Stefanos Bulletin Board
URL: http://www.bannjongg.com/cgi-bin/sbb/sbb.cgi?&a=show&forum=69&show=16
Thema: Das Trojanische Pferd wiehert – Über die ungebremste Ausbeutung von Bodenschätzen in der Tiefsee

icon1 Das Trojanische Pferd wiehert – Über die ungebremste Ausbeutung von Bodenschätzen in der Tiefsee Datum: 15.05.2009, 15:07
Wilfried John (Silber Super-Member)
Der Gedanke, dass Wachstum an sich gut ist, ist ein
Trojanisches Pferd, jedoch mit den Vorrechten einer heiligen Kuh.
P. Cloud


Es ist zwar längst bekannt, dass in der Tiefsee wertvolle
Bodenschätze lagern, aber erst der technische Fortschritt und die hohen
Rohstoffpreise bieten die Möglichkeiten und wecken Begehrlichkeiten sie
auszubeuten. Aktuell hat in der Tiefsee aller Ozeane eine Art Goldrausch
hat begonnen. Ob unter dem Eis der Arktis oder in den tropischen
Gewässer des Pazifiks, ob an der afrikanischen Küste des Südatlantiks
oder in der Antarktischen See – die ungebremste Ausbeutung von
Bodenschätzen mit schwerem Gerät in den Tiefen der Ozeane hat (oft
unbemerkt von der Öffentlichkeit) begonnen. Großkonzerne und mit
ihnen kooperierende Regierungen schaffen, angesichts – wie es heißt –
immer knapper werdender Rohstoffvorkommen an Land, weit vor den
Küsten der Kontinente, Fakten, deren Folgen für Menschen und Umwelt
noch nicht abzusehen sind.


Vom Meeresbergbau ist schon seit Jahrzehnten die Rede… für diejenigen
unter uns, die sich etwas dafür interessieren, sind die Stichworte
Manganknollen, Kobaltkrusten, Erzschlämme, Phosphorite und
Schwerminerale am Ozeangrund längst keine Fremdworte mehr. In den
1970er Jahren hat sich in Deutschland die Bundesanstalt für
Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover mit dem Abbau
insbesondere von Manganknollen befasst. Und aus dieser Zeit stammen
größtenteils auch die Informationen, die in der Öffentlichkeit bekannt sind
(so als ob die Forschung der letzten 30 Jahre nicht stattgefunden hätte).
Auf der Webseite der BGR steht aktuell lediglich
nachzulesen: „Manganknollen bilden sich auf dem Grund des Ozeans. Sie
enthalten durchschnittlich einen Anteil von rund 25 Prozent Mangan,
beigemengt sind aber auch rund 3 Prozent Kupfer, Nickel oder Kobalt.
Diese Wertmetalle bilden eine bedeutende Rohstoffquelle für die
Zukunft.“

Ab 1975 untersuchten amerikanische und deutsche Wissenschaftler, wie
sich bergbauliche Eingriffe auf die Unterwasserwelt der Ozeane
auswirken. Zu diesem Zweck richteten sie östlich von Hawaii zwei
Testgebiete ein. Wie nicht anders zu erwarten war, verursachte der dort
betriebene Bergbau gravierende ökologische Schäden. Der Meeresboden
und die dort siedelnden Organismen wurden durch Bergbaumaschinen
und -fahrzeuge „zerwühlt, zerquetscht und umgelagert“, wie es in einer
Begleitstudie heißt. Die Spuren blieben zudem lange Jahre nach der
Gewinnung sichtbar; keine Bemerkung davon auf der Website des BGR.
Bevor es zu einem Abbau der Vorkommen kommen konnte, sanken in
den 1980er Jahren die Weltmarktpreise. Die Vorkommen an Land waren
und sind zurzeit noch mit weniger technischem und finanziellem Aufwand
abzubauen.

Nun rücken die Vorkommen der Tiefsee wieder in den Mittelpunkt des
Interesses von Politikern und Konzernen – die einen interessiert die
geostrategische Komponente der Rohstoffe, die anderen der Profit (oder
umgekehrt?). Nun, wie dem auch sei, Regierungen und Konzerne
arbeiten gedeihlich zusammen… Einerseits predigt uns die derzeitige
Regierung, dass sich die Politik aus der Wirtschaft heraushalten soll,
andererseits kauft die Regierung den Konzernen ein Geschäft. Im Jahr
2005 hat auch die BGR eine Lizenz zum Abbau von Manganknollen
beantragt. Das Claim umfasst 75.000 Quadratkilometer (1,743mal
so groß wie die Schweiz) und die Lizenz gilt für 15 Jahre. Die
Internationale Meeresbodenbehörde mit Sitz auf Jamaika, welche die
Bodenschätze der Tiefsee im Auftrag der Vereinten Nationen verwaltet,
hat diese Lizenz im Juli 2006, für nur 250.000 Dollar Gebühr, erteilt.

Für fünf weitere Gebiete haben China, Japan, Frankreich, Korea und
Russland, sowie ein internationales Konsortium Lizenzen erworben. Alle
Claims liegen im so genannten Manganknollen-Gürtel der sich im Pazifik
nördlich des Äquators von Mexiko bis jenseits von Hawaii erstreckt.
Bisher findet allerdings kein Abbau statt. Die BGR wird in den kommenden
Jahren das Lizenzgebiet erkunden, um zu einer fundierten Einschätzung
seiner Lagerstättenqualitäten zu gelangen. "Die erneute Aufnahme der
Untersuchungen durch die BGR ist eine Maßnahme der strategischen
Zukunftsvorsorge", sagt Prof. Dr. Bernhard Stribrny, Präsident der
BGR. "Durch die rechtzeitige Erkundung neuer, bislang nicht genutzter
Rohstoffquellen wollen wir einen wichtigen Beitrag zur zukünftigen
Rohstoffsicherung unseres Landes leisten." Wieder kein Wort darüber,
was das alles noch bedeutet.

