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Thema: Im Literaten-Café *** Tolle Frauen und ihre Schwächen
Ingrid Boucha (offline)
Newbie




Wie bringt man Gott zum Lachen? Erzähl' ihm von deinen Plänen!

Beiträge: 2
Geschlecht:
Mitglied seit: 08.12.2011

Trier - Deutschland
icon1   Im Literaten-Café *** Tolle Frauen und ihre Schwächen #1 Datum: 27.12.2011, 08:53  

Tolle Frauen und ihre Schwächen
2012 wird mein Jahr!


Vor drei Jahren war mein Leben noch ausgefüllt und leicht. Ich hatte
einen wunderbaren gutaussehenden Mann, der immer für mich da war
und dessen Liebe mich umhüllte wie ein wärmender Mantel.


Wir wollten damals „Goldene Fäden in das Gewand der Tage weben“, das
jedenfalls versprachen wir uns bei unserer Hochzeit... bis zu jenem
sonnigen Spätnachmittag im August: Ich stand auf dem Balkon unserer
traumhaften Altbauwohnung, schaute über die Dächer unserer Stadt und
mein Mann stand in der Tür und teilte mir mit, er werde mich jetzt
verlassen. Für immer! Ohne Vorwarnung, ohne Streit, ohne Ehekrise.

Er liebe mich zwar immer noch, könne sich aber ein Leben ohne Kinder
nicht mehr vorstellen. Unsere Liebe reichte ihm nicht mehr. Klar, ich war
fünfzehn Jahre älter als er, und natürlich haben wir die Kinderfrage vor
unserer Hochzeit geklärt. Ich hatte keine Lust mehr auf Babys, wollte mit
meinem jungen Ehemann mein Leben genießen, und außerdem hatte ich
ja bereits eine erwachsene Tochter.

Er beteuerte damals: Für ihn seien Kinder nicht wichtig. Hauptsache er
könne mit mir zusammen sein. In unserem Bekannten- und Freundeskreis
galten wir - trotz des Altersunterschieds - immer als Traumpaar. Und
dennoch: Die zwei Sätze, die ich mir fortan anhören muss, lauten
ungefähr so: „Auf Dauer konnte das ja mit euch nicht gut gehen. Bei dem
Altersunterschied!“

Nachgeschoben wird dann noch gerne: „Du bist doch so eine tolle Frau“.

Ich verabscheue diesen Satz. Auch wenn er nett gemeint ist. Was soll
„frau“ darauf antworten? Danke, aber besonders toll fühle ich mich
seitdem nicht mehr? Oder etwa: Ja, seine jetzige Frau (die ein halbes Jahr
später meine Nachfolge antrat und gerade mal so alt ist wie meine
Tochter) ist bestimmt nicht halb so toll wie ich. Oder wie?

Der Satz ist so schrecklich bescheuert und komplett bedeutungslos.
Selbst wenn ich das wäre, eine tolle Frau. So hat es mich doch vor nichts
bewahrt. Ich habe immer Herzensentscheidungen getroffen. Nicht immer
waren es die richtigen. Ich wurde enttäuscht, verletzt und verlassen.

Manchmal über Nacht und manchmal sogar per SMS. Und trotzdem: Meine
Entscheidungen habe ich nie bereut.

Als vermeintlich „tolle Frau“ rennen mir die Männer keinesfalls die Bude
ein. Ich habe höchstens einen Ruf zu verlieren, wenn ich dann doch in
dem emotionalen Sumpf versinke, den ich stark – wie ich als tolle Frau zu
sein habe – ja eigentlich erhobenen Hauptes durchschreiten sollte.

Natürlich habe ich seitdem ein paar Männer getroffen. Auch sie sagen, sie
fänden mich toll. Vielleicht denkt „Er“ auch frau will das hören. Außerdem
benutzt man(n) gerne auch diesen Satz als so eine Art Türöffner. Denn
danach folgen meist auch Sätze wie: „Jetzt trinken wir noch einen
Absacker und dann zeig’ ich dir mein Wasserbett.“

Was genau soll das übrigens sein, ein tolle Frau? Der Titel klingt so
schrecklich oberflächlich. Meist reicht es schon aus, wenn sie nett
ausschaut, ihr eigenes Geld verdient, einen Beruf hat, mit dem sie
angeben kann und weiß, das Rigoletto kein Schokoriegel ist.

Wenn Leute, die mir nahe stehen sagen, ich sei doch so eine tolle Frau,
dann wollen sie auch gar nicht weiter bohren. Sie wollen nicht wirklich
wissen, was los ist in meinem Leben.

Es ist ein platter Trost oder besser gesagt, ein Trostpflästerchen, damit
ich nun wirklich keinen Grund habe rumzujammern. Heimlich denken die
Beziehungsglücklichen unter ihnen natürlich, oh Gott, kann mir das auch
passieren? Darüber müssen und wollen die meisten erst gar nicht
nachdenken.

