu machen als sein Vorgänger; viel gehört nicht
dazu das auch zu schaffen. Allerdings habe ich in der langen Zeit der
Auseinandersetzung mit Politik und mit POLITIKERN lernen können, dass
da Vertrauen nicht hingehört. Vertrauen muss ich meiner Frau, meinen
Kindern und Freunden... Politiker muss man kontrollieren und auffordern,
im Sinne derjenigen zu handeln, die sie ins Amt geschickt haben; es ist
nicht ihr Amt, es ist unser Amt, das wir ihnen - auf Zeit - übertragen
haben.

Meine Absicht also war es, dass man nicht einfach mal zusieht was der
Obama alles zustande bringt oder auch nicht, sondern dass wir ihm hohe
Aufmerksamkeit schenken, damit er nicht einfach machen kann was ihm
beliebt; zumal es immer auch Auswirkungen auf uns persönlich haben
wird, was auch immer er tut. Folglich haben wir ein Recht ihn zu fordern,
dass er seine Versprechen erfüllt und auf jene Politik verzichtet, die
geeignet ist, die Welt in weitere (womöglich schlimmere) Kriege zu
verwickeln. Er soll wissen, dass er nicht damit rechnen kann, dass wir
unsere Interessen, zugunsten der Interessen der USA, hintan stellen.
Punkt!

Allerdings befürchte ich, dass da schon viele Weichen gestellt sind - und
die komplizierteste ist, Russland mit dem "Bündnisfall" zu drohen. Das
macht mir wirklich Angst. Danke für Ihren offenen Kommentar.

Wilfried John

icon1 Re: Wer hat Angst vor dem Schwarzen Mann…? Obama, und der Amtsantritt Datum: 20.01.2009, 23:56
(Silber Super-Member)
Warum sollte sich Obama bei seiner Amtseintrittsrede auch selbst
übertreffen müssen ?

Wer war es, der so etwas erwartet, oder gar verlangt? Und wozu?

Obama wird erst durch seine Gefolgschaft zur Leitfigur. Als einzelne
Person hat er tatsächlich allein seine Rhetorik, um sich seiner
Gefolgschaft wirksam zu zeigen - oder soll er sich in Millionen Menschen
verwandeln und sich selbst verkörpern?

Ja, leider lassen ihn die Erwartungen im Glanz der Augen seiner
Anhänger wie ein neuer Messias erscheinen. Aber das ist er nicht.
Er ist einfach nur ein besonderer Mensch mit Charisma, also einer "von
(einem) Gott gewährten Gnade", den Menschen ein Vorbild zu sein, sie
anzuspornen und zu ermutigen.

Das braucht nicht nur Amerika, sondern die ganze Welt. Möge Obama
dieser Anforderung so gerecht werden, wie es die Menschheit verdient.

Uwe Bergener

icon1 Re: Wer hat Angst vor dem Schwarzen Mann…? Obama, und der Amtsantritt Datum: 21.01.2009, 10:39
Wilfried John (Silber Super-Member)
Natürlich habe ich mir die Übertragung der Amtseinführung Obamas live
im Fernsehen angesehen... es war schließlich - auch wenn ich diesen
Superlativ nicht sonderlich mag - ein historischer Moment.

Ich habe von der Amtseintrittsrede genau das erwartet, was sie auch
geboten hat: eine Ansammlung von überwiegend wert-konservativen
Phrasen. Erfreulich immerhin, dass darin auch deutliche Kritik an seinem
Vorgänger enthalten war (z.B. Menschenrechte, Deregulierung der
Märkte, Vernachlässigung der US-Infrastruktur).

Von Beginn seiner Kampagne an, habe ich nicht mehr von ihm erwartet
als von jedem der bisherigen Präsidentschafts-Anwärter auch, dessen
Wahlkampf ich während meiner Lebenszeit bewußt verfolgte (Obama ist
in dieser Reihe der neunte).

Diejenigen die in diesem unsäglichen Begeisterungs-Rummel noch
einigermassen ihren Verstand zusammen hielten, konnten hinter dem
Charisma (das Obama ohne Zweifel besitzt) die Interessen sehen, die er
als Präsident der USA zu vertreten hat; und das sind nicht unsere.

Wenn ich lese, dass 80% der Europäer - wären sie wahlberechtigt -
Obama als US-Präsident wählen würden, frage ich mich, wo sie ihren
Verstand abgegeben haben... hoffentlich vergessen sie nicht, ihn wieder
abzuholen.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Obama allein nicht in der Lage
gewesen ist, diese Erwartungshaltung ihm selbst gegenüber zu
erzeugen; da haben die Medien(-unternehmen) einen beträchtlichen Teil
beigesteuert; über ihre Motive darf spekuliert werden.

Hier ein Versuch: Ein Politikwissenschaftler sagte gestern, dass es in
den USA faktisch so sei, dass mit der Amtseinführung quasi die nächste
Wahlkampagne eingeleitet würde... ergo ein Medienmotiv: ein so
hochgejubelter Mann kann einfach nur enttäuschen und wird nicht
wieder gewählt?

Wäre Al Gore vor acht Jahren - dem Wahlergebnis entsprechend -
Präsident geworden, würde es keinen Präsident Obama geben; nicht
mal einen Präsidentschaftskandidaten Obama hätte es gegeben.

Freilich hätte es auch keinen Nobelpreisträger Al Gore gegeben... so ist
das nun mal. Die Menschen "rennen" da einem hinterher, der eigentlich
nicht existiert (er ist nichts weiter als eine Figur der US-Interessen, die
am Interesse der einfachen Menschen in den USA selbst, und der
einfachen Menschen in der Welt, eher beiläufig interessiert sind).

Gefolgschaft also ist nicht das auf was es ankommt... er muss Diener des
Amtes sein, das ein Amt ist, das die Menschen ihm auf Zeit überlassen
haben.

Ich hoffe, dass er "die Geister, die er rief", nicht mehr los wird! Seine
Internet-Kampagne hat Millionen junger Menschen politisiert und
mobilisiert... sie müssen ihn weiter vor sich hertreiben und so etwas wie
eine außerparlamentarische Opposition werden.

Mit ihrer "Hilfe" kann er ein Erneuerer werden. Anderenfalls wird er
höchstens einer werden, der ebenso funktioniert, wie seine Vorgänger;
davor habe ich Angst.

Wilfried John

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