Die Schätze der Tiefsee

Aber längst geht es schon nicht mehr nur um die legendären
Manganknollen. In der Tiefsee wurden viele andere Schätze entdeckt…
oder sie werden dort vermutet. International hat eine Konkurrenz
eingesetzt die geeignet erscheint, zukünftig nicht nur für den Segen von
Rohstoffen im Überfluss zu sorgen, sondern die auch zu
zwischenstaatlichen Auseinandersetzungen (vielleicht sogar mit
militärischen Mitteln) führen kann. Beredtes Beispiel dafür ist die
Tauchfahrt des russischen Tiefsee-U-Boot "Mir 1" unter die Eiskappe des
Nordpols auf den Grund des Arktischen Meeres auf 4261 Meter Tiefe im
August 2008, anlässlich der die Crew auf dem Meeresboden
medienwirksam die russische Flagge aus Titan hisste.

Die Expedition sollte nachweisen, dass der Lomonossow-Rücken (ein
unterseeisches Gebirge) eine Verlängerung der russischen
Kontinentalplatte ist – um so Russlands Anspruch auf den Grund des
Arktischen Meeres geltend zu machen. Dort werden nämlich reiche Öl-
und Gasvorkommen vermutet. Obwohl – oder gerade weil – der
endgültige Beweis für die russische Meinung bislang nicht erbracht ist,
erheben auch die anderen Polar-Anrainerstaaten wie USA, Kanada,
Dänemark und Norwegen auf teilweise identische Gebiete Anspruch.
Besonders die Verlautbarung der us-amerikanischen Außenministerin
Clinton in der Senats-Anhörung vor ihrem Amtsantritt kommt mir wieder
in den Sinn: Sie hatte Russland mit dem Artikel 5 des Nato-Vertrages
gedroht (siehe auch meinen Artikel „Wer hat Angst vor dem Schwarzen
Mann…? Obama, und der Amtsantritt“).

Öl und Gas… na gut, das ist jetzt nix Sensationelles. Aber es gibt auch
noch das Methanhydrat (gefrorenes Wasser, in welches das brennbare
Gas Methan eingelagert ist, der Hauptbestandteil von Erdgas und
Biogas). An das Methanhydrat der Tiefsee wollen Ölmultis und
Stromerzeuger ran. Schon wird untersucht, ob sich der Stoff mit
ähnlichen technischen Mitteln abbauen lässt, wie sie bei der
unterseeischen Ölförderung angewandt werden. Denn in den
Vorkommen von Methanhydrat soll doppelt so viel Energie gebunden sein
wie in allen Kohle-, Öl- und Gasvorkommen der Erde zusammen. Sofort
treten sog. Wissenschaftler auf den Plan, die allen Ernstes behaupten,
man könne das Zeug ohne Umweltschäden zu riskieren abbauen. *1

Ob Platin, Gold, Silber, Kupfer oder Tellur für die Solarzellen der Hightech-
Industrie – die Tiefsee der Ozeane bietet die ganze Palette der
wertvollen Metalle und Mineralien, die bei steigendem Bedarf der
Nachfrager auf dem Weltmarkt, obendrein immer wertvoller werdenden.
Geschätzte 100 Millionen Tonnen Erze gibt es allein in 2000 Meter Tiefe
im Roten Meer. Allein auf dem von Deutschland erworbenen Claim (und
das ist beileibe nicht der größte derzeit vergebene Claim), lagern laut
Schätzungen bis zu 24 Millionen Tonnen Buntmetalle.

Die Zukunft hat schon begonnen

Nach anfänglich bescheidnen Versuchen an der südafrikanischen Küste
unterseeisch Diamanten abzubauen, hat sich die Methode auch vor
Namibia und schließlich vor Angola bewährt. Zudem wurden hier vom
französischen Erdöl-Konzern Total gewaltige Ölvorkommen entdeckt. Die
Investitionen für die Tiefsee-Bohrungen waren überaus teuer… aber
auch ebenso erfolgreich und von schwimmenden Fabriken aus, wird
heute das Öl aus 1.400 Metern Tiefe direkt in Tankschiffe gepumpt. Die
Reichtümer der Tiefsee machen aus dem westafrikanischen Staat ein
neues Eldorado und sorgen dafür, dass sich die militärische Präsenz der
USA immer weiter verstärkt…

Wie ich oben schon erwähnte, war der Tiefsee-Bergbau in den 1980er
Jahren uninteressant geworden: Extrem teuer, technisch schwierig und
bei sinkenden Rohstoffpreisen wenig Profit versprechend. Doch das Blatt
wendet sich. Vor der Küste Papua-Neuguineas etwa, liegt eine
besonders viel versprechende Lagerstätte von Metall-
Schwefelverbindungen. Bereits Ende 2009 wird in einer Wassertiefe von
rund 1700 Metern mit dem Abbau begonnen werden. Ursprung der
Vorkommen sind die sog. Schwarzen Raucher, heiße Quellen am
Meeresboden. Sie gelten als die Erzfabriken der Tiefsee. In den
Schlotwänden lagern sich, in Schwefelverbindungen (Sulfiden)
eingepackt, die ausgewaschenen Buntmetalle des Erdinneren
schichtweise ab. Mehr als 300 solcher Hydrothermalvorkommen sind
mittlerweile bekannt, knapp 100 davon mit Massivsulfiden. Im Jahr 1989
fand eine Expedition des deutschen Forschungsschiffs „Sonne“ vor Tonga
im Westpazifik, Schlote mit Goldgehalten von außerordentlichen 30
Gramm pro Tonne Ablagerung.