Viel schlimmer ist es, wenn man alles dafür tut, seinem Image immer voll
und ganz gerecht zu werden. Ich habe die ersten 15 Monaten nach
meiner Trennung nur damit verbracht, meine Wunden zu lecken. Die
folgenden Monate habe ich dann damit verschwendet, in zwei elitären
Internetbörsen nach dem passenden Mann (besser, reicher und
vorzeigbarer als mein Ex natürlich) zu suchen.

Danach habe ich alle möglichen Diäten gemacht, bin täglich ins
Fitnesstudio gerannt, habe mir neue Designer-Klamotten gekauft, ein
kleines Vermögen für Anti-Aging-Kosmetik ausgegeben und hin und
wieder mit meinen Freundinnen Party gemacht. Am Ende des Abends
hatten alle die Backen weh vom Lachen. „Männer sind wie Wolken. Wenn
sie sich morgens verziehen, wird’s doch noch ein schöner Tag“

Oder: „Warum hat der liebe Gott den Mann erschaffen? Antwort: Weil
Vibratoren keine Rasen mähen können!“ Meine launigen Witze über die
Männerwelt sind eben unschlagbar!

Natürlich haben mich alle dafür bewundert, wie gut ich die Krise
überwunden habe. Aber richtig gut ging es mir in all’ den Jahren selten.

Tollen Frauen stehen natürlich auch tolle Männer zu. Auch mir ist eines
Tages einer über den Weg gelaufen: Fünf Jahre älter als ich, gut
aussehend, charmant, mit sehr viel Charisma, gebildet. Er trug edle
Designer-Krawatten und -Manschettenknöpfe und gehörte zur obersten
Deutschen Manager-Elite.

Schon beim ersten Date machte er mir unmissverständlich klar, dass er
als erfolgreicher Firmenboss natürlich keinen Stress mit einer Frau
gebrauchen könne. Er sei ja so beschäftigt...

Dennoch versprühte ich meinen Charme und machte meinem Image als
tolle Frau alle Ehre. Er zeigte sich verständnisvoll: „Du bist so eine tolle
Frau. Du weißt genau was du willst, bist super sexy - und genau das
macht vielen Männern Angst. Ganz klar!“

Aha! Die Männer, denen ich bis jetzt begegnet bin, waren also alles
Weicheier. Nur er, er war anders...

Wir gingen zusammen in die Oper, in angesagte Nobellokale, diskutierten
über seine und meine Lieblingsliteratur und hatten tollen Sex. Seine
Dates mit mir musste er natürlich vorher immer mit seinem Terminkalender
und/oder seiner Sekretärin abstimmen. Klar! Wenn er mich anrief, dann
spät am Abend aus irgendeiner einsamen Hotelsuite oder zwischen zwei
Flügen. Und ich?

Ich war bescheiden. Stellte keinerlei Ansprüche und war nie diejenige, die
zuerst anrief. Diese Blöße wollte ich mir nicht geben. Dabei hätte ich ihm
so gerne gesagt, dass ich mich am liebsten kopflos in ihn verlieben
würde...

Nach einigen Wochen kam dann eine SMS von ihm. Er sei so beschäftigt
und es wäre auch nicht abzusehen, wann er wieder Zeit für mich haben
werde. Das war im wahrsten Sinne des Wortes das Letzte was ich von
ihm gehört habe.

Und die Moral von der Geschicht’: Ich bin keine tolle Frau! Ich bin eine
selbstbewusste, starke Frau die dennoch verletzlich ist. Ich bin eine
ratlose und überforderte Frau, eine ungeduldige und wütende Frau. Aber
auch eine, die zuhören kann, immer gute Laune hat und andere zum
Lachen bringt.

Und hin und wieder – zum Glück immer seltener - bin ich eine Frau, die
daran verzweifelt, dass ihr Mann gegangen ist. Den Jahreswechsel habe
ich überwiegend damit verbracht, mir all’ das genauer anzuschauen. Ich
entdecke auch an mir eine ganze Menge Schwächen. Und ich werde
selbige auch zulassen!

Wer als Frau Schwäche zeigt, hat nämlich auf der Suche nach dem
Richtigen eine verdammt große Auswahl! Also, drücken Sie mir die
Daumen! Tief in meinem Inneren fühle ich es nämlich genau:

Dieses Jahr wird mein Jahr!


Ingrid Boucha


habe nie schlechte Laune und bringe andere gerne zum Lachen!
"Du hast ein Talent zum Glücklichsein" hat eine Freundin mal von mir behauptet. Tja, ich
glaube, da liegt sie nicht so ganz falsch!
Ich bin durch und durch Weib - stark aber
dennoch verletzlich
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