Das Edelmetall im Meeresgrund lockt seither die großen
Minengesellschaften an. Zwei Tiefseeprojekte stehen nun kurz vor der
Umsetzung: das Projekt „Solwara 1“ unter Führung der kanadischen
Firma Nautilus Minerals in der Bismarcksee nördlich von Papua-Neuguinea
und das Projekt „Kermadec“ der britischen Firma Neptune Minerals in den
Gewässern nördlich Neuseelands. Die Investoren – allesamt globale
Bergbaufirmen wie Epion Holdings, Anglo American, Teck Cominco und
Barrick Gold – machen ernst. Neptune Minerals hat mittlerweile
insgesamt mehrere Zehntausend Quadratkilometer Meeresboden bei
Neuseeland und vor Papua-Neuguinea zur Lizenz angemeldet. Eine
beinhaltet den Conical Seamount an den submarinen Flanken der Lihir-
Insel, auf der sich eine der größten Goldlagerstätten der Welt befindet.
In der zentralen Bismarcksee liegen auch die umfangreichen
Lizenzgebiete des kanadischen Unternehmens Nautilus Minerals.

Einmal mehr geht es um das ganz Große Geschäft. Seit 2000 stieg laut
einer Studie der Internationalen Meeresbodenbehörde (IMB) allein der
Preis (Stand 2008) für Kupfer um 408 Prozent, und nach oben gingen
auch die Preise für Gold (268 Prozent), Kobalt (233 Prozent), Nickel (578
Prozent), Zink (316 Prozent) und Blei (209 Prozent). Für 2009 werden
zumindest für die Edelmetalle weitere Steigerungen erwartet. Bei
solchen Zuwachsraten kann sich die aufwendige Technik in der Tiefsee
lohnen – auch wenn manche Geologen die Ergiebigkeit der Lagerstätten
bezweifeln.

Streit steht ins Haus

Mit einem Blick auf das Internationale Seerecht wird schnell klar, warum
sich der Streit zwischen Russland, Kanada, Norwegen, die USA und
Dänemark um die Ausbeutungsrechte der vermuteten Bodenschätze in
der Arktis entfachte: Auf dem Festlandsockelbezirk greifen die
Verordnungen der Meeresbodenbehörde letztendlich nicht. Diese
Seegebiete einschließlich des Meeresbodens beanspruchen die
Anrainerstaaten meist als exklusives Staatsgebiet.

Nun werden sie sagen, dass es doch keinen Streit geben kann wo klares
Recht besteht… Na ja, bei uns besteht auch klares Recht, trotzdem sind
die Gerichte überlastet. Anders verhält es sich zur See – dort gibt es
(noch) kein klares Recht. Satya Nandan, der Generalsekretär der
Internationalen Meeresbodenbehörde meint: „Wenn die Bergbau-
Unternehmen erfolgreich sind, wird der Effekt für die mineralischen
Ressourcen im Ozean revolutionär sein.“ Übersetzt heißt das, dass dann
das Hauen und Stechen erst richtig losgeht.

Zwar gibt es für die Ozeane so etwas wie eine „Verfassung der Meere“,
aber wie man weiß werden die Einzelheiten in Gesetzen unterhalb der
Verfassung geregelt. Immerhin, seit 1994 ist die UN-Konvention “United
Nations Convention on the Law of the Sea” (UNCLOS) in Kraft. Sie regelt
zwar verbindlich, was auf und in den Meeren erlaubt und verboten ist,
egal ob es die Schifffahrt oder den Tiefseebergbau betrifft, aber wie der
oben erwähnte Streit der Arktisanrainer zeigt, gibt es
Interpretationsspielraum.

Ein entscheidender Grund für diesen Interpretationsspielraum liegt im
Zustandekommen dieser Konvention: Einer der entscheidenden Auslöser
für das „Law of the sea“ war nämlich gerade die Entdeckung der
immensen Manganknollenfelder der Ozeane vor über 30 Jahren und dem
sich schnell entzündenden Streit um die Nutzung der wertvollen Gebiete.
Außerdem herrschte Kalter Krieg und im Weltsicherheitsrat misstraute eh
jeder jedem und es gönnte keiner keinem etwas.

Während die Industrienationen und Rohstoffkonsortien diese Regionen
als rechtsfreien Raum betrachteten, deren Ausbeutung jedem möglich
sei, sahen dies die Kritiker dieser Position ganz anders. Viele kleine
Nationen und die Entwicklungsländer, die weder die Mittel noch die
technischen Ressourcen zur Suche und zum Abbau der Knollen besaßen,
betrachteten die Manganknollen als Gut der Allgemeinheit, von dem jeder
profitieren sollte. Rechtsfreier Raum oder Allgemeingut – das war die
Frage. In zähen Verhandlungen einigte man sich schließlich auf das heute
gültige Seerechtsübereinkommen.

Es teilt zunächst die Ozeane in verschiedene Bereiche ein. Zwölf
Seemeilen breit sind demnach die Küstenmeere, in den nationales Recht
verbindlich ist. Es folgen bis zu 188 Seemeilen an „ausschließlicher
Wirtschaftzone“, in der dem jeweiligen Land vielfältige
Nutzungsmöglichkeiten zustehen. Alles was außerhalb dieser Gebiete
liegt, und damit auch große Teile der Erzvorkommen der Tiefseeböden,
wird in der Charta als „gemeinsames Erbe der Menschheit“ bezeichnet;
eine diplomatische Formel, die den Schwachen ein Gefühl von Größe gibt
und den Starken keinen sonderlich großen Stein in den Weg legt.

Denn jeder, der heute im freien Ozean außerhalb der 200 Meilen-Zone
Tiefseebergbau betreiben will, muss sich mit seinem Anliegen an die
ebenfalls 1994 ins Leben gerufene Internationale Meeresbodenbehörde
(International Seabed Authority) mit Sitz in Kingston, Jamaica wenden.
Egal ob wissenschaftliche Studie oder Schürflizenz, hier werden alle
Vorhaben zum Tiefseebergbau ausführlich geprüft, beurteilt und dann
genehmigt… oder abgelehnt.

Grundlage der Behörden-Entscheidungen ist ein im Juli 2000 von der UN-
Meeresbodenbehörde verabschiedeter Tiefseebergbaukodex für die
Suche und die Förderung von Manganknollen, der unter anderem die
Vorschriften für den Umweltschutz im Rahmen der Projekte festlegt. Eine
international anerkannte Behörde, die die Meere vor Wildwuchs beim
Tiefseebergbau schützen soll und auf die Einhaltung von Umweltauflagen
pocht, besser geht es doch nicht oder? Nun ja, was sich in der Theorie
perfekt anhört, stößt in der Realität schnell an seine Grenzen.

Denn verbindlich sind das Seerechtsübereinkommen und auch die
Entscheidungen der International Seabed Authority nur für Staaten, die
die internationale Vereinbarung unterschrieben haben. Zwar gibt es
mittlerweile weit über 130 Vertragsparteien, nicht dazu gehören jedoch
prominente Mitglieder der Völkergemeinschaft wie Kanada und – wie
könnte es anders sein – die USA. Für sie ist es offenbar nicht akzeptabel,
Schürflizenzen für Projekte in internationalen Gewässern beantragen zu
müssen, einen Teil der geförderten Rohstoffe an die UN abzutreten und
die verwendete Technik anderen Staaten zur Verfügung zu stellen, wie
es das Gesetz der Meere fordert.

Dass die Behörde ein Papiertiger ist, bewies sie im selben Jahr, in dem
auch der Tiefseebergbaukodex verabschiedet wurde. Im Jahr 2000
wurde nämlich auch ein erstes internationales Regelwerk für den Abbau
der Manganknollen verabschiedet mit dem kryptischen
Namen „Bestimmungen über die Prospektion und Erforschung
polymetallischer Knollen in dem Gebiet“. Sieben Konsortien (auch
Deutschland ist beteiligt) haben seither mit der Behörde
Explorationsverträge für den Mangan-Bergbau abgeschlossen… und das
obwohl noch nicht im Mindesten erforscht ist, was das eigentlich mit
unserer Welt und unseren Mitkreaturen (die wir nicht einmal alle kennen)
macht.

Ein weiteres Regelwerk für die an den unterseeischen Vulkanen
ausgefällten Erze in den Massivsulfiden und sogenannten Mangan-
Krusten ist erst für die Zukunft zu erwarten. „Wir haben 80 Prozent des
Regelwerks zusammen, aber einige kritische Punkte fehlen noch. Dabei
geht es um die Aufteilung der Flächen und die Art der Abgaben an die
Staatengemeinschaft“, so Satya Nandan. Aber wo es um so viel Geld
geht und solche Profite winken, da wird auch gerne das Risiko
verschwiegen. Denn eines sollte klar sein: mit den ehrgeizigen Vorhaben
sind nicht nur Chancen verbunden, sondern in mehrfacher Hinsicht auch
enorme Risiken. Erstens ist oft unklar, wem die Bodenschätze aus der
Tiefe eigentlich gehören. Zweitens existieren Grenzverläufe auf hoher
See nicht und selbst in Küstennähe sind die Grenzen häufig umstritten.
Es drohen also politische Konflikte, internationale Machtverschiebungen
und… Umweltschäden in einem Gebiet, über das wir so gut wie nichts
wissen.

Die Ökologie der Tiefsee

Die Tiefseeforschung ist ein vergleichsweise junges Forschungsgebiet:
Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren Wissenschaftler überzeugt,
dass der Boden der Ozeane unbelebt und mit Eis bedeckt sei. Gerade
einmal 77 Jahre ist es her, dass es dem Zoologen William Beebe erstmals
gelang, Wesen der Tiefsee in ihrem natürlichen Lebensraum zu
beobachten. Forscher glauben, dass in den Tiefen der Weltmeere noch
unzählige bisher unbekannte Arten leben. Jede Expedition in die Tiefsee
fördert Hunderte Lebewesen zutage, welche die Forscher nie zuvor
gesehen haben. Bis zu 10 Millionen Tierarten vermuten sie in den
Ozeanen. Und gerade mal zwei Prozent davon haben bisher überhaupt
einen Namen.

Die Artenvielfalt der Tiefsee ist größer als die im tropischen Regenwald –
und das, obwohl dort extrem lebensfeindliche Bedingungen herrschen.
Der Meeresboden der Tiefsee ist bislang kaum erforscht. Der WWF-
Meeresexperte Christian Neumann: „Wir wissen weniger über die Tiefsee
als über den Mond – aber die Pläne für ihre Ausbeutung werden bereits
geschmiedet“, so Neumann. Da das Ökosystem nicht an Eingriffe
gewöhnt sei, wisse niemand, ob sich der Meeresboden überhaupt vom
Abbau der Millionen Jahre alten Manganknollen erholen könne. In den
pazifischen Manganknollen-Feldern lebt eine erstaunliche Vielfalt von
Muscheln, Krebsen, Schwämmen und Anemonen. Untersuchungen in den
90er Jahren haben bereits gezeigt, dass sich nach einem Abbau die
ursprünglichen Lebensgemeinschaften nicht wieder entwickeln.
Außerdem können die Auswirkungen der entstehenden Sediment-Wolken
verheerend sein für das Leben der Tiefsee.

Die Umweltschützer sehen das einzigartige Ökosystem Tiefsee durch
wirtschaftliche Interessen bedroht. "Die potenziell größte Bedrohung
dieser Lebensräume sind die wertvollen Erzvorkommen, die sich im Laufe
der Zeit hier abgelagert haben. Deren Abbau könnte eines Tages diese
Paradiese der Dunkelheit massiv gefährden", fürchtet etwa die
Umweltorganisation WWF. „Da droht ein rücksichtloser Goldrausch“, so
Christian Neumann. „Deutschland hilft mit, eine Lawine loszutreten,
deren ökologische Folgen für die Tiefsee verheerend sein können.“
Neumann fürchtet, wenn in Zukunft in der Tiefsee großflächig
Manganknollen abgebaut werden, drängt sich noch ein ganz anderer
Vergleich mit dem Regenwald auf: „Eine Zukunft mit tausenden
Rodungsmaschinen im Pazifik – das erinnert fatal an den Kahlschlag im
Regenwald“.

Doch dieser Vergleich hinkt nicht nur, er ist in Bezug auf die Tiefsee völlig
indiskutabel. Da wir über die Tiefsee selbst wenig, ihre Funktion im
globalen Ökosystem noch weniger und darüber was passiert wenn es
aus dem Gleichgewicht gerät schon gleich überhaupt nichts wissen, muss
man annehmen, dass selbst ein lokaler Abbau, globale Folgen nach sich
ziehen kann. Denn zerpflügte Meeresböden, zerstörte Ökosysteme und
zahllose tote Tiere sind längst nicht die einzigen möglichen Folgen eines
intensiven Tiefseebergbaus. So haben Forscher im Laufe der Zeit
mindestens zwei weitere Gefahren für die Tiefseeumwelt entdeckt, die
bei der Durchführung von Projekten auftreten.

Da ist zunächst die gewaltige Wolke aus Sedimenten, die die Raupen
und Mangankollektoren beim Durchkämmen des Bodens aufwirbeln.
Selbst mit der meist nur geringen Strömung in den Tiefen der Ozeane
kann sich diese am Meeresboden beträchtlich ausbreiten. In einiger
Entfernung lagern sich die Sedimente dann in vom Tiefseebergbau
unberührten Gebieten wieder ab und bedecken alles Leben in der
Tiefsee mit einer Art Leichentuch. Das Umgraben der Meeresböden sorgt
nicht nur für Wolken über dem Ozeanboden, auch das chemische Milieu
gerät durcheinander. Bisher tief im Porenwasser der Sedimente gelöste
Minerale und Spurenelemente kommen beispielsweise mit dem
Sauerstoff im Wasser in Kontakt und werden oxidiert. Das umgesetzte
O2 fehlt dann z.B. den Tiefseetieren bei der Atmung.

Bedroht wird das Ökosystem Tiefsee, so haben Wissenschaftler
festgestellt, auch noch durch einen anderen, vielleicht sogar viel
gefährlicheren Dunstschleier. Denn der Mix aus Sedimenten, Resten von
Lebewesen sowie kaltem Tiefenwasser, der mit den Manganknollen an
Bord der Schiffe gespült worden ist, muss „entsorgt“ werden. Geschieht
dies durch einfaches Abpumpen (wie, weil kostengünstig, zu befürchten
steht), entsteht eine Schlammwolke an der Wasseroberfläche, deren
Folgen bis heute noch völlig unerforscht sind. Wissenschaftler vermuten
aber, dass unter anderem die Fischkiemen durch die Partikel in
Mitleidenschaft gezogen werden und auch andere Filtrierapparate von
Meerestieren nicht mehr optimal funktionieren.

Verheerend wären vermutlich auch die Auswirkungen auf das
Phytoplankton im Meer. Durch den eingeschränkten Lichteinfall können
sie nur noch eingeschränkt Photosynthese betreiben und die
Primärproduktion käme zumindest teilweise zum Erliegen – mit fatalen
Folgen für die Nahrungskette im Ozean und den gesamten
Sauerstoffhaushalt der Erde.*2 Nach Ansicht von Meeresforschern
besteht zudem die Gefahr, dass die Trübung des Meeres nicht auf den
Ort der Einleitung beschränkt bleibt. Mithilfe von Meeresströmungen
könnten die Partikel hunderte oder tausende Kilometer weit wandern
und unter Umständen zu einer globalen Gefahr für die Meeresumwelt
werden. Die Wissenschaftler der Gruppe „TUSCH“ (Tiefsee-
Umweltschutz) *3 halten deshalb die Entsorgung von Abbauabfällen
direkt an der Oberfläche für fatal.

Neben den Auswirkungen der Verschlammung an sich, würden also auch
große Mengen giftiger und sogar Krebs erregender Schwermetalle (z.B.
Nickel) ins Oberflächenwasser gelangen. Diese Folgen auch für die
Nahrungskette der Menschheit sind überhaupt nicht ausdenkbar. Nur so
viel: Große Teile der Menschheit wäre gefährdet, denn das Meer liefert
etwa 40% des von der Menschheit verzehrten Proteins.

Das Problem des gemeinsamen Erbes der Menschheit

Das Problem mit der Schlammwolke treibt auch Lenaick Menot vom
französischen Meeresforschungsinstituts Ifremer in Brest um. Er
erläutert, dass ein Abbau über dem Meeresboden eine gigantische
Staubwolke aufwirbeln könnte, jahrzehntelang. Er bezweifelt, dass sich
die Lebensgemeinschaften der Tiefsee von einem solchen Eingriff erholen
würden – es sei denn, man ließe große Flächen zwischen den
Abbaugebieten unberührt. Und genau das wäre das Klügste: Ähnlich wie
man es seinerzeit mit der Antarktis gemacht hat, könnte man auch die
Tiefsee unter Schutz stellen.

Inzwischen ist die Antarktis zwar nicht mehr eine völlig unberührte
Schneefläche. Aber sie steht unter internationalem Schutz. Jede
wirtschaftliche Ausbeutung ist untersagt. Deshalb ist auf dem Kontinent
nur der so genannte sanfte Tourismus erlaubt. Und natürlich die
Forschung. Doch selbst die Forschungsprojekte unterliegen strengen
ökologischen Auflagen.

Völkerrechtlich ist die Antarktis staatenlos, ohne eigene Gesetze und
Verordnungen. 1961 unterzeichneten zwölf Nationen den
Antarktisvertrag, der die rein wissenschaftliche Nutzung des Kontinents
vorsieht. Die beteiligten Länder verzichten auf jeden Gebietsanspruch
auf dem sechsten Kontinent. 1978 ist auch Deutschland dem Vertrag
beigetreten; 1990 die Schweiz. Vor zehn Jahren wurde das Abkommen
im Madrider "Protokoll zum Schutz der Antarktis" verlängert – so ist die
Nutzung der reichlichen vorhandenen Bodenschätze mindestens für die
nächsten 50 Jahre verboten.

Verbindliche Umweltregeln gibt es in der Tiefsee bisher fast nirgendwo,
auch Schutzgebiete fehlen. Der Meeresboden droht zum Pionierland wie
einst der Wilde Westen zu werden – ein Gebiet ohne Regeln und
Kontrollen, in dem sich jeder greift, was er kann. Wo so viel Geld im Spiel
ist und solche Profite locken, ist auch Illegalität nicht fern. Für die
Exploration geben die Konzerne Milliarden Dollar aus – für dringend
notwendige, umfassende Umweltstudien fehlt den Forschern das Geld.
Anstatt die Tiefsee als Erbe der Menschheit zu bezeichnen, hätte man sie
besser als unantastbar erklären sollen – doch dafür standen die
Industrie und die Machtpolitiker nicht zur Verfügung.

Schlusswort

Das Trojanische Pferd wiehert – als es das letzte Mal gewiehert hat, ist
eine ganze Stadt untergegangen. Und um an das Eingangs-Zitat von P.
Cloud zu erinnern: Wenn Wachstum die Vorrechte einer heiligen Kuh hat,
dann müssen diese Vorrechte schnellstens überprüft werden, da sonst
die „feindlichen Krieger“ aus diesem Trojanischen Pferd nicht nur einer
Stadt den Garaus machen werden.

Unsere Lebensgrundlage darf niemals ausschließlich unter Verwertungs-
Gesichtspunkten gesehen werden. Überläßt man sie aber dem
Dafürhalten von Konzernen oder Regierungen welche oft von Konzernen
und ihren Lobbyisten erpresst werden, dann wird es immer Sachzwänge
dafür geben, warum Natur nun doch leider zerstört werden muß...

Den Verkündern des ungebremsten Wachstums, das ausschließlich zu
Kosten der Lebensumwelt, der Mitkreaturen und zukünftiger
Menschengenerationen geht, muss das klare Bekenntnis zur
Nachhaltigkeit allen Wirtschaftens entgegen gehalten werden. Wir sind
an einem Punkte angelangt, von dem aus wir nicht weitergehen dürfen –
es sei denn, wir riskieren größere Vernichtung von Leben, als durch die
Kriege der Menschheit.

Die Bundesregierung stellt sich gerne als in Umweltschutzfragen als
fortschrittlich dar. Die Wahrheit aber ist, dass wohl in Fragen der Tiefsee
der Umweltschutz wirtschaftlichen Interessen untergeordnet wird,
obwohl die Folgen – aller Wahrscheinlichkeit nach –verheerend sein
können. Nachdem ich mit diesem Thema beschäftigt habe, werde ich
meine Kandidaten zur Bundestagswahl 2009 auch nach ihrer Haltung zu
dieser Frage prüfen.

Besorgt

Wilfried John


*1
Methanhydrat bietet keine wirkliche Alternative, wenn andere fossile
Energievorräte zur Neige gehen. Denn der Abbau von Methanhydrat birgt
ernsthafte Gefahren: Kontinentalsockel könnten abrutschen und
unterseeische Erdrutsche mächtige Flutwellen auslösen, maritime
Ökosysteme können zerstört werden. Außerdem könnten
Methangaswolken freigesetzt werden – was eine weitere Bedrohung für
das Welt-Klima wäre, da Methan ein noch stärkeres Treibhausgas als
Kohlendioxid ist.

Bei weiter steigendem Energieverbrauch wird Öl in etwa 45 Jahren
ausgebeutet sein, Kohle in 150 Jahren. Eine wirkliche Alternative wäre
ein Umsteuern auf regenerative Energie; z.B. der Einstieg in die
Wasserstoffwirtschaft (siehe auch meinen Artikel: Lösungen sind
denkbar – Gedanken zur sog. Energiekrise, Teil IV)

*2
Neben Trinkwasser ist das Element Sauerstoff bekanntlich
überlebenswichtig. Dabei kommt nicht – wie fälschlicherweise oft
angenommen wird – dem Wald die wichtigste Regenerationsaufgabe für
den Sauerstoff zu, sondern sie kommt den Ozeanen zu. Gerade das
Phytoplankton im Meer übernimmt diesen wichtigen Prozess. Wird dieser
Prozess etwa durch den eingeschränkten Lichteinfall durch Abfälle des
Tiefseebergbaus oder durch Vergiftung durch die geförderten Mineralien
und Metalle gestört, kann das Phytoplankton nur noch eingeschränkt
oder – im schlimmsten Fall – gar nicht mehr mittels Photosynthese
Sauerstoff erzeugen.

*3
TUSCH nahm in den 1980er Jahren mit Unterstützung des
Bundesministeriums für Forschung und Technologie seine Arbeit auf. Die
beteiligten Wissenschaftler wollten einerseits Licht in das Dunkel der bis
dahin noch weitgehend unbekannten Lebensgemeinschaften im
Tiefseeboden bringen. Andererseits hatte sich der Verbund auch zum Ziel
gesetzt, die Folgen des Abbaus der schwarzen Knollen in Experimenten
direkt vor Ort zu untersuchen. Daraus galt es dann Richtlinien für eine im
großen Maßstab betriebene Mangan-Förderung zu entwickeln.

icon1 Re: Das Trojanische Pferd wiehert – Über die ungebremste Ausbeutung von Bodenschätzen in der Tiefsee Datum: 17.05.2010, 09:51
Wilfried John (Silber Super-Member)
Aktualisierung

Mit der Explosion und dem Sinken der Ölbohrinsel “Deepwater Horizon”
im Golf von Mexiko droht eine Umweltkatastrophe gigantischen
Ausmaßes. Seit dem Absinken der rund 70 Kilometer vor der US-Küste
gelegenen Förderinsel sprudeln aus dem Bohrloch am Meeresboden
täglich 800.000 Liter Öl ins Meer. Alles Versuche des Verursachers der
Umweltkatastrophe, BP, die Quelle abzudichten, sind bislang
fehlgeschlagen.

Nicht abzuschätzende Folgen
Als “Umweltbombe” bezeichnet Ulrich Saint-Paul vom Zentrum für marine
Tropenökoologie http://www.zmt-bremen.de die Katastrophe. “Was an
möglichen Folgen für die Umwelt droht, geht über jede Vorstellungskraft”,
so der Meeresexperte gegenüber pressetext. Unmittelbar gefährdet sei
die gesamte Nahrungskette in dieser Region des Golfes sowie auch die
Flora und Fauna der Küste. Der Ölteppich, der am Donnerstagabend
bereits eine Länge von acht Kilometern erreicht hat, dürfte zu Beginn
nächster Woche die US-Küste erreichen. “Das Öl legt sich über alle
Organismen und unterbindet deren Atmung und Stoffwechsel, sodass sie
sterben”, berichtet Saint-Paul.

Großflächige Gefahr
Wird der Ölteppich von der Meeresströmung verteilt, sind auch zahlreiche
weitere Lebensräume bedroht, bis hin zu den Korallenriffen in Florida und
in der Karibik. Wie sensibel Korallen auf Öl reagieren, hat sich vor zwei
Wochen im australischen Great Barrier Reef gezeigt. Der chinesische
Kohlefrachter “Shen Neng 1″ lief auf eine Korallenbank auf, wobei
vergleichbar kleine Ölmengen des Tankes ausliefen. “Das Gefährdungspotenzial
für die Korallen ist dennoch so enorm, dass sie in kurzer Zeit zugrunde
gehen werden”, so der Bremer Forscher.

Neuauflage von Exxon-Valdez
Bei der aktuellen Größenordnung des Unfalls kommt unweigerlich der
Tankerunfall der “Exxon Valdez” in das Bewußtsein, der vor 20 Jahren
weite Küstenregionen in Alaska nachhaltig zerstört hat. Die Folgen der
40 Mio. Liter Rohöl, die damals ausliefen, sind sogar heute noch nicht
überwunden. “Da der Golf von Mexiko wärmer ist, kann man damit
rechnen, dass der Abbau des Öls ein wenig schneller vor sich geht.
Darauf zu hoffen ist jedoch kein Trost - da die Zerstörung des Lebensraums
sofort einsetzen wird”, so Saint-Paul.

Wilfried John


Der Golf von Mexiko
Der Golf von Mexiko ist als Randmeer des Atlantiks und als
nordwestlicher Teil des Amerikanischen Mittelmeers nahezu von
Nordamerika eingeschlossen. Der bis bis 4.375 m tiefe Golf grenzt im
Südosten an Kuba. Er ist über die Floridastraße zwischen den USA und
Kuba mit dem Atlantischen Ozean und über die Straße von Yucatán
zwischen Mexiko und Kuba mit der Karibischen See verbunden.

Der Golf von Mexiko wurde viele Male durch mächtige atlantische
Hurrikans heimgesucht, einige von ihnen kosteten viele Menschenleben
und verursachten große Zerstörung. Nun droht eine neue Gefahr
unbekannten Ausmaßes. Weite Küstenregionen sind bedroht. 445
Fischarten, 45 Säugetierarten, 32 Amphibienarten und 134 Vogelarten
sind laut dem Louisiana Department of Wildlife and Fisheries unmittelbar
durch den klebrigenn Ölteppich in Gefahr. Meeressäuger, wie der Große
Tümmler oder der Pottwall können sich im klebrigen Öl verfangen, wenn
sie zum Luftholen auftauchen. Der Golf von Mexiko ist der einzige Ort an
dem der Blauflossenthun im Westatlantik noch seine Laichgründe hat.
Alle Blauflossen-Thunfischarten sind massiv überfischt und vom
Aussterben bedroht. Nun hat ihre Laichzeit begonnen und die Eier der
Fische schwimmen an der Wasseroberfläche. Auch die Larven bleiben in
den oberen Wasserschichten und sind so direkt von der Ölpest betroffen.
Die bisher geschäzten Schäden für Fischerei und Fremdenverkehr nur in
den USA belaufen sich auf jeweils drei Milliarden US Dollar; die Folgen für
die vom Tourismus lebenden Inseln sind nicht absehbar.

icon1 Re: Das Trojanische Pferd wiehert – Über die ungebremste Ausbeutung von Bodenschätzen in der Tiefsee Datum: 17.05.2010, 18:31
(Silber Super-Member)

gelöscht

icon1 Re: Das Trojanische Pferd wiehert – Über die ungebremste Ausbeutung von Bodenschätzen in der Tiefsee Datum: 17.05.2010, 19:03
kapverd (Gold Super-Member)
Wir sollten uns aktuell damit abfinden das dort ein schwerer Unfall passiert ist. Die Folgen sind der Unfall an sich. Ich zweifle ob die von Sabine-sn angegebenen Experten auch nur im Ansatz zur Lösung dieses Problems beitragen können. Eine Sprengung würde das jetzt noch teilweise intakte Prevenderventil unter Umständen zerstören und der gesamte Druck des Bohrlochs würde Öl in die See drücken, immerhin sind dort unten Drücke von 150 bar vorhanden. Nicht so vorschnell die arbeitende Bevölkerung beschuldigen, auch dann nicht wenn diese zu BP gehört.

J.M.

icon1 Re: Das Trojanische Pferd wiehert – Über die ungebremste Ausbeutung von Bodenschätzen in der Tiefsee Datum: 17.05.2010, 20:23
(Gold Super-Member)

gelöscht

icon1 Re: Das Trojanische Pferd wiehert – Über die ungebremste Ausbeutung von Bodenschätzen in der Tiefsee Datum: 18.05.2010, 14:03
kapverd (Gold Super-Member)
Sie scheinen über alles Bescheid zu wissen, das freut mich solch kompetente Menschen hier anzutreffen. Im Kaspischen Meer wird Öl bevorzugt in 2-40m Wassertiefe gefördert, nicht in 1600m Tiefe wie auf der besagten nicht mehr existenten Bohrinsel im Golf von Mexiko. Ich würde mich sehr wundern, wenn ein Milliardär überhaupt weiß wie ein Bohrloch aussieht und überhaupt jemals ein solches aus der Nähe gesehen hätte, und dann will er ein Kommentar über ein defektes Bohrloch mit einem aufsitzenden Blow-out-Prevender-Ventil abgeben? Lachhaft. Und dann in der SChnelle in 1600 Meter Tiefe ein Sprengloch bohren. Hoffentlich tauchen soclhe Spezialisten nie in den übrigen Ozeanen auf, siehe den obigen ersten Artikel.

Mit arbeitender Bevölkerung meine ich natürlich u.a. auch den Manager von BP (heute mal in der FAZ blättern!).

Die Bemerkungen mit Gewinnmaximierung hier wieder in Bezug auf BP eingeschossen wird langsam lästig. Alles und jeder auf diesem Planeten von den 6,8 Millairden Irrläufern arbeitet 24 Stunden nach dem Prinzip der Gewinnmaximierung und der Kostensenkung. Die absoluten Spezialisten in Bezug auf Gewinnmaximierung sind übrigens die Gewerkschaften und das Finanzamt. Setzen Sie Ihre spitzen Bemerkungen sparsamer und realiätsbezogener ein.

J.M.

icon1 Re: Das Trojanische Pferd wiehert – Über die ungebremste Ausbeutung von Bodenschätzen in der Tiefsee Datum: 18.05.2010, 15:10
(Gold Super-Member)

gelöscht

icon1 Re: Das Trojanische Pferd wiehert – Über die ungebremste Ausbeutung von Bodenschätzen in der Tiefsee Datum: 18.05.2010, 15:52
kapverd (Gold Super-Member)
Sie mißverstehen, das Bohrloch wird sicherlich verschlossen. Nur - auch díe USA oder BP sind nicht Gott.

icon1 Re: Das Trojanische Pferd wiehert – Über die ungebremste Ausbeutung von Bodenschätzen in der Tiefsee Datum: 18.05.2010, 16:57
(Gold Super-Member)
@kapverd

Ich frage mich generell, wie man eine Bohrung nach Öl in 1500 m Tiefe (oder 1600 m,
wie sie schreiben) überhaupt zulassen kann, wenn man dann nicht weiß was man gegen
auslaufendes Öl aus einem Bohrloch unternehmen kann und wie man die Umweltkatastrophe
in den Griff bekommt. Nimmt man da einfach in Kauf das monatelang jeden Tag Unmengen
von Erdöl ins Meer ausfließt und eine Umweltkatastrophe von unvorstellbarem Ausmaß
verursacht?
So etwas Unverantwortliches habe ich bis heute noch nicht gesehen. Darf man für den
schnöden Mammon wirklich gar alles?
Wenn die USA und BP schon nicht Gott sind, wie sie schreiben, dann sollten sie sich auch
nicht als Götter aufführen. Und nicht dann hilflos vor dem Bohrloch dastehen.

Die nächste Bemerkung von ihnen ist aber höchst lachhaft:
zitat:
Die absoluten Spezialisten in Bezug auf Gewinnmaximierung sind übrigens die Gewerkschaften
und das Finanzamt.

Wenn man also profitgeil und auf Gewinnmaximierung aus ist, wird man also Gewerkschafter?
Und auch Finanzbeamte können ja nichts in die eigene Tasche stecken.

Zu den anderen -feindlichkeiten, die ich bei ihnen schon feststellen konnte, kommt auch
noch gewerkschaftsfeindlich dazu.

Noch eine Bemerkung zu den untadeligen Managern.
zitat:
Mit arbeitender Bevölkerung meine ich natürlich u.a. auch den Manager von BP
(heute mal in der FAZ blättern!).


Dass Sie in der wirtschaftshörigen FAZ blättern verwundert mich aber schon gar nicht.
Dort finden Sie ja die von ihnen hoch gelobten und so "verantwortungsvollen Manager"
ja massenweise vor und dort werden diese auch mit Glacè-Handschuhen angefasst und
verhätschelt.

Hubert

icon1 Re: Das Trojanische Pferd wiehert – Über die ungebremste Ausbeutung von Bodenschätzen in der Tiefsee Datum: 18.05.2010, 18:01
kapverd (Gold Super-Member)
Hallo Hubert Wenzel, bitte um Frieden! Mir persönlich ist der ganze Mammon Wurscht. Ich orientiere mich nur noch an meinem eignen Trailer.

Ich möchte hier den Artikel von Wilfried John hervorheben, der einen Bereich betont der bisher nicht beachtet wurde. Es bahnt sich da in der Tiefsee eine unerhörte Katastrophe an, im Sinne des Wortes.

Ich blättere übrigens gerne in der FAZ, in der WELT, in der ZEIT und im Grennpeace - Mitteilungsblättchen rum. Auch in der Seite "Wissenschaft.de" im Internet, im "der standard" als Zeitung aus Wien, im Spiegel, in der TAZ, und in einigen Fotozeitschriften. Im TV schaue ich mir einiges aus Arte an, und sonst sind da noch ne Menge Informationsträger zu erwähnen - aus denen ich Informationen beziehe. Desweiteren beschäftige ich mich beruflich mit Bankkonflikten an der ersten Front, mit Gutachten von Immobilien und so Sachen. Literatur lese ich wenig da sehr wenig im Sinne meines Trailers hier geschrieben wird. Ebenfalls son bisschen Kommunalpolitik ist noch dabei. Ich war einmal Mitglied bei den Grünen, ist aber schon lange her da mir deren Sprüche auf den Keks gingen. aber bei Greenpeace bin ich noch als zahlende Karteileiche. aber da kann ich nicht alles akzeptieren, aber die setzen sich zumindest kompromißlos für die Tier- und Pflanzenwelt ein, das imponiert mir unerhört.

Sehr imponiert hat mir Donald Rumsfeld mit seinen unkonventionellen Sprüchen, der aber inzwischen aus der Öffentlichkeit verschwunden ist.

Mir ist es auch Wurscht was andere über mich denken.

mit echt freundlichen Grüßen
Josef Moeller

SBB © Druckbare Version von dem Thema Das Trojanische Pferd wiehert – Über die ungebremste Ausbeutung von Bodenschätzen in der Tiefsee